Zeremonie

Die nachgeholte Feier

Erhielt seine Smicha: Max Feldhake Foto: Tobias Barniske

Mit einer kleinen Feier in der Berliner Synagoge Rykestraße ist am Donnerstag vergangener Woche, wenige Tage vor Beginn des Teil-Lockdowns in Deutschland, mit Max Feldhake (32) ein weiterer Absolvent des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs zum Rabbiner ordiniert worden.

Die Ordinationsfeier wurde in einem internen feierlichen Rahmen gehalten und sei »quasi eine Momentaufnahme unserer Krisenzeit«, teilte das liberale Kolleg mit.

Tradition Feldhake sagte der Jüdischen Allgemeinen nach der Veranstaltung: »Die Ordinationsfeier war gut, und ich bin glücklich.« Es sei Teil der jüdischen Tradition, aus jeder Situation auch unter schwierigen Umständen das Beste zu machen.

Bei der zehnten Ordinationsfeier des Kollegs mit rund 300 Gästen am 10. September konnte Feldhake nicht zusammen mit anderen Absolventinnen und Absolventen des Abraham Geiger Kollegs in sein geistliches Amt eingeführt werden, weil er wegen eines Corona-Falls in seinem Arbeitsumfeld als Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne war.

Auswärtiges Amt Zur nachgeholten Ordinationsfeier am Donnerstag vergangener Woche kamen etwa 70 Gäste, darunter Vertreter des Auswärtigen Amtes, wo Max Feldhake seit Mai in der Kultur- und Kommunikationsabteilung beschäftigt ist. Zu den Gästen gehörten auch Botschafterin Michaela Küchler, Sonderbeauftragte für Beziehungen zu jüdischen Organisationen, die religionspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Christine Buchholz, und Pastoralreferentin Eva Wawrzyniak vom Erzbistum Berlin.

16 Dozentinnen und Dozenten der School of Jewish Theology sowie Rabbinerinnen und Rabbiner begleiteten Max Feldhake beim Ein- und Auszug. Ordiniert wurde er in der Synagoge durch den Leiter des Abraham Geiger Kollegs, Rabbiner Walter Homolka.

In seinen geistlichen Gedanken legte Feldhake seinen Ordinationsspruch »Lo beschamaim hi«, »Nicht im Himmel ist’s« (5. Buch Mose 30,12) aus und ging dabei auch auf eine talmudische Geschichte ein, deren Quintessenz laut Feldhake ähnlich zu interpretieren ist: »Die jüdische Tradition liegt bei uns Menschen – nicht nur bei Rabbinern, sondern auch bei Laien«, sagte er.

Auch Rabbiner Jonah Sievers, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Leiter der Kultusabteilung, ging in seinem Grußwort als stellvertretendes Vorstandsmitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland (ARK) auf den Ordinationsspruch ein und setzte das Ganze mit Blick auf die Corona-Krise in aktuelle Bezüge.

Orgel Für die musikalische Begleitung sorgten Kantorin Aviv Weinberg, Kantor Isidoro Abramowicz, Yael Gat (Trompete) und Jakub Stefek aus Stettin an der Orgel, der trotz vieler Schwierigkeiten wegen der Corona-Krise nach Berlin kommen konnte. Auch die beiden am 25. Oktober in Berlin ordinierten Rabbiner des traditionellen Zacharias Frankel College, Netanel Olhoeft und Joshua Weiner, nahmen an der Ordination ihres Potsdamer Kommilitonen teil.

Die Zeremonie sei ein Beispiel dafür, wie sich ein traditionelles Prozedere mit der Berliner Infektionsschutzverordnung gut verbinden lasse, hieß es vonseiten des Kollegs. Bei der Ordinationsfeier galt Masken- und Abstandspflicht.

Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam wurde 1999 als erstes akademisches Rabbinerseminar in Deutschland nach dem Holocaust gegründet. Es ist in den Werten des liberalen Judentums verwurzelt und verbindet nach eigenen Angaben jüdische Traditionen mit modernen wissenschaftlichen Fragestellungen.

Die ersten drei vom Abraham Geiger Kolleg ausgebildeten Rabbiner wurden 2006 in Dresden ordiniert. Inzwischen wurden an dem Rabbinerseminar nach eigenen Angaben mehr als 40 Absolventinnen und Absolventen für die Arbeit in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und Europa, Israel und weiteren Ländern ausgebildet. Und auch Max Feldhake zeigte sich nach seiner Ordination fest davon überzeugt: »Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft.«

Forschung

Der Fuchs, die Gans und der Rambam

Eine Illustration in der Kölner Abschrift der »Mischne Tora« scheint auf das Volkslied anzuspielen. Doch dies entstand viel später

von Lorenz Hegeler  30.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Talmudisches

Kraft der Gemeinschaft

Was unsere Weisen über Zusammenhalt lehren

von Rabbiner Avraham Radbil  24.04.2026

Geschichte

Als die Zeit stillstand

Während der Schoa hatten viele Juden keinen Zugang zu einem jüdischen Kalender. Trotz allem fanden sie Wege, um in den Lagern oder im Versteck den Schabbat und die Feiertage einzuhalten

von Valentin Suckut  24.04.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Acharej Mot – Kedoschim

Feuer aus Menschenhand

Heiligung entsteht nicht im Rückzug ins Himmlische, sondern im gestaltenden Eingreifen in die Welt

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  23.04.2026

Tasria-Mezora

Die Macht des Wortes

Was wir sagen, kann verletzen oder heilen. Die Tora fordert, Schaden zu vermeiden und Gutes zu stiften

von Avi Frenkel  17.04.2026

Talmudisches

Dämonen

Was sind sie, und wie schütze ich mich vor ihnen? Unsere Weisen gaben Antworten

von Rabbinerin Yael Deusel  17.04.2026

Amida

Stehen vor Gott

Das Hauptgebet im Judentum ist Gespräch, Selbstprüfung und kollektive Stimme Israels. Sein Ursprung jedoch ist bis heute ungeklärt

von Sophie Goldblum  16.04.2026