Im Kölner Dom erklingt Anfang September ein nicht alltägliches Instrument: der Schofar. Dabei handelt es sich um das Widderhorn, das an hohen jüdischen Feiertagen etwa in Synagogen geblasen wird. In der katholischen Kathedrale am Rhein wird der Schofar als Musikinstrument eingesetzt - in einem Konzert mit der Orgel des Gotteshauses. Die ungewöhnliche Aufführung ist Teil des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«, das vom 1. bis 10. September mit Konzerten und anderen Veranstaltungen über die Bühne gehen wird.
Das Orgel-Schofar-Konzert ist der Abschluss des »Langen Tages mit jüdischer Musik« am 6. September. An dem Sonntag gibt es bei freiem Eintritt an mehreren Orten in Köln Veranstaltungen, unter anderem Kabarett, vertonte Lyrik, Musik zum Mitsingen und einen Spaziergang zu Orten, an denen der Kölner Alpenverein Stolpersteine als Erinnerung an seine ehemaligen jüdischen Mitglieder verlegt hat. Am späten Abend gestalten dann der Dom-Organist Winfried Bönig sowie der Hornist und Schofarspieler Bar Zemach das Konzert im Dom. Ähnliches hatte es an selber Stelle zuvor schon bei dem Festival gegeben.
»Zuhören möglich machen«
Das diesjährige Konzert soll den Tag musikalisch zusammenfassen: »der Versuch, das Miteinander ganz unterschiedlicher musikalischer Traditionen zu erproben, in den Dialog zu kommen, ohne das Eigene aufzugeben und Zuhören möglich zu machen«, heißt es. Bar Zemach sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im Vorfeld, er führe den Schofar als Bestandteil des Religiösen zu einem Bestandteil der Musik - »um die spirituelle Kraft dieses heiligen Klangs mit allen zu teilen und die friedliche Botschaft überall spürbar zu machen«.
Hinter »Shalom-Musik.Koeln« steht das Kölner Forum für Kultur im Dialog. Es ist in diesem Jahr neben dem Berliner Projekt »Jüdisches Leben erleben statt urteilen« einer der Träger des Ehrenamtspreises für jüdisches Leben in Deutschland. Die mit je 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 2. September in Berlin verliehen.
Ehrenamtspreis für Festival
Dem Kölner Forum sei es auf eindrucksvolle Weise gelungen, jüdisches Leben im Kölner Raum für alle erfahrbar zu machen, hatte der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Felix Klein, die Vergabe begründet. Er selbst trat mit seiner Geige vor zwei Jahren auf dem Festival mit dem Trio Accento auf. Das Ensemble spielte Musik jüdischer Komponisten.
Claudia Hessel, Vorstandsvorsitzende des Kölner Forums, und Geschäftsführerin Ulrike Neukamm sagten der KNA: »Der Ehrenamtspreis bedeutet uns sehr viel, weil er eine Arbeit würdigt, die für uns längst zu einer Herzensangelegenheit geworden ist.« Sie seien überzeugt davon gewesen, dass jüdische Musik einen »festen, sichtbaren und hörbaren Platz« mitten in der Gesellschaft verdiene.
»Dass dieses Engagement nun ausgezeichnet wird, berührt und überwältigt uns«, so Hessel und Neukamm. Der Preis gelte zugleich unter anderem auch den Künstlerinnen und Künstlern und bestärke die Verantwortlichen, mit dem Festival weiterzumachen.
Alte Musik, Mandoline, Chöre
Eröffnet wird das Festival am 1. September. Dann stehen vier Gedichte der Kölner Lyrikerin Hilde Domin auf dem Programm, die den Angaben zufolge erstmals als Chormusik zu hören sein werden. Mit dabei sind auch der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins, jiddische Chansons und der Schofar-Klang.
In den Tagen danach folgt etwa ein Abend mit Jazz und Mandoline, bei dem der Jazzpianist Omer Klein und der Mandolinenspieler Avi Avital auftreten: »zwischen Alter Musik, Jazz und mediterranen Einflüssen«, heißt es dazu. Bis zum Abschluss am 10. September mit Gesang von Dame Emma Kirkby an einem Psalmen-Abend stehen unter anderem Musik zum jüdischen Ruhetag Schabbat auf dem Programm sowie eine Art »Best of« des Festivals »Yiddish Summer Weimar«.
Die inhaltliche Bandbreite von »Shalom-Musik.Koeln« verweist auf das Anliegen des Kölner Forums für Kultur im Dialog: »mit Musik Räume für Begegnung, Neugier und gegenseitiges Zuhören zu öffnen«.