Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Foto: picture alliance/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den jüdischen Gemeinden in Deutschland in einem Brief Glückwünsche zu Rosch Haschana übermittelt. Wir dokumentieren sein Schreiben im Wortlaut.

Zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana übermittle ich der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland meine herzlichsten Glückwünsche für das Jahr 5787!

Rosch Haschana ist ein Fest der Hoffnung. Es ist berührend, den Klang des Schofars zu hören, denn er erinnert an die Möglichkeiten eines Neuanfangs, die jedes neue Jahr in sich trägt. Die Botschaft, dass es immer aufs Neue möglich ist, einander mit Zuversicht und Zugewandtheit zu begegnen, klingt hoffentlich weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus in die gesamte Gesellschaft hinein.

Die vergangenen Jahre waren für viele von Ihnen von großer Sorge geprägt. Die Ereignisse im Nahen Osten seit dem 7. Oktober 2023 haben tiefe Wunden, viel Schmerz und auch anhaltende Sorge bei allen hinterlassen, die mit Israel und den Menschen in der Region verbunden sind. Umso mehr sehnen wir alle uns nach einer Entwicklung, die Hoffnung auf ein friedlicheres Miteinander gibt.

Diese Hoffnung hege ich auch für unser eigenes Land: Wir müssen alles daran setzen, den unerträglichen und weiter wachsenden Antisemitismus hier in Deutschland und auch in Europa zu bekämpfen. Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind, wenn sie bedroht, beschimpft oder gar angegriffen werden.

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Deutschland trägt eine besondere historische Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens. Ich wünsche mir, dass die gesamte Gesellschaft diese Verantwortung versteht, mit Entschiedenheit wahrnimmt und für diesen Schutz eintritt, damit Jüdinnen und Juden nie mehr darüber nachdenken müssen, ob sie anderswo sicherer wären.

Wenn ich sehe, wie vielgestaltig und resilient jüdische Gemeinden hier in Deutschland sich entfalten, dann erfüllt mich das mit Freude und Dankbarkeit. Jüdisches Leben mit seinen Gemeindezentren, Jugendgruppen, Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Sportvereinen und Synagogen gehört mitten hinein in den Alltag unseres Landes.

Die Granatäpfel, die traditionell zu Rosch Haschana gehören, erinnern uns an die unverbrüchliche Kraft der Zuversicht: Man wünscht einander, dass gute Taten und glückliche Momente im neuen Jahr so zahlreich sein mögen wie die kräftigen Kerne in der Frucht.

Diese vielen glücklichen Momente wünsche ich der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland für das anbrechende Jahr von Herzen!

Schana tova u-metuka!

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