Frankfurt am Main

Friedenspreis: Mirjam Zadoff hält Laudatio auf Philipp Sands

Mirjam Zadoff Foto: picture alliance / Manfred Segerer

Die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Mirjam Zadoff, hält die Laudatio auf Philipp Sands, der im Oktober mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird.

Die österreichische Judaistin und Historikerin lehrte von 2014 bis 2019 als Professorin für Jüdische Studien und Geschichte an der Indiana University Bloomington, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mitteilte. Anschließend war sie als Gastprofessorin unter anderem in Zürich, Berkeley und Berlin tätig. Heute unterrichtet sie demnach an der TU München und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zadoff wurde 2023 dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet, seit einigen Monaten ist sie Mitglied im Stiftungsrat des Friedenspreises.

Der Verleihung des Friedenspreises erfolgt traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse - in diesem Jahr am 11. Oktober. Ende Juni war bekannt geworden, dass der französisch-britische Jurist und Autor Sands geehrt wird. Er arbeitet als Menschenrechtsanwalt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Verteidigung des Völkerrechts

Sands setze sich »für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein«, hatte Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz, Vorsitzender des Stiftungsrats gesagt. »Der Nachkomme von Holocaustüberlebenden zeigt entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen ›Genozid‹ und ›Verbrechen gegen die Menschlichkeit‹ stehen.«

Lesen Sie auch

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert. Gewürdigt werden damit Persönlichkeiten, die in Literatur, Wissenschaft oder Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - die Berufsorganisation der Verlage und Buchhandlungen - vergibt den Preis seit 1950.

Sands wurde 1960 in London geboren. Er ist Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Er arbeitet am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und wirkte an bedeutenden Verfahren des internationalen Rechts mit.

Dabei setzte er sich unter anderem für Palästinenser und Rohingya ein. Mit anderen Juristen entwickelte er den Tatbestand des »Ökozids« für Katastrophen durch globale Erderwärmung. Sands bezeichnete den Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 als eindeutiges Verbrechen und betonte, der jüdische Staat habe das Recht, sich gegen den palästinensischen Terror zu verteidigen. Zugleich kritisierte aber auch die Kriegsführung Israels in Gaza. dpa/ja

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

München

Simon Rattle bleibt bis 2033 Chef des BR-Symphonieorchesters

»Symphonischer Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« hießen Projekte, die Sir Simon Rattle eingeführt hat. Die Arbeit mit dem Symphonieorchester des BR und seinem Chor sagt dem Chefdirigenten zu. Er hat nun verlängert

von Barbara Just  08.10.2026