Berlin

Kampflibellen am BER

Turmhohe Wolken schieben sich bedrohlich über den weiten Himmel Brandenburgs. Schlieren am Horizont kündigen den nahenden Regen an. Das Rauschen und Dröhnen von Flugzeugturbinen mischt sich mit klassischer Musik, während über dem nahe gelegenen Rollfeld ein libellenartiger Hubschrauber im Takt halsbrecherische Schleifen und Pirouetten dreht. Winzig klein schwebt das Fluggerät zwischen den Gewitterwolken und wirkt dabei wie ein harmloses Spielzeug.

Der aktuell modernste Kampfhubschrauber »Leonardo AW249« ist Teil der Flugshow der diesjährigen Ausgabe der alle zwei Jahre stattfindenden »Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung« (ILA). Damit ist der Ton der Ausstellung klar gesetzt: Der Fokus liegt, wie schon im Jahr 2024, verstärkt auf der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie, die sich auf die Halle D und den angrenzenden »Defence Park« konzentriert. Die aus aller Welt stammenden Ausstellungsstücke sind hier ebenso erwartbar wie für den Laien furchteinflößend: Panzer, Raketen, Kampfjets und Drohnen in allen Farben und Formen. Der größte Einzelaussteller ist die Bundeswehr, die dort und auf dem riesigen Freifeld ihre neuesten Anschaffungen präsentiert.

Panzer, Raketen, Kampfjets und Drohnen in allen Farben und Formen

Auch einige israelische Unternehmen sind vertreten. Zur Eröffnung des israelischen Pavillons in Halle D ist neben dem israelischen Botschafter Ron Prosor auch der Leiter der Israel’s Missile Defense Organization (IMDO), Moshe Patel, gekommen. Patel ist maßgeblich für das Raketenabwehrsystem »Arrow« (vgl. Seite 21) verantwortlich, das gemeinsam mit den USA entwickelt wurde und dessen aktuell modernste Variante »Arrow 3« seit 2025 in Deutschland im Einsatz ist.

Erst Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der gemeinsame Deal zwischen Israel und Deutschland um weitere 3,1 Milliarden Euro aufgestockt wird. »Wir sind sehr zufrieden mit den deutsch-israelischen Beziehungen. Wir haben wirklich hervorragende Partner und blicken optimistisch in die Zukunft«, bemerkt Patel am Rande der Eröffnung.

Während die »Israel Aerospace Industries« (IAI) als Hauptauftragnehmer des Arrow-Projekts auf dem Freigelände einen eigenen Pavillon eingerichtet haben, sind auch zahlreiche kleinere Unternehmen zur Messe gekommen. Dazu gehört zum Beispiel »Magam Safety«, die aus Gummi bestehende Kraftstofftanks mit selbstdichtendem Schutz herstellen. Die Technologie soll verhindern, dass der Tank von unter Beschuss geratenen Militärfahrzeugen explodiert, und so die Insassen der Fahrzeuge schützen.

Ein Deal zwischen Israel und Deutschland wurde aufgestockt.

Amit Tesler, der Vorsitzende von Magam Safety, betont die langjährige Erfahrung des Unternehmens: »Wir setzen unsere Lösungen seit über 60 Jahren für den Merkava-Panzer in Israel sowie für andere Fahrzeuge ein.« Die ILA sei für das Unternehmen eine hervorragende Gelegenheit, seine Expertise mit Deutschland und anderen Akteuren auf der Messe zu teilen.
Auf ein ganz anderes technologisches Problem reagiert das System der israelischen Firma »eyesAtop«.

Die Plattform des Softwareunternehmens macht es möglich, Drohnen verschiedener Anbie­ter miteinander zu synchronisieren, und erlaubt die gleichzeitige Steuerung mehrerer Geräte durch eine Person. Da die Drohnenkriegsführung weltweit eine immer größere Rolle spiele, hoffe man in Zukunft, die eigene Erfahrung auch mit verbündeten Staaten teilen zu können, erklärt Ido Kretchmer, kaufmännischer Leiter von »eyesAtop«.

Die Bedeutung solcher Systeme dürfe man nicht unterschätzen, fährt Kretchmer fort und erzählt, dass ein ehemaliger Kollege der beiden Gründungsmitglieder des Unternehmens am 7. Oktober 2023 als Geisel genommen wurde: »Wäre eine Technologie wie eyesAtop damals schon im Einsatz gewesen, hätte das vielleicht verhindert werden können. Nach dem 7. Oktober haben unsere Gründer erkannt, dass sie all ihre Ressourcen einsetzen müssen, um Israel zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass er nach Hause zurückgebracht wird.«

Zuerst donnern Kampfjets über das Gelände

Für den israelischen Botschafter Ron Prosor ist die Präsenz israelischer Unternehmen auf der ILA ein wichtiges Signal: »Ich glaube, dass das ein Paradebeispiel für die enge Zusammenarbeit von Deutschland und Israel ist. Als Botschafter bin ich sehr stolz darauf, dass wir Deutschland und Europa dabei helfen, sich zu verteidigen.«

Als am frühen Nachmittag der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz ansteht, nimmt die Flugshow auf dem Gelände noch einmal an Fahrt auf: Zuerst donnern Kampfjets über das Gelände. Sodann springen Fallschirmjäger, bewaffnet mit einer übergroßen Deutschlandflagge, aus einem Helikopter, zu guter Letzt präsentiert »Airbus« seine neueste Passagiermaschine.

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Mit 110.000 Besuchern stellt die ILA einen neuen Rekord auf. Zum Erfolg dürfte auch beigetragen haben, dass das verstärkt um das Thema Verteidigung kreisende Programm einen lebendigen Eindruck von den ebenso beeindruckenden wie beängstigenden Möglichkeiten der hochtechnologisierten Kriegsführung vermittelt.

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