Ekew

Die Sieben Arten

Schiw’at HaMinim – die sogenannten Sieben Arten: Weizen, Gerste, Wein, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln

Der Wochenabschnitt Ekew enthält faszinierende und schöne Beschreibungen des Heiligen Landes. Dabei geht es um die sogenannten Sieben Arten, das Wassersystem und die landwirtschaftlichen Methoden des Landes.

»… der Ewige, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ein Land mit Wasserbächen«, heißt es im 5. Buch Mose 8,7. Die meisten Wasserläufe in Israel sind im Sommer trocken, doch einige wenige fließen das ganze Jahr über. Die überwältigende Mehrheit befindet sich im Norden. Einer von ihnen ist der gewaltige Nachal Kziv, der die Anhöhen des Galil von Osten nach Westen durchschneidet – von den eindrucksvollen Bergen des Meron, die sich auf mehr als 1000 Meter erheben, bis hin zu den Küsten des Mittelmeers. Das Wasser des Baches ist kühl, die Eichen, Terebinthen und Platanen spenden Schatten, und im Sommer ist er ein Zufluchtsort für viele Ausflügler.

Nicht weniger wichtig sind die Quellen, wie es in der Parascha heißt: »Quellen und Tiefen, die in der Ebene und im Gebirge hervorbrechen« (8,7). Die geologische Struktur der Felsen bildet Gesteinsschichten, die Grundwasser speichern und es an verschiedenen Stellen als Quellen hervortreten lassen. Von den Bergen des Galil und des Golan im Norden bis zu den Judäischen Bergen im Süden ist das Land reich an Quellen, die aus dem Inneren eines Berges hervorbrechen, durch Kanäle oder Tunnel fließen und in rechteckigen Steinbecken gesammelt werden.

Derartige Wasserquellen machen es möglich, dass in Israel die Sieben Arten wachsen, die in unserem Wochenabschnitt genannt werden: »Ein Land von Weizen und Gerste, von Weinstock, Feige und Granatapfel, ein Land von Ölbaum und Honig« (8,8).

Die Sieben Arten erscheinen in der Tora fast in der Reihenfolge ihrer Reifung im Jahreslauf

Diese Sieben Arten erscheinen fast in der Reihenfolge ihrer Reifung im Jahreslauf – von Weizen und Gerste im Frühling und Frühsommer bis zu Olive und Dattel im Herbst. Das Wort »Honig« (Dwasch) wurde in der jüdischen Tradition häufig als Dattelhonig verstanden – ein Sirup, der aus Datteln gewonnen wird. Deshalb wird die siebte Art in der Aufzählung der Sieben Arten in der Regel als Dattel gezählt.

Lernen wir nun die einzelnen Arten und ihre Lebensräume kennen: Weizen und Gerste werden vor allem in der Jesreel-Ebene angebaut, die lange als »Kornkammer« des Landes galt. Etwas westlich davon liegt Zichron Ja’akov, wo der Forscher Aaron Aaronsohn lebte, der die uralte Weizensorte »Mutter des Weizens« entdeckte – jene Sorte, aus der sich der moderne Weizen entwickelte.

Wenn wir saftige Trauben essen möchten, sollten wir die Straße nehmen, die Jerusalem mit Hebron verbindet. Entlang der Straße erwarten uns arabische Händler mit Kisten voller reifer roter und heller Trauben. Weinberge erstrecken sich bis zum Horizont, und arbeitende Bauern ruhen in schattigen Weinlauben unter den breiten Weinblättern. Von genau solchen Weinlauben sagt der Prophet Micha, um eine idyllische Atmosphäre des Friedens zu beschreiben: »Und jeder wird unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum sitzen, und niemand wird ihn aufschrecken« (4,4).

Für reife Feigen sollte man nach Norden in die Stadt Safed fahren

Für reife Feigen sollte man nach Norden in die Stadt Safed fahren, wo mehrere Kabbalisten begraben sind, darunter Rabbi Jizchak Luria und Rabbi Schlomo Alkabetz, der das bekannte »Lecha Dodi« verfasste, das am Freitagabend im Gottesdienst zum Beginn des Schabbats gesungen wird.

Von der Kabbalisten-Gruppe, die sich im 16. Jahrhundert in Safed versammelte, wird erzählt, dass sie hinaus aufs Feld ging, um den Schabbat zu empfangen; aus ihr entwickelte sich der Brauch des Kabbalat Schabbat. Man kann sich Rabbi Jizchak Luria und seine Gefährten vorstellen, wie sie aufs Feld hinausgehen, eine Feige pflücken, aus der Saft tropft, ihre Süße genießen, Psalmen lesen und »Lecha Dodi likrat kala« singen.

»Der Granatapfelbaum verströmte seinen Duft zwischen dem Toten Meer und Jericho«, schrieb der Dichter Ja’akov Orland. Zwar hat der Granatapfelbaum keinen Duft, doch zweifellos ist die gewaltige Hitze der Gegend um das Tote Meer und Jericho gut für die Frucht, damit sie ihre starke Süße entwickeln kann. Wenn wir frischen Granatapfelsaft trinken möchten, sollten wir in die Gassen der Altstadt Jerusalems und ins christliche Viertel gehen, wo Granatapfelstücke für die vielen Pilger ausgepresst werden.

Die Region nördlich von Jerusalem ist reich an Olivenbäumen, die an den Hängen der steilen Berge wachsen. Alte Terrassen, dicht aus Tausenden grauen Steinen gebaut, stützen die Erdflächen, in denen die Olivenbäume gepflanzt sind. Sie gehören zu den kreativsten unter den Bäumen, und kein Stamm eines Olivenbaums gleicht dem anderen – jeder ist ein Kunstwerk für sich. Das Olivenöl, das aus ihnen gewonnen wird, ist eine Delikatesse.

Bleibt noch die letzte Frucht der Sieben Arten: die Dattel. Um ihr zu begegnen, fahren wir entlang der Straße 90 vom Kinneret im Norden durch das Jordantal, an den Ufern des Toten Meeres und durch die Arava bis nach Eilat im Süden. In diesem Tal herrscht enorme Hitze, was hervorragend für die Dattelfrucht ist, und das Grundwasser steht hoch – perfekte Bedingungen für die Palmen.

So endet unsere Reise durch das Land der Tora im Licht der Parascha dieser Woche: faszinierende und vielfältige Wasserquellen, Früchte und Getreide, Geografie und Geologie. Wer durch das Land der Sieben Arten reist, begegnet nicht nur seiner Landschaft, sondern auch der lebendigen Verbindung von Tora, Natur und Geschichte.

Der Autor ist Kantor und Religionslehrer.

inhalt
Der Wochenabschnitt Ekew zählt die Folgen des Gehorsams der Israeliten auf. Wenn sie sich an die Gesetze halten würden, dann blieben die Völker jenseits des Jordans friedlich, und es würde sich materieller Fortschritt einstellen. Die bisherigen Bewohner müssen das Land verlassen, weil sie Götzen gedient haben – nicht, weil das Volk Israel übermäßig rechtschaffen wäre. Am Ende der Parascha verspricht Mosche, im Land Israel würden Milch und Honig fließen, wenn das Volk die Gebote beachtet und an die Kinder weitergibt.
5. Buch Mose 7,12 – 11,25

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