»Wir gehen über den Laufsteg, um die Welt daran zu erinnern, dass Judentum und Mode untrennbar miteinander verwoben sind – von der 7th Avenue in New York City bis zu den Straßen von Tel Aviv«, sagt die New Yorker Mode-Veteranin Tobi Rubinstein und spielt damit auf die historische Bedeutung der »Fashion Avenue« an, die ihren legendären Status als Herzstück der amerikanischen Modeindustrie vor allem jüdischen Einwanderern verdankt.
»Ja, wir leben in einer Zeit, in der auch die Modebranche viel Antisemitismus ausgesetzt ist«, so die »Fashion-Rabbinerin« und Gründerin der Lifestyle-Plattform »The House of Faith & Fashion« im Gespräch mit dem »Algemeiner Journal«. »Und was tun wir dagegen? Wir verstecken uns nicht! Wir sagen allen offen ins Gesicht: ›I love Jewish Girls!‹« Das ist der Titel einer einzigartigen Modenschau auf der diesjährigen New York Fashion Week, die erstmals exklusiv jüdische Mode zeigte und damit zu einem Fest der Jüdischkeit wurde.
18 jüdische Designer und mehr als 30 jüdische Models
Vor rund 500 Gästen schickten 18 jüdische Designer mehr als 30 jüdische Models über den Laufsteg. Ideengeber war der mexikanische Künstler Alejandro Glatt, der dem Nachrichtenportal »Jewish News Syndicate« sagte, dass er absichtlich 18 jüdische Designer ausgewählt habe, schließlich stehe diese Zahl für »Chai« – das hebräische Wort für »Leben«. Dass aus der Inspiration des 31-Jährigen dann auch eine reale Show wurde, ist neben Rubinstein auch der Eventplattform EPN Fashion Week und dem israelischen Konsulat in New York zu verdanken.
Veranstaltungsort war der glamouröse, marmorschwere Léman Ballroom in Manhattan.
Veranstaltungsort war der glamouröse, marmorschwere Léman Ballroom in Manhattan. Neben professionellen Models führten auch Prominente wie Miss Universe Israel 2024 und 2026, Ofir Korsia und Danielle Yablonka, der Pro-Israel-Influencer Zach Sage Fox und der Rapper Kosha Dillz die neuen Kollektionen vor. Von Streetwear bis Haute Couture, von Bademode bis Modest Fashion – Letzteres für die orthodoxe Klientel. Modisch gab es die volle Bandbreite zu sehen. Gezeigt wurden die Arbeiten von israelischen und nord- und südamerikanischen Designern, darunter Yaron Minkowski, Shani Dress, Aviad Arik Herman, CVRGE NY, Shalosh, Sad Girl Ranch, Nelly’s List und Zionist AF by Anya Farber.
Aufreger des Abends war Hermans »Tallit-Kleid«, das das rituelle, männlich geprägte Kleidungsstück zu einem modischen Statement für die moderne jüdische Frau umdeutete. Zur Beruhigung gab es danach seine »Bat Melech«-Robe (Königstochter) zu sehen: ein prachtvolles, hochgeschlossenes Kleid, das allen Anforderungen der Modest Fashion entspricht.
Zeitgenössische »Protest«-Ready-to-Wear-Stücke mit »Chutzpah«-Slogans und israelischer Flagge
Die Labels Shalosh und Sad Girl Ranch boten dagegen zeitgenössische »Protest«-Ready-to-Wear-Stücke mit »Chutzpah«-Slogans und israelischer Flagge als Motiv. Aber auch mit Davidsternen gemusterte Bikinis und Monokinis, gelbfedrige Bibo-Entwürfe sowie lackierte Jeansjacken gehörten zum Show-Programm.
Für die musikalische Untermalung sorgten »Broadway-Kantor« Dudu Fisher, der die Show mit der »Hatikwa« eröffnete, und die iranisch-amerikanische Sängerin Ghazal Mizrahi.
»Wir geben niemals auf. Wir zeigen weiterhin unsere Seele, unseren Geist, unsere Fähigkeit, Schönheit zu schaffen, und drücken unsere Gefühle durch Farben, Stoffe und Fantasie aus«, zitiert das Algemeiner Journal Yael Hashavit, Leiterin der Kulturabteilung des israelischen Konsulats in New York. »Und wir sind gut darin!«
»Die Leute denken, dass es keine Beziehung zwischen Mode und Judentum gibt, weil Mode als etwas Eitles, Leeres, Egozentrisches und Materialistisches angesehen wird«, sagte Rubinstein dem »Jewish News Syndicate«. Aber Mode sei auch spirituell. Es habe einen Grund, warum es in der Tora ganze Kapitel gebe, die dem Outfit der Hohepriester gewidmet sind, »komplett mit Beschreibungen jedes einzelnen Details der Stickereien, der Farbe und der Maße«. Das liege daran, »dass das, was du trägst, ein Spiegelbild dessen ist, wer du bist«.