Herr Hirsch, bald ist Rosch Haschana – welche Kippa sollte man Ihrer Ansicht nach stilbewusst zum jüdischen Neujahrsfest tragen?
Ganz besonders an diesem Feiertag – und eigentlich auch sonst – rate ich: Lasst die angestaubte Plastikkippa, die ihr 2019 auf einer Hochzeit geschenkt bekommen habt, bitte in der Schublade. Gerade bei den Männern beobachte ich immer wieder, wie der schöne Anzug mit einem ausgewaschenen Fetzen kombiniert wird. Dabei gehört die Kippa doch zum Outfit! Zu Rosch Haschana kann man zum Beispiel eher auf hellere Farben setzen. Schöner als reines Weiß ist Elfenbein oder Beige – am besten farblich zum Hemd abstimmen!
Sie erwähnten die Plastikkippot – welcher Stoff eignet sich denn besser?
Da es ein Feiertag ist, darf es auch beim Material etwas Eleganteres sein: Ein dickerer Cordstoff kann sehr edel wirken, ebenso Samt. Und bitte das Ganze nicht mit einer Haarspange ruinieren! Bei unseren Kippot kann man die Klammer zum Beispiel innen einstecken, so bleibt sie unsichtbar.
Sie verkaufen die Kippa als modisches Accessoire – dabei ist sie erst einmal ein religiöses Symbol. Ist das nicht ein Widerspruch?
Überhaupt nicht! Wer sich für eine ästhetisch ansprechende Kippa entscheidet, schenkt dieser Mizwa zusätzliche Aufmerksamkeit und unterstreicht die religiöse Symbolik sogar noch. Das machen wir ja auch bei anderen Mizwot: Ein polierter Silberkerzenständer macht Chanukka noch schöner als einer aus einfachem Blech.

Gleichzeitig unterliegt die Wahl der Kopfbedeckung nicht nur der individuellen Präferenz, sondern sagt auch etwas über die Zugehörigkeit aus: Eine schwarze Samtkippa kann beispielsweise bedeuten, dass ihr Träger sich eher dem orthodoxen Milieu zurechnet.
Das stimmt. Aber auch da hat man ja die Wahl zwischen der günstigen Variante vom Grabbeltisch an einem Marktstand in Jerusalem oder einem hochwertigeren Modell. Unsere schwarzen Samtkippot verkaufen sich tatsächlich am besten, vor allem in den USA. Gleichzeitig haben wir moderne Varianten aus buntem Strick oder Cord im Angebot, die in liberaleren Kreisen besser ankommen. Wir wollen für alle, die ihr Judentum gern sichtbar leben, etwas anbieten.
In Berlin, von wo aus Sie arbeiten, bedeutet diese Sichtbarkeit auch ein Risiko. Haben Sie sich darüber bei der Gründung Ihres Unternehmens Gedanken gemacht?
Auch ich trage hier die Kippa nicht im Alltag auf der Straße, anders als zum Beispiel in Israel. Aber ich wollte mich bei der Konzeption von diesen traurigen Zuständen nicht einengen lassen: Wir wollten auf keinen Fall Kippot entwerfen, die besonders unauffällig sind. Sondern welche, die strahlen und die man mit viel Stolz tragen kann.
Mit dem Gründer des Berliner Mode-Start-ups »Rubinstein Paris« sprach Mascha Malburg.