Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Familie befürchtet das Schlimmste

Mali (l.) und Liel Yahalomis Reise führte sie zuerst nach Prag. Der Familie schickten sie Fotos und Videos – wie dieses von einer der Moldaubrücken. Foto: Israelische Botschaft Wien

Die Israelinnen Mali und Liel Yahalomi, eine 50-jährige Mutter und ihre 23-jährige Tochter, waren auf einer Reise durch Europa, als sie in Wien plötzlich verschwanden. Ihre Familie in Israel und der Chabad-Gesandte in Wien haben gegenüber dem israelischen Sender Kan neue Details bekanntgegeben.

Am vergangenen Freitag waren die beiden zuletzt mit ihrer Familie in Kontakt. Sie waren aus Prag in Wien angekommen und zeigten im Familienchat auf Whatsapp ein Video ihrer aktuellen Unterkunft: »Vor Schabbatbeginn haben wir in der Familiengruppe mit ihnen geschrieben. Danach brach der Kontakt ab. Die letzte Nachricht lautete: ‚Wir sind in der Wohnung angekommen, seht mal, wie toll sie ist! Schabbat Schalom an alle!‘ Das war’s. Da der Schabbat spät endete, haben wir erst am Sonntag wieder versucht, sie zu erreichen. Am Nachmittag begannen wir, uns Sorgen zu machen«, zitiert der Sender Mali Yahalomis Schwager Amir Rudnik. Die Telefone seien seit Freitag ausgeschaltet, heißt es.

Nicht für den Heimflug eingecheckt

Am Freitagabend seien die Frauen nicht wie verabredet zum Kiddusch bei Chabad gekommen. Außerdem ließen sie ihren Rückflug nach Israel verstreichen. »Leider gibt es noch immer keine Spur. Die lokalen Behörden arbeiten mit Hochdruck daran. Es ist sehr, sehr besorgniserregend«, sagte der Chabad-Gesandte von Wien, Reuven Timsit, am Mittwochmorgen im Interview mit dem Sender. »Vor allem da sie den Rückflug nach Israel gar nicht angetreten haben.« Der sollte sie am Dienstag nach Hause bringen, doch sie erschienen nicht zum Boarding und haben sich auch nicht eingecheckt, berichtet Ynet.

»Das ist ein sehr beunruhigender Wendepunkt«, so Timsit weiter, »denn es bedeutet, dass die Geschichte viel komplexer ist. Man kann sich kaum vorstellen, was passiert ist. Schließlich sind wir in Wien, nicht in einem Naturschutzgebiet. Das hier ist ein touristisches Zentrum Europas, aber bisher wurde nicht einmal ein Telefon, eine Kreditkarte, eine Tankquittung oder Kamera gefunden.«

Timsit sprach auch davon, dass die österreichische Polizei die Wohnung aufgesucht und festgestellt habe, dass diese leer war. »Es war nichts mehr da. Offenbar waren sie also bereits dabei, Wien zu verlassen. Europa ist offen. Hier gibt es keine Grenzen, an denen man einen Pass vorzeigen muss, um sich frei zu bewegen. Genau das macht es noch beunruhigender. Es könnte sein, dass wir in Wien nach ihnen suchen, während sie sich in Wirklichkeit in einem anderen Land befinden und dort niemand nach ihnen sucht.«

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»Mit der Zeit fürchten wir das Schlimmste«, sagt Rudnik. »Aber im Moment konzentrieren wir uns darauf, sie zu finden.« Zu der Befürchtung, dass es sich um ein Verbrechen mit antisemitischem Motiv handeln könnte, sagte Timsit: »Wien ist ein sehr sicherer Ort. Wir haben keine ungewöhnlichen Meldungen oder Warnungen erhalten, die zu erhöhter Wachsamkeit aufrufen würden.«

Ynet zitiert einen israelischen Beamten mit den Worten: »Die ganze Welt ist auf den Beinen, um sie zu finden. Verschiedene Parteien sind beteiligt.« Dass sie ihren Flug nicht angetreten und sich bisher nicht gemeldet haben, sei ein schlechtes Zeichen, »aber wir hoffen, dass sie gesund und sicher gefunden werden«.

Nachrichtensperre in Israel

Am Donnerstagmorgen haben israelische Medien gemeldet, dass eine Nachrichtensperre zu Details über das Verschwinden der Frauen erlassen wurde. Die Abteilung Lahav 433 - das israelische Äquivalent zum FBI, das heißt es gibt Untersuchungen innerhalb Israels - habe die Ermittlungen übernommen und arbeite eng mit den österreichischen Behörden zusammen. Es gebe Hinweise, dass Mutter und Tochter ihre Ferienwohnung freiwillig verlassen haben, heißt es. Ihre Telefone seien zuletzt nahe einem Wiener Bahnhof geortet worden. Seitdem sind sie ausgeschaltet.

Die Familie äußerte sich am Donnerstagmorgen wütend darüber, dass die israelische Polizei Informationen an die Presse aber nicht an sie weitergegeben habe. Ein israelischer Beamter, der in Wien die Recherchen unterstützt wird von dem Sender Kan mit den Worten zitiert: »Wir versuchen, uns ein Bild davon zu machen, was sie getan haben und wo sie waren. Wir haben gestern (Mittwoch) einige Fortschritte gemacht. Der Fall ist kompliziert und nicht alles ist klar, alle Optionen liegen auf dem Tisch. Wir sind für die Familie da, wir schließen nichts aus und prüfen alle Möglichkeiten. Sie (Mali und Liel Yahalomi) sind in tödlicher Gefahr. Sie sind lange verschwunden, was wir als eine lebensbedrohliche Situation einstufen.«

Die israelische Botschaft in Wien bittet die Bevölkerung weiterhin dringend um Mithilfe. Wer die Frauen seit dem 7. August gesehen hat oder Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort geben kann, wird gebeten, sich bei der Wiener Polizei oder direkt unter der Notfallnummer der israelischen Botschaft (+43-676-367 2304) zu melden. ja

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