Mehr und mehr Menschen aus Familie und Freundeskreis meinen, die Lösung für Dauersorge und täglichen Stress gefunden zu haben: Lies keine Nachrichten mehr! Leichter gesagt als getan, vor allem, wenn man Journalistin ist. Und natürlich gibt es diverse heimliche Rückfälle, die offensichtlich werden, sobald man beisammensitzt und das angeblich Nachrichten-abstinente Gegenüber doch ziemlich gut informiert ist.
Dieser Tage kommt erschwerend hinzu, dass die körperlichen Reaktionen auf die Hitzewellen dieses Sommers denen auf die Dauerbeschallung mit schlechten Nachrichten stark zu ähneln scheinen: alles viel zu viel, Schmerzen am ganzen Körper, die Konzentrationsspanne eines renitenten Teenagers, Schlafprobleme und das langsame Abgleiten in eine Depression, gepaart mit dem nagenden Schuldgefühl, nicht resilienter zu sein. Egal, wie viel Yoga ich auch mache oder wie viel Lavendelöl ich schlucke, ich zucke mittlerweile bei jedem Rumpeln zusammen, verdammt.
Darum hier ein Gegenvorschlag, den ich einer Disney-Prinzessin verdanke, weil eine Bekannte meinte, dass es Kindern in den Hitzewochen hilft, Frozen zu gucken. Somatosensorische Visualisierung für Anfänger, sozusagen.
»Let it go!«, singt Elsa und baut sich einen Palast aus Eis, nachdem sie ihr ganzes Leben lang versucht hat, jemand anderes zu sein, um den Erwartungen zu entsprechen.
Neben den nordischen Winterlandschaften, Eisblumen und gutgelaunten Schneemännern blieb bei mir vor allem der Song hängen, der seit Jahren die Hymne vieler kleiner und größerer Mädchen ist. »Let it go!«, singt Elsa und baut sich einen Palast aus Eis, nachdem sie ihr ganzes Leben lang versucht hat, jemand anderes zu sein, um den Erwartungen zu entsprechen. Lass los, gib dich hin, lass es laufen. Und plötzlich ist Elsa so entspannt und zufrieden wie nie zuvor.
Während wir zur Unterstützung der Autosuggestion zusammen Eis gegessen und dem übrigens ziemlich jüdisch anmutenden Schnee-Schlemihl Olaf mit Milkshakes zugeprostet haben, fand ich heraus, dass dieses Lied, das mich soeben mitten ins erkaltete Herz getroffen hatte, von Idina Menzel gesungen wird. Eine Kick-ass-stolze Jüdin aus New York.
Here you go, Elsa, dachte ich und entspannte noch ein bisschen mehr, während ich meine Einwände gegen Disneys antisemitische Vergangenheit ganz hinten ins Gefrierfach stopfte. Mittlerweile war Elsas kleine Schwester Anna dabei, ihre große Schwester davon zu überzeugen, dass die Menschen und die Welt da draußen doch gar nicht so schlecht sind.
Es ist absolut okay, sich auch mal nicht resilient zu fühlen, sich hängenzulassen und zu googeln, welche Pillen gegen Panikattacken UND gegen Hitze helfen.
Und da fand ich meine eigene Lösung, die zum Glück verhindert, dass ich hier weiter spoilere: Es ist absolut okay, sich auch mal nicht resilient zu fühlen, sich hängenzulassen und zu googeln, welche Pillen gegen Panikattacken UND gegen Hitze helfen. Nicht ständig breitschultrig zu verneinen, dass die Nachrichten Angst machen und man den Koffer schon dreimal ein- und wieder ausgepackt hat.
Wichtig ist dabei nur, nicht zu vergessen, dass es Elsas gibt, die einem noch ein Eis in die Hand drücken und sagen: »Sie haben versucht, uns umzubringen. Wir haben überlebt. Und jetzt koche ich auch noch was Feines!« Morgen dann wieder resilient.