Militär

Verteidigung statt Zerstörung

Nicht zum Angreifen gemacht: Die Arrow-3-Raketen sind Teil eines Abwehrsystems und erfüllen somit bereits eine halachische Kategorie. Foto: picture alliance/dpa

Israel zählt zu den größten Waffenexporteuren der Welt. 2023 schloss der jüdische Staat mit Deutschland ein historisches Rüstungsgeschäft zum Kauf des Raketenabwehrsystems Arrow 3 ab. Das System wurde gerade auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin präsentiert und soll bis 2030 als Teil einer europäischen Luftverteidigungsinitiative einsatzbereit sein. Aus jüdischer Sicht stellt sich die grundsätzliche Frage, ob der Verkauf von Waffen und Kriegstechnologien an andere Nationen nach dem Religionsgesetz erlaubt ist.

In der Mischna (Traktat Avoda Zara 1,7) steht, dass es verboten ist, Dinge zu verkaufen, die der Gemeinschaft Schaden zufügen können, und im Talmud (Traktat Avoda Zara 15b) wird explizit der Verkauf von Waffen verboten. Dieses Verbot ist auch im jüdischen Gesetzeskodex Schulchan Aruch (Jore Dea 151,5) festgelegt. Auf den ersten Blick sollten demnach der Verkauf des Arrow Weapon Systems an Deutschland sowie alle anderen Rüstungsexporte, die militärischen Zwecken dienen, verboten sein.

Gibt es möglicherweise gewisse Ausnahmen?

Doch worin unterscheidet sich die Rüstungsbranche von allen anderen Branchen wie Medizin, Wirtschaft oder Hightech, in denen es keine Einschränkungen gibt? Und gibt es möglicherweise gewisse Ausnahmen?

Laut Rabbi Schlomo Izchaki (11. Jahrhundert) soll durch das Verbot verhindert werden, dass diese Waffen gegen Juden eingesetzt werden. Maimonides, der Rambam (12. Jahrhundert), scheint eine andere Meinung zu vertreten. Er bringt das Verbot an zwei Stellen in seinem bedeutenden Gesetzeskodex Mischne Tora, und nirgends erwähnt er, dass es um den Schutz von Juden geht. Was den eigentlichen Grund für das Verbot anbelangt, erklärt er in seinem Kommentar auf die Mischna (1,7), dass Juden nicht an der Zerstörung der Welt beteiligt sein sollten.

Im Talmud wird der Verkauf von Waffen verboten. Aber es gibt Ausnahmen.

Es ist nicht klar, ob er damit »Lifne Iver« – das generelle Verbot, einen Menschen zur Sünde zu verleiten – meint oder ob es ein eher moralisches Verbot ist. Zwar wird im Sefer HaChinuch, einem Werk, das die Gründe der 613 Ge- und Verbote behandelt, das generelle Verbot von Lifne Iver als Begründung für dieses Verbot angegeben, jedoch sei es davon abhängig, ob man jene Waffen auch anderweitig beschaffen könne.

In diesem Fall würde das biblische Verbot von Lifne Iver entfallen, weil Deutschland auch ohne den jüdischen Staat in der Lage wäre, Waffen zu erwerben. Dennoch würde eventuell ein rabbinisches Verbot bestehen bleiben, weil man letztendlich an der Beschaffung der Waffen beteiligt war. Doch schon in der Zeit des Talmuds war es offenbar unter bestimmten Umständen üblich, Waffen zu verkaufen, und die Kommentatoren setzen sich mit der Frage auseinander, wie das möglich war.

Eine Antwort lautet, dass der Verkauf erlaubt ist, wenn diese Waffen auch für den Schutz von Juden eingesetzt werden, und so wird es auch in der Mischne Tora des Rambam (Rozeach 12,13) und dem Schulchan Aruch (Jore Dea 151,6) als Halacha festgelegt. Demnach ist es erlaubt, Waffen an eine Nation zu verkaufen, in der Juden leben, weil dadurch auch Juden beschützt werden.

Verbot unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels

Der italienische Gelehrte Rabbi Jeschaja di Trani (13. Jahrhundert), bekannt unter seinem Akronym »Riaz«, geht noch weiter. Nachdem er ebenfalls schreibt, dass der Waffenverkauf erlaubt ist, wenn im besagten Land Juden leben und diese somit geschützt werden, fügt er hinzu, dass das Verbot nur unmittelbar nach der Zerstörung des Tempels galt, als die Waffen zum größten Teil für den Kampf gegen das jüdische Volk verwendet wurden, »aber heute lebt das jüdische Volk in Frieden unter ihnen, und es ist erlaubt, je nach Zeit und Ort«.

Rabbi Menachem Ben Meiri (13. Jahrhundert), ein mittelalterlicher Gelehrter aus dem Elsass, hat eine besondere Meinung: Das Verbot beziehe sich nur auf »barbarische Völker«, die vor keinem Verbrechen zurückschrecken, nicht aber auf »zivilisierte Nationen«.

Ein weiterer Aspekt, der eventuell einen Unterschied machen kann, ist, dass es sich bei Arrow 3 und ähnlichen Systemen nicht um Waffen handelt, die zum Töten von Menschen vorhergesehen sind, sondern um Verteidigungssysteme, die zu ihrem Schutz eingesetzt werden.

Der Talmud (Avoda Zara 15b-16a) diskutiert, ob Schilder, die rein dem Schutz dienen, verkauft werden dürfen. An einer Stelle wird gewarnt, dass Schilder, wenn die anderen Waffen ausgehen, auch zum Töten eingesetzt werden können. An anderer Stelle hingegen wird der Verkauf von Schildern erlaubt, weil man davon ausgehen könne, dass die Kombattanten fliehen würden, wenn ihnen die Waffen ausgehen und sie niemals Schilder zum Töten einsetzen würden.

Früher diskutierten die Rabbiner über Schilde, die Pfeile abwehren können.

Der Talmud folgt letztendlich der zweiten Meinung, dass der Verkauf von Schilden erlaubt ist.

Somit dürfte es auch ohne die zuvor erwähnten Ausnahmen erlaubt sein, Arrow 3 und andere Verteidigungssysteme zu verkaufen, vorausgesetzt, dass man sie nicht zum Angriff einsetzen kann oder einsetzen würde, auch wenn andere Waffen ausgehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Waffenexport Israels an Länder, in denen Juden wohnen, kein halachisches Problem darstellt, so wie es im Schulchan Aruch steht. Laut dem Riaz wäre der Verkauf auch an ein Land erlaubt, in dem keine Juden leben, solange es den Juden oder dem Staat Israel nicht feindlich gestimmt ist.

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Letztendlich erlaubt Rabbi Menachem Ben Meiri den Verkauf an »zivilisierte Nationen«. Verteidigungssysteme, die nur zum Schutz eingesetzt werden können, dürfen ohne Einschränkung verkauft werden.

Wie unerlässlich und lebenserhaltend die israelische Rüstungsindustrie auch gerade sein mag, wir warten auf die Zeiten, wenn die Worte des Propheten Jeschajahu in Erfüllung gehen: »Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen« (2,4).

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