Talmudisches

Dämonen

Eine der Gargouilles von Notre-Dame in Paris Foto: picture alliance / SIPA

Talmudisches

Dämonen

Was sind sie, und wie schütze ich mich vor ihnen? Unsere Weisen gaben Antworten

von Rabbinerin Yael Deusel  17.04.2026 11:10 Uhr

Auch wenn sich die Halacha eindeutig gegen die Ausübung von Totenbeschwörung und Magie aller Art wendet, bestreiten Tanach und Talmud die Existenz solcher Dinge nicht grundsätzlich. So ist im Traktat Sanhedrin (67b) von erlaubter und verbotener Magie die Rede.

Verboten, aber straffrei sind dabei Handlungen, die lediglich auf einer Sinnestäuschung beruhen, im Sinne von Taschenspieler- oder Illusionisten-Darbietungen. Anstelle der »zersägten Jungfrau« wird hier der Trick eines Jahrmarktszauberers mit einem zerteilten Kamel beschrieben, das danach wieder unbeschadet aufsteht. Vor Schaden durch Betrug wird dabei schon im Talmud eindringlich gewarnt.

Eigentlich müssten Dämonen leicht zu erkennen sein.

Nun werden im Zusammenhang mit Zauberei auch Dämonen erwähnt, denen ebenfalls übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Nach Meinung von Rav Pappa können sie selbst keine Gegenstände erschaffen, doch sie sind nach talmudischer Auffassung imstande, bereits vorhandene Dinge zu verwenden, um damit Schaden anzurichten. Und wie sieht so ein Dämon aus? Im Talmud (Chagiga 16a) erfahren wir: Dämonen haben Flügel, mit denen sie sich schnell über große Strecken fortbewegen können. Sie wissen um zukünftige Dinge, die uns Menschen verborgen sind, und sie können auch sprechen. Darin gleichen sie sogar Engeln. Andererseits haben sie auch Ähnlichkeit mit Menschen: Sie nehmen Nahrung zu sich, können sich fortpflanzen und auch sterben. Eigentlich müssten Dämonen auf diese Weise leicht zu erkennen sein, sodass man sich vor ihnen in Acht nehmen kann. Aber so einfach ist das nicht, wie Berachot 6a besagt, denn sie sind größtenteils unsichtbar.

Am besten ist es, bestimmte Orte zu meiden

Am besten ist es daher, von vornherein bestimmte Orte zu meiden, an denen Dämonen sich gern aufhalten, wie zum Beispiel Ruinen oder Friedhöfe. Aber selbst beim Toilettengang ist man nicht vor Dämonen sicher (Berachot 62a), sie können einen sogar noch ein Stück weit begleiten (Gittin 70a).

Zudem lieben sie offenbar die Dunkelheit, daher sollte man nachts möglichst nicht unterwegs sein, schon gar nicht allein. Man sollte zumindest eine Fackel mitnehmen und am besten zusätzlich bei hellem Mondschein gehen (Berachot 43b). Und wenn man schon im Dunkeln draußen ist, soll man achtgeben, wen man grüßt, falls man sein Gegenüber nicht richtig erkennen kann. Denn vielleicht ist es gar kein Bekannter, sondern ein Dämon, der einen irreführen will (Megilla 3a).

Mögen Dämonen Vogelbeerbäume?

Auch bestimmte Bäume und Sträucher werden von Dämonen bevorzugt, wie Kapernsträucher und Vogelbeerbäume. Einst ging ein Mann an einem Vogelbeerbaum vorbei, in dem 60 Dämonen hausten, und sie fuhren in ihn. Leider war der Gelehrte, der ihn heilen wollte, nicht besonders bewandert in der Dämonenkunde, denn er fertigte dem Besessenen ein Amulett gegen einen einzigen Dämon an. Das erheiterte die übrigen Dämonen so sehr, dass sie tanzten und Spottverse sangen, bis schließlich einer kam, der sie mit einem Amulett gegen alle 60 Dämonen vertrieb (Pessachim 111b).

Im Allgemeinen gelten Dämonen als gefährlich

Im Allgemeinen gelten Dämonen als gefährlich. Dass es auch freundliche Vertreter ihrer Art gibt, erfuhren Rabbi Jehuda Nesia und Rabbi Samuel bar Nachman, gegen die der römische Kaiser Diokletian einen Groll hegte. Er befahl ihnen, unmittelbar nach Schabbatausgang vor ihm zu erscheinen, schickte seinen Boten mit dem Befehl aber bewusst so spät los, dass sie die Zeit nicht mehr einhalten konnten. Da kam ein Dämon und bot ihnen seine Hilfe an. Sie waren zuerst skeptisch, aber tatsächlich brachte er sie mithilfe seiner Flügel pünktlich zu Diokletian, zu dessen großem Ärger. Aus Wut darüber ließ der Herrscher das Badehaus, das die beiden Rabbinen besuchten, unerträglich stark aufheizen. Doch der freundliche Dämon ging hin und sorgte dafür, dass es wieder abkühlte, heißt es im Jerusalemer Talmud (Terumot 8,4).

Das zeigt: Dämonen können manchmal sogar Gutes tun, denn auch sie erkennen den Ewigen an (Berachot 5,1).

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