Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Mann in französischem Supermarkt (Symbolbild) Foto: picture alliance / SIPA

In einem Supermarkt im südfranzösischen Avignon hat ein Ire ein jüdisches Ehepaar aus Australien antisemitisch beleidigt und den beiden gedroht, ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Der Mann, der sich als »Paddy aus Irland« vorstellte, soll zuvor sein Bedauern zum Ausdruck gebracht haben, dass Hitler »die Sache nicht zu Ende gebracht« habe. Das geht aus einem in den sozialen Medien verbreiteten Video hervor. Auf der Plattform X verbreitete sich das Video, das Teile des Vorfalls zeigt, in Windeseile.

Berichten zufolge liefen sich die drei Touristen in dem Geschäft zufällig über den Weg und begannen zunächst einen freundlichen Plausch. Der Ire war auf die beiden aufmerksam geworden und hatte sie angesprochen, weil der Ehemann ein Trikot der französischen Fußballnationalmannschaft trug, er sich mit seiner Frau aber auf Englisch unterhielt.

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Dann kamen die Drei auf Irland zu sprechen. Als die Frau die antiisraelische Stimmung auf der Grünen Insel ansprach, schlug Paddy plötzlich einen anderen Tonfall an, was die Frau wiederum so entsetzte, dass sie begann, den weiteren Verlauf des Gesprächs mit dem Handy zu filmen.

Ihr Video beginnt mit ihrer Aufforderung, Paddy möge wiederholen, was er zuvor gesagt habe: »Sind Sie froh, dass Hitler die Sache nicht zu Ende gebracht hat? Na los, sagen Sie es nochmal, Paddy!« Dann fügt sie an: »Der Ire hat uns gerade gesagt, es tue ihm leid, dass Hitler die Sache nicht zu Ende gebracht hat.« Der Mann wehrt ab und sagt dem Paar: »Geht mir aus dem Gesicht, ihr seid in Europa hier.« Dann wendet er sich ab. Doch die Australierin lässt nicht locker.

Als sie ihn erneut drängt, seine Bemerkung zu wiederholen, droht Paddy dem Paar mit den Worten: »Haut ab, bevor ich euch eine verdammte Kugel in den Kopf jage.« Nachdem der Australier ihm nachruft, »Ich bin der stolzeste Zionist, den Sie jemals treffen werden«, beschimpft Paddy die beiden noch als »verdammte Schweine«. Das Paar meldete den Vorfall bei einer jüdischen Organisation.

Irlands ehemaliger Justiz- und Verteidigungsminister Alan Shatter schrieb auf X: »Ein gut gelaunter Ire lässt in einem französischen Supermarkt hinter seiner Fassade der Fröhlichkeit den aggressiven Antisemiten durchscheinen und droht damit, zwei Juden, die er gerade beschimpft hat, eine Kugel in den Kopf zu jagen. Wir exportieren diesen Hass in ganz Europa.«

Frankreichs Regierung verurteilte am Donnerstag den Vorfall scharf. Keine antisemitische Handlung, Drohung und Äußerung dürfe unbeantwortet bleiben, erklärten Kulturminister Serge Papin und Antidiskriminierungsministerin Aurore Bergé. Von den irischen Behörden kam hingegen bislang keine Reaktion. mth

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