Makkabi

»Von Schiedsrichtern gibt es kaum Unterstützung«

»2020 gab es ein Spiel, das wir nur unter Polizeischutz durchführen konnten«: Noam Petri Foto: pr

Makkabi

»Von Schiedsrichtern gibt es kaum Unterstützung«

Noam Petri über Hass am Spielfeldrand, Sport und Aufklärungsprogramme

von Eugen El  25.05.2021 11:14 Uhr

Herr Petri, wir erleben derzeit mehrere Anschläge auf jüdische Gemeinden und Synagogen in Deutschland. Die Stimmung ist sehr angespannt. Wie alltäglich sind für Sie antisemitische Vorfälle auf dem Fußballplatz?
Zum Glück passiert es nicht jeden Tag. Aber besonders, wenn man nicht hochklassig spielt, geht man oft mit der Sorge ins Spiel, es könnten antisemitische Äußerungen fallen. Es kann auch zu körperlichen Angriffen kommen. Ich hatte letztes Jahr ein Spiel mit meiner Mannschaft, das mit Polizeischutz durchgeführt werden musste. Es ist zum Glück nichts passiert – vermutlich, weil die Polizei da war.

Haben Sie persönlich Antisemitismus auf dem Fußballplatz erfahren?
Schon sehr häufig. Es kommen Sprüche wie »Du Drecksjude« oder »Man hat euch vergessen zu vergasen«. Es werden aber auch Vorurteile geäußert, etwa, dass wir Juden oder Makkabi so viel Einfluss hätten, dass wir den DFB, die Schiedsrichter oder die gesamte Gesellschaft beeinflussen und nur aus diesem Grund gewinnen würden. Mir wurde auch schon angedroht, dass ich nach dem Spiel verprügelt werde. Und tatsächlich suchten mich die Gegenspieler, aber ich war zu dem Zeitpunkt schon weg.

Wie gefährlich ist es, Makkabi-Kleidung außerhalb der Sportanlagen zu tragen?
Wenn man draußen Makkabi-Sachen in den falschen Gegenden trägt, kann es jeden Tag passieren. Als ich vor paar Jahren mit fremden Jungs Fußball im Park gespielt habe und sie nach einiger Zeit erfuhren, dass ich bei Makkabi Frankfurt spiele, wurden sie aggressiver und haben sogar einen Böller nach mir geworfen.

Wie reagieren Schiedsrichter und Trainer?
Die Makkabi-Trainer gehen meistens mit der Einstellung in ein Spiel, dass wir nicht auf Provokationen reagieren, sondern uns sportlich beweisen sollen. Das führt dazu, dass die Makkabi-Spieler versuchen, Vorfälle wegzulächeln, und sie im Spiel, aber manchmal auch nachher, dem Trainer berichten. Die Schiedsrichter greifen bei antisemitischen Äußerungen aus verschiedenen Gründen nicht ein. Möglicherweise haben sie eine antisemitische Äußerung gar nicht als solche erkannt, oder sie haben Angst vor Konsequenzen der Gegner. Von den Schiedsrichtern ist bedauerlicherweise wenig Unterstützung zu erwarten.

Trifft es auch nichtjüdische Makkabi-Mitspieler?
Ja. Wenn man etwa als Muslim bei Makkabi spielt, wird man oft als Verräter bezeichnet. Ich habe einen Mitspieler, der Mohammed heißt. Er wurde schon häufiger als Verräter abgestempelt, weil er »für die Juden« spielt. Aber auch Christen und Atheisten werden als Juden oder Spieler, die für Makkabi spielen, beleidigt.

Was lässt sich gegen Antisemitismus im Fußball tun?
Das Problem müsste man durch ein umfassendes Bildungs- und Aufklärungsprogramm aufarbeiten. »Gerüchte über die Juden« müssen durch die Begegnung mit Juden und Makkabi-Spielern sowie Aufklärung an Schulen bekämpft werden.

Was können schulische Aufklärungsprogramme bewirken?
Der Antisemitismus wird von Generation zu Generation weitergegeben und versucht immer wieder, salonfähig zu werden. Er wurde erst religiös, dann rassistisch und nun immer mehr durch den jüdischen Staat begründet. Wenn den Jugendlichen das klargemacht wird und ihnen die Auswirkungen des Antisemitismus besser gezeigt werden, fallen sicherlich deutlich weniger Sprüche wie zum Beispiel: »Das, was die Nazis mit euch gemacht haben, macht ihr doch auch jetzt.« Für die Begegnung eignet sich Sport mit am besten, aber bei der Bildung sollte man sich mehr auf die Schulen verlassen können.

Lassen Sie sich Ihren Spaß am Fußball vom Judenhass verderben?
Natürlich geht der Spaß ein bisschen verloren, wenn man zu einem Spiel fährt und weiß, es könnte knallen. Der Antisemitismus bedrückt mich. Ich lasse mir aber nicht von einer Minderheit den Fußball kaputt machen – den Sport, der mein Leben mitgeprägt hat.

Mit dem Torwart der U18-Mannschaft von Makkabi sprach Eugen El.

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