Meinung

Israel hat die Wahl

JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel Foto: picture alliance / dpa

Meinung

Israel hat die Wahl

Die Zustände in israelischen Gefängnissen sind kein Zufall, sie sind politisch gewollt. Dass dies auch im Namen der Mehrheit aller Israelis geschieht, darf indes mehr als bezweifelt werden

von Philipp Peyman Engel  21.01.2026 15:13 Uhr

Es sind Zustände, die schockierend und unwürdig sind – zumal für einen Staat, zu dessen DNA demokratische Prinzipien wie der Schutz der Würde aller Menschen unauflöslich dazugehören.

In diesen Tagen hatte die Ombudsstelle des Justizministeriums in Jerusalem einen Bericht veröffentlicht, der ein erschütterndes Bild der Haftbedingungen palästinensischer Sicherheitsgefangener in israelischen Gefängnissen zeichnet: systematische Gewalt durch Wärter, chronischer Nahrungsmangel, medizinische Vernachlässigung sowie katastrophale hygienische Bedingungen, die zu Krankheitsausbrüchen führen. Drei der vier begutachteten Gefängnisse werden als »nicht geeignet für die Unterbringung von Menschen« beurteilt.

Bemerkenswert: Das Justizministerium hatte die Herausgabe des Berichtes zunächst verweigert. Erst nach einem einjährigen Rechtsstreit mit der Vereinigung für Bürgerrechte in Israel (ACRI) wurden die Dokumente veröffentlicht. Die Beschreibungen der Gutachter sind besorgniserregend – überraschend indes sind sie keinesfalls.

Die Beschreibungen der Gutachter sind besorgniserregend – überraschend indes sind sie keinesfalls.

Denn Aufsicht über den israelischen Gefängnisdienst hat der rechtsextreme Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir (Otzma Yehudit). Jener Ben-Gvir also, der unverblümt öffentlich erklärt hatte, dass die Bedingungen für Palästinenser in Gefängnissen nicht mehr lebenswert sein dürften.

Die Zustände sind kein Zufall, sie sind politisch gewollt. Dass dies auch im Namen der Mehrheit aller Israelis geschieht, darf indes mehr als bezweifelt werden. Denn auch gegen das menschenfeindliche Programm Ben-Gvirs gehen seit der Wahl der Regierung im November 2022 Hundertausende Israelis im ganzen Land regelmäßig auf die Straße und verteidigen die demokratische Verfasstheit ihres Landes.

Lesen Sie auch

Auch darüber wird im Oktober dieses Jahres bei der Wahl der neuen Knesset abgestimmt: Wird sich das wertebasierte, demokratische Israel durchsetzen oder rechtspopulistische Politiker, die mit den niedersten Affekten Stimmen zu gewinnen versuchen? Israel hat die Wahl.

engel@juedische-allgemeine.de

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Kommentar

 »Nie wieder!« ist eine grenzüberschreitende Daueraufgabe

Die Antisemitismus-Konferenz in St. Gallen macht klar: Judenhass macht vor Grenzen nicht halt und muss entsprechend bekämpft werden

von Jonathan Kreutner  11.02.2026

Meinung

Sprachrohr der Hamas, Maulheldin der Vereinten Nationen

Wieder einmal macht Francesca Albanese mit ungeheuerlichen Äußerungen von sich reden. Doch Europas Politiker bleiben seltsam still

von Michael Thaidigsmann  11.02.2026

Kommentar

Wie aus berechtigter Kritik kollektive Abrechnung wurde

Die Diskussion über Gil Ofarim zeigt wieder einmal, wie sehr die Maßstäbe verrutschen, sobald Juden angreifbar erscheinen

von Jonas Schnabel  10.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  09.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Francesca Albanese neben Hamas-Funktionär und Mullah-Minister

Die UN-Sonderberichterstatterin teilte sich bei »Al Jazeera« ein Podium mit Repräsentanten einer Terrororganisation und eines Mörderregimes. Wann hat dieses Verhalten endlich Konsequenzen für sie?

von Sacha Stawski  08.02.2026