Portugal

Staatsanwaltschaft soll Antisemitismus-Vorwürfe an Universität Coimbra untersuchen

Der Patio des Escolas der Universität von Coimbra Foto: picture alliance / newscom

Das portugiesische Bildungsministerium hat die Generalstaatsanwaltschaft des Landes aufgefordert, antisemitische Vorfälle und Aufrufe zu Hass und Gewalt an der Universität Coimbra untersuchen zu lassen. Auslöser sind die Vorwürfe eines jüdischen Studenten, der nach eigenen Angaben über einen längeren Zeitraum bedroht und angegriffen wurde. Die Publikation »Público« berichtete.

Ein entsprechendes Schreiben wurde an Generalstaatsanwalt Amadeu Guerra übermittelt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa ging es dabei um mögliche Straftaten im Zusammenhang mit Antisemitismus, Diskriminierung sowie der Anstiftung zu Hass und Gewalt.

Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von mindestens Juli 2024 bis Mai 2026. Nach dem vorliegenden Dokument sollen an der Fakultät für Wissenschaft und Technologie sowie an den Fakultäten für Rechtswissenschaft, Medizin und Chemie Plakate, Aufkleber und Graffiti mit antisemitischen Botschaften angebracht worden sein.

Unterstützung für Hamas und Hisbollah

Unter den dokumentierten Aussagen befinden sich die Sätze »Zionisten sollten ein Zertifikat mit sich führen, um zu beweisen, dass sie Menschen sind« und »Hütet euch vor Zionisten«. Darüber hinaus sollen an verschiedenen Orten Flaggen der Terrororganisation Hisbollah gezeigt und Bilder zur Unterstützung der palästinensischen Terrororganisation Hamas angebracht worden sein. Auch die Aussage »Yahya Sinwar war ein Held« soll aufgetaucht sein. Sinwar war Chef der Hamas in Gaza und Planer der Massaker vom 7. Oktober 2023.

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe eines Doktoranden namens Bar Harel. Der US-amerikanische, portugiesische und israelische Staatsbürger soll wegen einer kleinen Israel-Fahne an seinem Rucksack Todesdrohungen erhalten haben. Außerdem sei er nach eigenen Angaben körperlich angegriffen worden. Harel beendete inzwischen sein Promotionsstudium im Bereich Informatik an der Universität Coimbra.

Lesen Sie auch

Die zuständige Staatssekretärin für Hochschulbildung erklärte in dem Schreiben an die Staatsanwaltschaft, die Urheber der beanstandeten Handlungen seien bislang nicht bekannt. Auch konkrete Angaben zu Zeitpunkt, Ablauf und Ort der einzelnen Vorfälle müssten erst durch Ermittlungen geklärt werden.

Mehrere Straftatbestände

Nach Einschätzung des Ministeriums könnten mehrere Straftatbestände vorliegen. Genannt werden unter anderem Diskriminierung, Aufstachelung zu Hass und Gewalt, die öffentliche Verherrlichung einer terroristischen Organisation oder terroristischer Straftaten sowie Bedrohung und Körperverletzung. Eine andere rechtliche Bewertung durch die Staatsanwaltschaft bleibe ausdrücklich möglich.

Die Universität Coimbra weist die Vorwürfe zurück. Sie erklärte gegenüber Lusa, sie habe den Studenten nach dessen Meldungen umgehend an zuständige Stellen weitergeleitet und ihm unter anderem psychologische Unterstützung angeboten.

Alle Beschwerden des Studenten seien sorgfältig geprüft worden. Nach Angaben der Universität habe es jedoch an konkreten Informationen gefehlt, etwa zu möglichen Beteiligten, genauen Orten oder Zeitpunkten. Aufgrund der »vagen und allgemeinen« Darstellung sei es deshalb nicht möglich gewesen, die Vorwürfe zu bestätigen oder weitere Maßnahmen einzuleiten.

Keine eindeutige Zuordnung

Die Universität erklärte zudem, die vom Studenten beschriebenen Plakate und sonstigen Materialien seien auf dem Campus nicht gefunden worden. Auch die von ihm zur Verfügung gestellten Informationen hätten keine eindeutige Zuordnung der behaupteten Fundorte ermöglicht.

Gleichzeitig habe die Universität die von dem Studenten geschilderten Vorgänge selbst den zuständigen Behörden gemeldet. im

Debatte

Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik an Itamar Ben-Gvir

Israels rechtsextremer Minister Ben-Gvir wirbt unverhohlen für Tötungen im Gazastreifen. Das sorgt international für Entsetzen - auch beim jüdischen Dachverband in Deutschland

 18.08.2026 Aktualisiert

USA

Die berühmteste Nähmaschine der Welt

Vor 175 Jahren ließ Isaac M. Singer seine »Sewing Machine« patentieren – und löste damit in der Textilindustrie und in Privathaushalten eine Revolution aus

von Sarah Thalia Pines  17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Los Angeles

Rekord-Deal in der NBA: Iger und Kushner kaufen die LA Lakers

Die beiden jüdischen Geschäftsmänner Bob Iger und Joshua Kushner übernehmen das Basketball-Team für 12,5 Milliarden US-Dollar

 16.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Ein Mann aus Irland äußerte sich bei einer Begegnung mit jüdischen Touristen in einem französischen Supermarkt antisemitisch und drohte dem Paar gar mit Erschießung.

 14.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Italien

Ein Tempel für alle

Über der Biennale in Venedig schwebt eine Synagoge. Was sich die ukrainische Künstlerin Anna Kamyshan dabei dachte und wie sie es geschafft hat

von Sophie Albers Ben Chamo  13.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026