Talmudisches

Töchter Jerusalems

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Im Talmud (Taanit 26b) wird Rabban Schimon ben Gamliel mit folgenden Worten zitiert: »Es gab für das jüdische Volk keine Tage, die so freudig waren wie der 15. Aw und Jom Kippur, denn an diesen Tagen zogen die Töchter Jerusalems in weißen Gewändern hinaus.« Sie trugen Gewänder, die sie sich geliehen hatten, »um diejenigen nicht in Verlegenheit zu bringen«, die keine besaßen. Alle Gewänder bedurften der rituellen Reinigung durch das Untertauchen in einer Mikwe.

Weiter heißt es dort: »Und die Töchter Jerusalems gingen hinaus und tanzten in den Weinbergen.« Und sie sagten: »›Junger Mann, bitte schau auf und sieh, wen du dir zur Frau aussuchst.‹ Richte deinen Blick nicht auf Schönheit, sondern richte ihn auf eine gute Familie, wie es in dem Vers heißt: ›Anmut ist trügerisch, und Schönheit ist eitel, aber eine Frau, die den Ewigen fürchtet, soll gelobt werden‹ (Sprüche 31,30), und es heißt weiter: ›Gebt ihr die Frucht ihrer Hände, und ihre Werke sollen sie in den Toren preisen‹« (31,31).

Die Töchter des jüdischen Volkes gingen hinaus und tanzten in den Weinbergen

An anderer Stelle (Taanit 31a) heißt es, dass sich die Tochter des Königs Kleidung von der Tochter des Hohepriesters lieh. Die wiederum lieh sich Kleidung von der Tochter des Stellvertreters des Hohepriesters, die von der Tochter des für den Krieg gesalbten Priesters, sie wiederum von der Tochter eines gewöhnlichen Priesters. »Und das gesamte jüdische Volk leiht sich gegenseitig etwas aus.« Warum? Sie taten dies, um niemanden in Verlegenheit zu bringen, der keine eigenen weißen Gewänder besaß.
So gingen also die Töchter des jüdischen Volkes hinaus und tanzten in den Weinbergen. Ein Tanna lehrte: Wer keine Frau hatte, begab sich dorthin, um eine zu finden.

Die Rabbiner lehrten in einer Baraita, was die schönen Frauen unter ihnen sagen würden: »Richtet eure Augen auf die Schönheit, denn eine Frau ist nur zur Schönheit da.« Und was würden die Frauen von vornehmer Abstammung sagen? »Richtet eure Augen auf die Familie, denn eine Ehefrau dient nur den Kindern.« Und schließlich folgt die Frage, was »die Hässlichen unter ihnen« sagen würden: »Erwirb deine Braut um des Himmels willen, vorausgesetzt, du schmückst uns nach unserer Hochzeit mit goldenem Schmuck.«

Kehren wir zum Anfang und der Frage zurück, warum der 15. Aw (Tu beAw) und Jom Kippur so freudige Tage für das jüdische Volk waren. Die Gemara (Taanit 30b und Bava Batra 121ab) gibt einen Hinweis in Bezug auf Jom Kippur: Es ist der Tag, an dem Mosche mit den zweiten Gesetzestafeln vom Berg Sinai zurückkehrte, und er ist für immer als eine Zeit bestimmt, in der uns der Ewige unsere Sünden vergibt.

Die Weisen des Talmuds nennen insgesamt sechs Begründungen dafür, warum Tu beAw so wichtig ist

Und was ist so besonders am 15. Aw (Tu beAw)? Verschiedene Weisen im Talmud nennen insgesamt sechs Begründungen. Eine davon ist, dass es Frauen an Tu beAw erstmals erlaubt war, Männer außerhalb ihres Stammes zu heiraten.

Erst kürzlich lasen wir im wöchentlichen Toraabschnitt, wie die fünf Töchter Zelofchads Mosche inständig baten, nach dem Tod des Vaters ihren Anteil an Eretz Israel nicht zu verlieren. Mosche befragte G’tt, und tatsächlich wurde ihm offenbart, dass die Tora eine Erbfolge der Tochter nach dem Vater vorsieht, sofern keine männlichen Nachkommen vorhanden waren.

Da jedoch ein Ehemann seine Frau bei deren Tod beerbt, wäre der ursprünglich einem Stamm (nämlich dem des Vaters) zugewiesene Landanteil zwangsläufig auf einen anderen Stamm (nämlich den des Ehemannes) übergegangen. Um dieses Dilemma zu lösen, legte die Tora fest, dass Frauen nur Männer aus dem Stamm ihres Vaters heiraten durften (4. Buch Mose 36, 6–9).

Die Rabbinen leiteten jedoch durch biblische Exegese ab, dass dieses Gesetz ausschließlich für jene Generation galt. Diese Auslegung wurde erstmals an Tu beAw bekannt, was Anlass zu großer Feierlichkeit gab.
Und so wurde Tu beAw zum Schidduch-Tag, dem Tag, an dem sich viele Paare finden.

Lech Lecha

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