Musik spielt in den Filmen von Christian Petzold immer eine große Rolle. In »Phoenix« von 2014 wird der Jazz-Song »Speak Low«, den Kurt Weill zu den Versen von Ogden Nash schrieb, zum Schlüsselmotiv. »Speak low«, heißt es darin, »when you speak of love«, und: »Love is a spark lost in the dark too soon, too soon.« Das Lied stammt aus dem Broadway-Musical »One Touch of Venus«; Venus adressiert es darin an einen sterblichen Mann, der die Göttin a la Pygmalion von einer Marmorstatue zu einem Wesen aus Fleisch und Blut erweckt hat.
Wesen aus Fleisch und Blut
Das Musical wurde 1943 in New York uraufgeführt, also während des Zweiten Weltkriegs. Die Jüdin Nelly (Nina Hoss), eine der beiden Hauptfiguren in »Phoenix«, entging bis in dieses Jahr der Verfolgung durch die Nazis, weil ihr Mann Johnny (Ronald Zehrfeld) ein Versteck für sie gefunden hatte. Doch dann flog das Versteck auf, Nelly wurde ins KZ deportiert.
Nach Kriegsende kehrt Nelly zurück und macht sich auf die Suche nach Johnny. Doch der erkennt sie nicht, als sie ihm wieder begegnet, und überredet die vermeintliche Fremde, in die Rolle seiner Frau zu schlüpfen, um an deren Erbe zu gelangen.
Umgang mit dem Holocaust im Nachkriegsdeutschland
Eine dichte Literaturverfilmung, die sich dem Umgang mit dem Holocaust im Nachkriegsdeutschland mit den Mitteln der (Kino-)Mythen nähert. Die beklemmende Raumpoetik, eine Bildsprache im Sinne des Film noir sowie großartige Darsteller machen den herausragenden Film zum intensiven Gefühls- und Spannungskino über Schuld und Verdrängung.
Im Anschluss um 21.45 Uhr zeigt Arte Petzolds Film »Die innere Sicherheit« aus dem Jahr 2000, das sehenswerte Drama um eine Familie, die von der RAF-Vergangenheit der Eltern eingeholt zu werden droht.
»Phoenix«; Mittwoch, 26. August, 20.15 - 21.45 Uhr, Arte.