Statistik

Mehr als viele denken

Das Jahr 2025 war gemeindlich gesehen keines der großen Schlagzeilen. Jedenfalls nicht, wenn wir die Mitgliederstatistik betrachten. Es ist das Erwartete eingetreten. Ein Rückgang, der sich seit Jahren fortsetzt und auch 2025 bei 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegt (von 89.197 zu 87.934 Personen). Damit ist der Rückgang so hoch wie im Vorjahreszeitraum, und hier verbirgt sich dann zumindest eine kleine Schlagzeile.

Bei der Altersstruktur der Gemeinden könnte erwartet werden, dass die Schrumpfung sich verstärkt. Die auf zehn Menschen komprimierte Darstellung der jüdischen Gemeinschaft ist auch in diesem Jahr hilfreich. Bestünde die Gemeinschaft aus zehn Personen, wäre ein Gemeindemitglied unter 18, vier im Erwerbsalter und fünf über 65.

Was mildert den Trend ab? Im Jahr 2025 ist eine »mittelgroße« Gemeinde zugewandert. 927 Personen sind nach Deutschland eingewandert. Und nicht nur das, sie haben auch den Weg in die jeweilige Ortsgemeinde gefunden und sich angemeldet, davon immer noch 357 Menschen aus Staaten, die früher zur Sowjetunion gehörten. Auf 1000 Mitglieder bezogen, sind das 10,4 Prozent.

Die Heimat verlassen und nach Europa gekommen

Laut OECD haben 2024 zudem 82.700 Israelis ihre Heimat verlassen, 18 Prozent von ihnen nach Deutschland. Das sind etwa 14.000 Personen. Es gäbe also hier noch Potenzial zu heben und Veränderungen zu erwarten. (In den Niederlanden hat sich dieser Fakt bereits konkret auf die Gemeindestrukturen ausgewirkt.)

Es sind mehr Gemeindemitglieder zu- als abgewandert.

Die Sterberate lag 2025 bei 18,1 Prozent je 1000 Mitglieder, die Geburtenrate nur bei 2,1 Prozent. Die Austritte, die man natürlich als Indikator für Verwerfungen lesen könnte, liegen bei 3,9 Prozent je 1000 Mitglieder, die Auswanderung bei 1,7 Prozent. 151 Gemeindemitglieder haben sich 2025 für die Auswanderung entschieden. Es sind also mehr Gemeindemitglieder zu- als ausgewandert.

Auf der anderen Seite gibt es Orte, an denen die Struktur anders aussieht. Frankfurt am Main zum Beispiel: Wenn Frankfurt aus zehn Menschen bestünde, wären etwa zwei von ihnen unter 18, fünf im Erwerbsalter und drei über 65. Im deutschen Durchschnitt könnten wir von einer »jugendlichen« Gemeinde sprechen. Von Zuwanderung getragen, belebt durch Geburten, offen und attraktiv für Neuankömmlinge aus anderen Städten.

München folgt diesem Muster, Berlin in abgeschwächter Form

München folgt diesem Muster, Berlin in abgeschwächter Form. Zugleich ist Berlin Spitzenreiter bei den Austritten mit 11,5 Prozent je 1000 Mitglieder, wenn auch mit einer sinkenden Rate gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Austrittsraten sind Kennzahlen, die beeinflussbar sind. Zur Wahrheit gehört auch, dass wir Gemeinden, sogar ganze Landesverbände, ohne Geburten in der Statistik finden. Das Bild der zehn Menschen zeigt es deutlich: Die jüdische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die altert, und doch kommen neue Mitglieder hinzu. Sie prägen die Orte, an denen sie ankommen.

Ob 2026 daran etwas ändert, entscheidet sich weniger an der Statistik als an Frankfurt, München oder Berlin. Genau dort, in diesen »Zentren jüdischen Lebens«, erfüllt sich, was schon Jirmejahu versprach: »Es gibt Hoffnung für deine Zukunft.«

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