Die Huthi rücken näher. Nachdem sie in den vergangenen Tagen die Stadt Muha und mehrere Strände sowie eine Insel im Jemen eingenommen haben, nähern sie sich der vollständigen Kontrolle über die Meerenge von Bab al-Mandab. Wodurch die Terrororganisation eine der wichtigsten Handelsrouten beherrscht. Die Auswirkungen sind im Hafen von Eilat, der am Roten Meer liegt, schon jetzt deutlich zu spüren.
Eilat, die südlichste Stadt Israels, direkt an der Grenze zu Ägypten gelegen, versucht sich nach drei Jahren der Krise zu erholen. Doch schon naht der nächste Ausnahmezustand. Denn seit sich die Huthi Ende 2023 in den Krieg zwischen Israel und der Hamas einmischte, sind die Hafeneinnahmen von rund 240 Millionen Schekel pro Jahr (umgerechnet etwa 70 Millionen Euro) auf nahezu null gesunken.
Nur ein Schiff pro Monat legt an
Seit März des vergangenen Jahres hat durchschnittlich nur ein Schiff pro Monat den Hafen angelaufen und dabei etwa 4.700 Container entladen. Ein Bruchteil dessen, was in der Vergangenheit hier anlegte.
Trotz einer Ermäßigung von 90 Prozent auf die Mautgebühren und der Eröffnung einer Umgehungsstraße durch den Hafen von Aqaba, reicht der Betrieb kaum aus, um die Gehälter von rund 100 Festangestellten und 20 Sicherheits- und Reinigungskräften zu finanzieren, klagt die Hafenverwaltung jetzt.
Zudem hatte die Bombardierung einer Ölpipeline in der Region den Ölstrom für mehrere Tage unterbrochen und zu einem Anstieg der globalen Energiepreise geführt. Als Reaktion auf die Eskalation beschloss hat der in London ansässige Schiffsversicherungsrat (SIC) beschlossen, keine Schiffe mehr zu versichern, die das Rote Meer passieren. Die Gegend wurde zum »Kriegsgebiet« erklärt.
Chezi Halawaya: »Wir müssen über eine Anbindung des Hafens am Roten Meer an das nationale Schienennetz nachdenken.«
Und auch das bekam man sofort in Eilat zu spüren. »Es ist durchaus möglich, dass in der neuen Situation selbst der derzeitige eingeschränkte Betrieb nicht mehr stattfinden wird«, hieß es anschließend in einer Erklärung der Hafenleitung. »Und das beunruhigt uns sehr.« Noch niemals sei eine Schifffahrtsroute nach Israel gesperrt gewesen, so die Verwaltung weiter.
»Israel muss sich auf die Terrororganisation Huthi konzentrieren, um die Schifffahrtsroute wieder zu öffnen, und sich der globalen Koalition anschließen. Denn es ist nicht nur ein Problem für Eilat, wir befinden uns in einem Kampf gegen den Iran.« Die Verwaltung fordert von der Regierung ein Sicherheitsnetz und eine Verlängerung staatlicher Unterstützung um ein weiteres Jahrzehnt.
Der Vorsitzende der Hafenvereinigung Israels, Chezi Halawaya, ruft währenddessen dazu auf, die Krise für einen strategischen Kurswechsel zu nutzen. »Die Blockade von Bab al-Mandab unterstreicht die Notwendigkeit, Handelskorridore zu entwickeln und Landbrücken zu umgehen.« Schließlich würden die Häfen nicht isoliert funktionieren. »Alles hängt zusammen.«
Alles, was importiert werden muss, wird sofort teurer
98 Prozent des israelischen Handels werden über den Seeweg abgewickelt, und so wirkt sich jede Störung der Schifffahrt direkt auf die Lebenshaltungskosten aus. Alles, was importiert werden muss, wird umgehend teurer für die Israelis.
»Eilat muss ein integraler Bestandteil der Gleichung bleiben«, unterstreicht Halawaya. »Und deshalb müssen wir ernsthaft über eine Anbindung des Hafens am Roten Meer an das nationale Schienennetz Israels nachdenken.«