Eklat

Kampfpilot weist Vorwürfe von »Naza« zurück

Ein israelischer Kampfjet über Gaza Foto: picture alliance / Anadolu

Auch in der israelischen Armee wird die Dokumentation »Naza« diskutiert. Nachdem Generalstabschef Eyal Zamir ankündigte, eine Besprechung zu dem Film einberufen zu wollen, äußerte sich am Donnerstag auf der israelischen Nachrichtenseite Ynet ein Kampfpilot zu den Vorwürfen. A. widerlegt die Behauptung, dass die IDF den Tod von Hunderten von Zivilisten in Kauf genommen oder sie sogar absichtlich ins Visier genommen habe. Doch er macht gleichfalls klar, dass er auf die Filmemacher »nicht wütend« sei.

A., wie er in dem Bericht von Itamar Eichner bei Ynet genannt wird, ist ein israelischer Pilot des 101. Luftwaffengeschwaders, der »Tausende von Luftangriffen in allen erdenklichen Einsatzgebieten flog« und nach eigener Aussage bis vor etwa einem Jahr die Luftwaffenbasis Ramat David kommandierte.

Er habe den Film nicht gesehen und die Aussagen nicht vollständig gehört. Und doch, meint er: »Wer einen Prozess, dessen einziger Zweck darin besteht, Wahrheit, Transparenz, Dilemmata und moralische Fragen so präzise wie möglich darzustellen, in den Vorwurf umdeutet, wir hätten absichtlich versucht, Zivilisten zu schaden, handelt auf zynische Weise.«

Der Feind trenne Zivilbevölkerung nicht von Terror-Infrastruktur

Laut A. handele es sich bei dem, was man kurz »Kollateralschaden« nennt, in Wirklichkeit um eine ganze Kampfdoktrin. »Der Feind«, erklärte der Kampfpilot, »trennt die Zivilbevölkerung nicht von der terroristischen Infrastruktur, sondern tut alles, um sie gezielt miteinander zu verbinden. Die Rakete befindet sich im Schlafzimmer, das Waffenlager im Kinderzimmer, das Hauptquartier in einem Stockwerk eines dicht besiedelten Wohnhauses, und das Krankenhaus dient als Hauptquartier. Das ist kein Zufall – es ist kalkulierte Planung.« Man müsse das Ausmaß der Grausamkeit dahinter verstehen.

Er erläutert auch die Planung eines Angriffs durch die IDF. Zunächst würde es durch den Geheimdienst Informationen zu einem militärischen Ziel geben, anschließend werde überprüft, ob dies tatsächlich für terroristische Zwecke genutzt wird. Sei das nicht zu klären, so A. »wird es disqualifiziert«. Anschließend gebe es eine Reihe weiterer Genehmigungen. »Ich als Pilot bin die vierte Stufe in diesem Prozess.« Die Armee investiere sehr viel Zeit, um sicherzustellen, dass niemand verletzt werde, betont er.

Für A. ist diese Abwägung auch eine persönliche Angelegenheit. »Ich weiß, dass meine Brüder von der Golani-Brigade dort unten am Boden sind und dass meine Familie in Sderot im Visier der Hamas steht«, sagte er. Und er sei derjenige, der zwischen der Rakete und dem Haus oder der Einheit steht, auf die sie gerichtet ist. Er sei stolz darauf, diese Person zu sein.

A.: »Ich war für Planung und Durchführung Tausender Angriffe verantwortlich. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen: Es gab keine solche genehmigte Aktion.«

Die Sekunden vor dem Abschuss der Waffen bezeichnet er als »extrem kompliziertes Dilemma«, denn man frage sich, welchen operativen Erfolg das Risiko rechtfertigt. Die Behauptung im Film »Naza« über einen einzelnen Angriff, der trotz potenziell hunderter – laut Veröffentlichungen 500 – Todesopfer hätte genehmigt werden können, ärgert ihn: »Ich war für die Planung und Durchführung Tausender Angriffe verantwortlich. Eine solche Zahl, ist mir auch nur annähernd nie untergekommen. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen: Es gab keine solche genehmigte Aktion.«

Im Mittelpunkt der Kontroverse des Films steht »Nesek Agawi« – ​​der hebräische Begriff für Kollateralschaden und der Ausdruck, der dem Akronym »Naza« zugrunde liegt. A. beschreibt dies nicht als eine einzelne Berechnung, sondern als »Teil eines umfassenden Systems aus Aufklärung, Zielüberprüfung, Risikobewertung und operativen Freigaben, welches IDF und die Luftwaffe über Jahrzehnte hinweg entwickelt haben«. A. argumentiert, dass es geschaffen wurde, um bewaffneten Gruppen zu begegnen, die aus zivilen Gebieten heraus operieren, wie beispielsweise die Hamas im Gazastreifen.

Gleichzeitig bestreitet er nicht die zivilen Opfer, die mit einem Krieg einhergehen. »Jeder Angriff birgt das Risiko, Unbeteiligte zu verletzen, und auf menschlicher Ebene ist das fürchterlich. Krieg ist wahrhaftig die Hölle.«

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Er würde keine Anschuldigungen gegen Filmemacher erheben

Darüber hinaus macht A. in dem Ynet-Bericht klar, dass er nicht wütend auf die Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor sei. »Sie lagen mit ihrer Sichtweise falsch, haben vielleicht sogar ihren moralischen Kompass verloren.« Und doch würde er keine Anschuldigungen gegen sie erheben, wenn er ihnen begegnete.

Denn seiner Meinung nach sei die kritische Überprüfung des Militärs ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Es mache ihn stolz, wenn es Untersuchungen, Kritik und Transparenz gebe. »Ich will in der Armee eines Landes dienen, das auch schwierige Fragen zulässt.«

»Ich glaube, jeder, der einen klaren Verstand und ein Herz am rechten Fleck hat, würde antworten, dass er genau dasselbe getan hätte«, ist der ehemalige Kampfpilot sicher. »Wir müssen uns für nichts schämen, keinen Millimeter. Aber wir empfinden auch nicht das Geringste bisschen Freude über das, wozu wir gezwungen waren.«

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