Jerusalem

Bericht: Israel würde Irans Raketenprogramm auch ohne USA angreifen

Ein in der Nähe von Teheran ausgestellter Panzer mit Raketenwerfer Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Israel wäre bereit, im Konflikt mit dem Iran notfalls ohne amerikanische Unterstützung zu handeln, wie die »Jerusalem Post« unter Berufung auf israelische Sicherheitskreise berichtet. Hintergrund sind die wachsenden Sorgen über das iranische Raketenprogramm, das in Jerusalem als existenzielle Bedrohung eingestuft wird.

Hochrangige Militärs sollen ihren US-Kollegen dem Bericht der »Jerusalem Post« zufolge in jüngsten Gesprächen operative Pläne vorgestellt haben. Ihr Ziel sei die Zerstörung von Produktionsstätten und Infrastruktur für ballistische Raketen.

Ein israelischer Sicherheitsexperte erklärte dem Blatt demnach: »Wir haben den Amerikanern gesagt, dass wir allein zuschlagen werden, falls Iran die von uns gezogene rote Linie bei ballistischen Raketen überschreitet.« Derzeit sei dieser Punkt noch nicht erreicht, doch die Entwicklungen würden genau beobachtet. Israel betone weiterhin seine Handlungsfreiheit und werde nicht zulassen, dass Teheran strategische Waffensysteme aufbaue, die die Existenz des jüdischen Staates bedrohten.

Innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats gibt es offenbar Befürchtungen, US-Präsident Donald Trump könnte sich im Ernstfall auf begrenzte Militärschläge beschränken. Ein Militärvertreter warnte, ein solcher Ansatz könne militärische Fähigkeiten des Iran unangetastet lassen und Israel mit den Folgen allein zurücklassen. Aus israelischer Sicht stellt die aktuelle Lage demnach eine seltene Gelegenheit dar, dem iranischen Raketenprogramm einen entscheidenden Schlag zu versetzen.

Vor diesem Hintergrund wird der neue israelische Luftwaffenchef, Brigadegeneral Omer Tishler, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei seinem bevorstehenden Besuch in Washington begleiten. Er soll dort den Generalstabschef vertreten.

Lesen Sie auch

Gespräche in Oman

Nach Angaben aus Jerusalem wollen Trump und Netanjahu am Mittwoch in Washington zusammentreffen, um über die Verhandlungen mit dem Iran zu sprechen. Zuletzt hatten Vertreter der USA und des Iran in Oman Gespräche über das Atomprogramm geführt. Gleichzeitig baut Washington seine Marinepräsenz in der Region aus. Trump sprach in diesem Zusammenhang von einer »Armada«.

Das Weiße Haus betonte, die USA verfügten über zahlreiche Optionen neben diplomatischen Bemühungen. Irans Führung wiederum beharrte in den Gesprächen auf ihrem »Recht zur Urananreicherung« und lehnte es ab, über das Raketenprogramm zu verhandeln.

Netanjahus Büro erklärte, künftige Verhandlungen müssten auch ballistische Raketen sowie die Unterstützung Irans für seine regionalen Verbündeten einschließen. Diese sind unter anderem die Terrororganisationen Hamas, Hisbollah und die Huthi. ja

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026