Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland Foto: picture alliance / Ipon

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Äußerungen des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir zu Tötungen von Palästinensern scharf kritisiert. »Ben-Gvirs menschenverachtende Aussagen stehen diametral zu jüdischen Werten und schaden Israels Ansehen«, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf Anfrage. Er distanziere sich ausdrücklich.

Lesen Sie auch

Der israelische Minister für nationale Sicherheit hatte sich für gezielte Tötungen von Palästinensern im Gazastreifen ausgesprochen. Man solle dort jede Nacht 30 bis 40 töten. Außerdem hatte Ben-Gvir gesagt, es gebe im Gazastreifen Menschen, die es nicht verdienten zu leben und die »nicht einmal Menschen« seien. Weiter warb er für einen Bevölkerungsaustausch in dem Küstenstreifen.

»Das Verhalten von Itamar Ben-Gvir ist zutiefst beschämend und verantwortungslos«, sagte Zentralratspräsident Schuster. »Es veranschaulicht die Gefahr, die von rechtsradikalen Kräften ausgeht.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) und ihr Präsident Volker Beck meldeten sich zu Wort. »Die DIG lehnt die von Itamar Ben-Gvir kontinuierlich getätigten Aussagen vehement als menschenverachtend und unverantwortlich ab«, hieß es in einer auf X geposteten Stellungnahme der DIG. »Diese Aussagen spiegeln nicht die Politik Israels wider und sollten von allen verurteilt werden, denen die Zukunft Israels am Herzen liegt.« Volker Beck ergänzte in einem eigenen X-Post: »Es wäre gut, wenn Netanjahu Itamar Ben Gvir mal den Kopf zurechtrückt. Er schadet Israel.«

SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil fordert Sanktionen gegen Ben-Gvir. »Das sind Äußerungen, die wir als Bundesregierung in keinster Weise akzeptieren können«, sagte der SPD-Chef im Sommerinterview der Sat.1-Sendung »newstime«. Auf europäischer Ebene müssten jetzt »sehr ernsthaft« auch Sanktionen geprüft werden.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat sich in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ) für eine »differenziertere Israelpolitik« ausgesprochen. »Ben-Gvir beweist sich erneut als menschenverachtender Extremist«, sagte Röttgen der FAZ. »Es ist überfällig, dass die EU gegen ihn als Person Sanktionen erlässt. Dass eine solche Person Mitglied der israelischen Regierung und dort für die Polizei zuständig ist, ist das eigentlich Erschütternde. Für Deutschland heißt das, dass unsere Israelpolitik differenzierter und anspruchsvoller werden muss, als das bisher der Fall ist.«

Ähnlich äußerten sich die außenpolitischen Sprecher von SPD und Grünen im Bundestag, Adis Ahmetović und Deborah Düring.

SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner fand ebenfalls deutliche Worte: Wer es gut mit Israel meine, müsse »in aller Schärfe und Klarheit einer Politik den Kampf ansagen«, die »niemals Sicherheit und Frieden für Israel« bringen könne. »Deutschland darf gerade als Freund Israels nicht aus der internationalen Solidarität ausscheren, wenn es um die völkerrechtswidrige Besatzungs- und Siedlungspolitik in Gaza und dem Westjordanland geht«, so Stegner zur »Frankfurter Allgemeinen«.

Die Linken-Politikerin Lea Reisner rief die Bundesregierung auf, alle Waffenexporte nach Israel zu stoppen. Zudem müsse das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Israel ausgesetzt werden, sagte Reisner dem Deutschlandfunk. ja/kna

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026