Von der kommenden Woche an öffnet am historischen Mainzer Judensand ein Besucherzentrum, das über den bereits im Mittelalter angelegten Friedhof und das jüdische Erbe der Region informiert. Der Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) erklärte bei einem Presserundgang am Montag, der Ausstellungsraum solle zum Anlaufpunkt für »Menschen aus der ganzen Welt« werden. Eine Dauerausstellung auf 80 Quadratmetern informiert mit Texttafeln, Audiostationen und Exponaten auch über jüdische Trauer- und Begräbniskultur.
Offiziell wird das Besucherzentrum mit einem nicht-öffentlichen Festakt und einem anschließenden Bürgerfest am Sonntag, 6. September, eröffnet. Vom Vorplatz aus bietet sich Interessierten auch ein Blick über das Gräberfeld mit seinen mehr als 1.700 historischen Grabsteinen. Der Mainzer Judensand war 2021 gemeinsam mit den Zeugnissen der alten jüdischen Gemeinden in Worms und Speyer in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen worden. Die Juden in Speyer, Worms und Mainz bildeten einst den nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte benannten Bund der SchUM-Gemeinden, der als Zentrum des mittelalterlichen westeuropäischen Judentums gilt.
»Keine ganz einfache Baustelle«
Der Pavillon auf einem leicht erhöhten Grundstück oberhalb des abschüssigen Friedhofsgeländes sei »keine ganz einfache Baustelle« gewesen, sagte Haase. Die Kosten für Bau und Planung bezifferte er auf insgesamt rund 6,2 Millionen Euro. Nach Angaben der Stadt hatte sich beispielsweise während der zweijährigen Bauarbeiten herausgestellt, dass eine Stützmauer am Hang so instabil war, dass umfangreiche zusätzliche Arbeiten erforderlich wurden. Auch ein Bombenfund aus der Weltkriegszeit verzögerte die Arbeiten. epd