Ein Mann hat am Donnerstagnachmittag einen Brandanschlag auf die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal verübt. Der Täter warf mehrere mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Beutel gegen einen Nebeneingang der Synagoge und setzte diese in Brand, bevor er vom Tatort flüchtete.
Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter festnehmen und hat die Ermittlungen aufgenommen, wie sie der Jüdischen Allgemeinen mitteilte. Der Brand konnte nach Informationen dieser Zeitung innerhalb weniger Minuten gelöscht werden. Verletzt wurde bei dem Brandanschlag niemand.
»Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben«: Zentralratspräsident Josef Schuster.
Zentralratspräsident Josef Schuster verurteilte den Angriff. »Erneut ist es in der Zeit der jüdischen Hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen. Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat«, so Schuster.
Der Zeitpunkt dieses Anschlags sei nicht zufällig gewählt. Er erinnere an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019. Im Juli 2014 wurde die Jüdische Gemeinde von Wuppertal schon einmal Opfer eines Brandanschlags. Damals warfen drei Palästinenser sechs Molotowcocktails auf die Synagoge der Gemeinde. Das Gericht verurteilte die Männer zu Bewährungsstrafen, konnte aber kein antisemitisches Motiv erkennen. Das Urteil wurde damals scharf kritisiert.
Schuster betont, dass sich Jüdinnen und Juden von dem Anschlag nicht abhalten ließen, die anstehenden Feiertage zu begehen - appellierte zugleich aber auch an die Sicherheitsbehörden. »Es bleibt das Muster antisemitischer Gewalt, Feiertage auszuwählen, um Angst zu verbreiten und jüdisches Leben immer weiter aus der Öffentlichkeit zu verdrängen«, erklärte Schuster. »In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. Alle Synagogen werden voll sein. Die Sicherheitsbehörden sind in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten. Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben.«
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW) wurden 2025 insgesamt 1102 Vorfälle dokumentiert. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 940 Fälle registriert worden waren. ja