Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Nachdem im Fall der in Wien vermissten israelischen Frauen am Donnerstagmorgen in Israel eine Nachrichtensperre erlassen wurde und die innerisraelische Polizeieinheit Lahav 433 die Ermittlungen übernommen hat, kursieren Gerüchte mit heftigen Folgen.

Mali Yahalomi arbeitet offensichtlich als Angestellte bei der Bank of Jerusalem. Weil sie und ihre Tochter laut der online kolportierten Mutmaßungen kurz vor ihrem Verschwinden am vergangenen Samstag über größere Geldsummen verfügt haben sollen, wofür bisher keinerlei Beweise bekannt wurden, fiel die Aktie der Bank an der Tel Aviver Börse um drei Prozent. Laut dem Sender Kan sei es tagsüber zu einem starken Auf und Ab des Kurses gekommen.

Umgehendes Dementi

Die Bank veröffentlichte umgehend ein Statement, dass man eine Untersuchung eingeleitet und »nichts gefunden« habe, »das auf Unregelmäßigkeiten bei den Finanzmitteln oder Vermögenswerten der Bank« hinweise. Kan zitiert eine Mitteilung des Vorsitzenden Yair Kaplan an seine Angestellten: »Es muss betont werden, dass abgesehen von der Tatsache, dass (Yahalomi) eine Angestellte dieser Bank ist, keine Verbindung zwischen ihrem Fall und der Bank gefunden wurde.«

Lesen Sie auch

Mali und Liel Yahalomi waren zuletzt am Freitag vor Schabbatbeginn in Kontakt mit ihrer Familie in Israel. Ihre Telefone konnten laut »Ynet« am Samstagmorgen um 9:30 Uhr in der Nähe des Bahnhofs in Wien geortet werden, danach wurden sie ausgeschaltet. Am Dienstagabend ließen die beiden Frauen ihren Rückflug nach Israel verstreichen. Israelische und österreichische Behörden arbeiten eng zusammen auf der Suche nach der 50-jährigen Mutter und ihrer 23-jährigen Tochter.

Laut Wiener Polizei gibt es bislang keine konkreten Hinweise auf ein Fremdverschulden oder ein Verbrechen. Die Frauen hätten die Ferienunterkunft freiwillig verlassen, hieß es am Mittwochabend.

Familie widerspricht

Die Familie der Vermissten hat der Vermutung, die beiden seien freiwillig untergetaucht, vehement widersprochen. Ein solches Verhalten sei absolut untypisch für die beiden. Auch habe es auf den Konten der Frauen bis zum Verschwinden keine ungewöhnlichen Aktivitäten gegeben, zitieren israelische Medien die Familie. Sie forderte die Behörden auf, auch ein terroristisch motiviertes Verbrechen nicht auszuschließen.

Die israelische Botschaft in Wien bittet die Bevölkerung weiterhin dringend um Mithilfe. Wer die Frauen seit dem 7. August gesehen hat oder Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort geben kann, wird gebeten, sich bei der Wiener Polizei oder direkt unter der Notfallnummer der israelischen Botschaft (+43-676-367 2304) zu melden. ja

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  10.09.2026

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Nachrichten

Basketball, Ärzte, Straßenbahn

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Tourismus

Chinesische Influencer für Israel

Vor dem Krieg reisten jährlich rund 150.000 Besucher aus dem Reich der Mitte in den jüdischen Staat. Die Regierung versucht nun, diese Zielgruppe zurückzugewinnen

von Sabine Brandes  09.09.2026

26. Knesset

Die Unentschiedenen könnten die Wahl entscheiden

38 Parteien treten zur Knesset-Wahl an. Umfragen zufolge herrscht zwischen den Blöcken um Premier Netanjahu und der Opposition ein enges Patt

von Sabine Brandes  09.09.2026