Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain
Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain Foto: imago, Montage

Vielleicht, schreibt Yotam Ottolenghi in seinem jüngsten Newsletter, liege es daran, dass er so viele Dokus mit Anthony Bourdain gesehen habe und gleichzeitig so viele Science-Fiction-Filme, aber in seiner traumhaften Erinnerung landen die beiden Köche mit einem Hubschrauber in einer wüstenähnlichen Landschaft – ungefähr wie bei Dune oder The Mandalorian –, Bourdain geht John Wayne-mäßig auf die Wüstenkreaturen zu, spricht mit ihnen, scheint etwas zu verhandeln, und schlussendlich sitzen alle zusammen um ein Feuer, essen sonderbare Dinge und sprechen über das Leben.

Auch wenn das nur ein Traum war, beschreibt es den Koch, der mit seinem Buch »Kitchen Confidential« und seinen vielen Food-Reportagen weltberühmt wurde, so wie er war: »ein neugieriger Beobachter«. Ein Mensch, der an die entlegensten Orte, auf die kleinsten Märkte und in die abenteuerlichsten Töpfe der Welt schaute, der sich nicht scheute, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und, wenn die Sprache mal versagte, einfach über das Essen zu kommunizieren.

»Parts Unknown« in Jerusalem, Gaza und der Westbank

Yotam Ottloenghi und Anthony Bourdain trafen sich allerdings wirklich mal, das war 2013, als Bourdain für einen Dreh der Doku Parts Unknown unter anderem nach Jerusalem kam. An diese Begegnung erinnert sich Ottolenghi: »Ich habe ihn 2013 in Jerusalem kennengelernt. Er war noch nie zuvor in Israel oder Palästina gewesen. Er wollte alles wissen; er wollte jeden kennenlernen und in jeden Winkel eines Ortes und in noch mehr Winkeln vordringen. Bourdain traf Siedler und Friedensaktivisten, erkundete das kulinarische Erbe Gazas, sprach mit einem Theaterregisseur in einem Flüchtlingslager und sah die ›Speed Sisters‹ live – das erste komplett weibliche Autorenn-Team im Nahen Osten.«

Ottolenghi habe an Bourdain immer »seinen klugen Instinkt, Menschen dort zu begegnen, wo sie gerade waren, und zwar ganz zu ihren eigenen Bedingungen – selbst wenn das manchmal etwas ungewöhnlich oder gelegentlich völlig verrückt wirkte« bewundert. Er war »ein neugieriger Beobachter, der aufrichtig versuchte, auf Menschen zuzugehen und sie zu verstehen – wobei Essen das Mittel war, mit dem er auf mutige Weise Brücken zwischen Menschen schlug.«

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Bourdains Besuch in Jerusalem war für Bourdain nicht nur eine Reise zu frisch frittierten Falafel und zu Ottolenghi, sondern auch zur Kotel, die er mit einem persönlichen Hintergrund besuchte, den er selbst so beschrieb: »Ich wuchs ohne Religion auf. Ein Teil der Familie war vor langem katholisch, der andere jüdisch. Ich war nie in einer Synagoge und glaube nicht an eine höhere Macht, aber das macht mich, glaube ich, nicht weniger jüdisch.« Er ließ sich Tefillin legen, sprach nach, was ihm jemand vorsagte und fühlte sich in eigenen Worten sehr verkleidet, weil er sich selbst als »recht ablehnend gegenüber Anbetung« beschrieb.

»Tony« als Coming-of-Age-Geschichte

Vielleicht war das Einzige, was Bourdain, der am 8. Juni 2018 in Frankreich Suizid beging, dann doch anbetete Essen, Gerichte, Menschen, die aus einfachsten Zutaten Köstlichstes zubereiteten. Die Folge von Parts Unknown, in der er Jerusalem, Gaza und die Westbank besucht, lief erfolgreich bei CNN.

Gerade ist in dem US-Kinos Tony angelaufen, ein Film über die Lehrjahre Bourdains mit Dominic Sessa als jungen Anthony Bourdain, Emilia Jones als dessen Freundin Nancy und Antonio Banderas als dessen Chefkoch. Yotam Ottolenghi beschreibt den Film so: »Eine echte Coming-of-Age-Geschichte – bei der man nicht ganz erkennen kann, wo die Biografie aufhören und die Erfindung beginnt.« Fast wie in seinem Traum über die Landung mit einem Helikopter irgendwo in einer Wüste.

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