Kaum ein anderer Popsong der 70er-Jahre klingt so unmittelbar nach einer vergangenen Epoche wie »I’m Not in Love«. Die schwebenden Stimmen, der ungewöhnliche Klangteppich und die scheinbar schlichte Liebeserklärung, die eigentlich gar keine sein will, machten den 1975 veröffentlichten Titel von 10cc zu einem Klassiker. Nun kommt die britische Band erneut nach Deutschland. Mit dabei: Graham Gouldman, Mitgründer, Songwriter und bis heute das einzige verbliebene Mitglied der ursprünglichen Besetzung.
Fünf Konzerte stehen Ende September auf dem deutschen Tourneeplan. Aachen, Worms, Bonn, Aschaffenburg und Baden-Baden sind die Stationen der »Another Bloody Greatest Hits Tour«. Der Name des Programms lässt wenig Raum für Spekulationen: Wer 10cc live erlebt, darf sich auf die großen Stücke der Bandgeschichte freuen.
Dazu gehören neben »I’m Not in Love« unter anderem »Rubber Bullets«, »The Wall Street Shuffle«, »Dreadlock Holiday« und »Donna«. Für Gouldman ist die Konzertreise allerdings nicht einfach nur eine nostalgische Angelegenheit. Der heute 80-Jährige steht weiterhin regelmäßig auf der Bühne und führt eine Band an, deren Geschichte mehr als fünf Jahrzehnte umfasst.

Ungewöhnliche Ideen
Gegründet wurde 10cc 1972 in Stockport bei Manchester. Gouldman, Eric Stewart, Kevin Godley und Lol Creme verbanden dabei ungewöhnliche musikalische Ideen mit einem ausgeprägten Gespür für eingängige Melodien. Bereits das erste, 1973 erschienene Album brachte mit »Rubber Bullets« einen internationalen Erfolg hervor.
Der größte Triumph sollte jedoch zwei Jahre später folgen. »I’m Not in Love« war nicht nur ein Hit, sondern auch ein kleines Studioexperiment. Der berühmte Chorgesang entstand nicht mit einem riesigen Chor. Die Musiker produzierten vielmehr zahlreiche einzelne Stimmen und legten sie übereinander. Für die damalige Aufnahmetechnik war das ein aufwendiges Verfahren.
Gouldman hat sich Jahre später im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen an die Arbeit erinnert. Ihm zufolge nahmen die vier Musiker die gewünschten Stimmen auf mehreren Tonspuren auf, mischten sie zu einem Stereopaar und übertrugen dieses wieder in die Mehrspuraufnahme. Schließlich wurde jeder Fader des 16-Spur-Mischpults zu einem Teil des Instruments.
Verblüffend modern
Das Ergebnis klingt bis heute verblüffend modern. Gerade die kleinen Unvollkommenheiten der Stimmen seien ein Teil des Reizes, erklärte Gouldman damals. Sie verliehen der Aufnahme etwas Menschliches.
Bemerkenswert ist auch die jüdische Dimension der frühen Bandgeschichte. Gouldman, Godley und Creme sind Juden. Gemeinsam mit ihrem nichtjüdischen Kollegen Eric Stewart bildeten sie die klassische Besetzung von 10cc.
»Ich bin sehr stolz auf mein Jüdischsein«, sagte Gouldman der Jüdischen Allgemeinen. Religiös sei er zwar weniger. Dennoch interessiere er sich sehr für jüdische Tradition und die Tora. Auch den Besuch einer Synagoge mit seinem Sohn erwähnte er in diesem Zusammenhang.
»No Milk Today«
Dass die drei jüdischen Bandmitglieder ihre Herkunft beim gemeinsamen Musizieren bewusst in den Vordergrund gestellt hätten, verneinte Gouldman. Gleichzeitig sieht er durchaus eine Verbindung zwischen jüdischem kulturellem Erbe und musikalischer Kreativität. »Natürlich spielte dieser Aspekt eine Rolle, aber keine bewusste. Unsere Gene und unser jüdisches Erbe beeinflussten uns offensichtlich, als wir die Songs schrieben«, sagte er.
Gouldmans Karriere begann zudem lange vor der Gründung von 10cc. Bereits in den 60er-Jahren schrieb er Songs für andere Interpreten und landete damit einige der großen Hits jener Zeit. »No Milk Today« für Herman’s Hermits gehört ebenso dazu wie »Bus Stop« für The Hollies und »Heart Full of Soul« für The Yardbirds.
Der Erfolg mit 10cc führte ihn schließlich auf die großen Bühnen. Die Band entwickelte einen eigenständigen Sound, der Pop, Rock, Experimentierfreude und einen bisweilen skurrilen Humor miteinander verband. Gouldman blieb dabei die konstante Größe, während die übrige Besetzung im Laufe der Jahrzehnte wechselte.
Die »Another Bloody Greatest Hits«-Tour begann im August mit zwei Festivals in England. Diese Woche ist Gibraltar an der Reihe. Dann folgen Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, bevor 10cc Großbritannien mit zahlreichen Konzerten auf den Kopf stellt. im
10cc-Termine in Deutschland:
23. September 2026: Aachen, Eurogress
24. September 2026: Worms, Das Wormser
25. September 2026: Bonn, Brückenforum
26. September 2026: Aschaffenburg, Colos-Saal
27. September 2026: Baden-Baden, Rantastic Livebühnen