München/Jerusalem

Rabbinerkonferenz weist Kritik an deutschen Yad-Vashem-Standorten zurück

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Nun sollen Standorte in München und Leipzig entstehen. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Der Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland weist die Kritik von Publizist Meron Mendel an den zwei geplanten Yad-Vashem-Bildungszentren in Leipzig und München zurück. Der jüdische Historiker und Direktor der Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt irrlichtere, wenn er seine Kritik an der aktuellen israelischen Politik auf dem Rücken der Schoah-Erinnerung austrage, heißt es in einer am Sonntag in München veröffentlichten Stellungnahme. »Das wird weder der historischen Verantwortung noch der Bedeutung von Yad Vashem gerecht.«

Mendel hatte der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« gesagt, die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem habe zwar große Verdienste, sei aber keine unabhängige Forschungseinrichtung, sondern der israelischen Regierung unterstellt. Derzeit seien in dieser Regierung rechtsradikale Politiker an der Macht: »Was bedeutet das für die Zukunft, wenn eine noch radikalere Regierung kommt?«

Weiter hatte Mendel davor gewarnt, bestimmten Narrativen »langfristig eine Tür zu öffnen«, etwa mit Blick auf die Frage, wo die Trennlinie zwischen berechtigter Israelkritik und Antisemitismus verläuft. Er plädierte für eine strukturelle Einbindung deutscher Erinnerungsinstitutionen. Notwendig sei eine kritische Diskussion darüber, was in den Yad-Vashem-Außenstellen vermittelt werden soll. Bisher nehme er eine große Zurückhaltung bei dem Thema wahr.

Keine politischen Abrechnungen

In der Erklärung der Rabbinerkonferenz wird dagegen darauf verwiesen, dass Yad Vashem nicht für Tagespolitik, sondern für die Erinnerung an die sechs Millionen ermordeten Juden Europas stehe. Damit sei zugleich die Verpflichtung verbunden, dafür zu sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederhole. »Es ist befremdlich, wenn ausgerechnet diese Arbeit zum Gegenstand politischer Abrechnungen gemacht wird.«

Kritik an der Politik der aktuellen israelischen Regierung sei die eine Sache; sie könne natürlich geäußert werden, so die Rabbinerkonferenz. Wer daraus jedoch versuche, die weltweit anerkannte Holocaust-Gedenk- und Bildungsarbeit von Yad Vashem zu delegitimieren, verkenne Auftrag, Rolle und Bedeutung dieser einzigartigen Institution. Die geplanten Bildungszentren seien ein wichtiges Signal gegen Antisemitismus, Geschichtsvergessenheit und Hass. Wer sie diskreditiere, erweise der Erinnerungsarbeit einen schlechten Dienst.

Lesen Sie auch

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland umfasst nach eigenen Angaben 55 Mitglieder. Das Rabbinat für Deutschland mit Sitz in Köln wurde 2003 als Organ des Zentralrats der Juden in Deutschland gegründet mit dem Ziel, sich für das jüdische Leben sowie den Erhalt jüdischer Tradition und Vorschriften hierzulande einzusetzen. An der Spitze stehen derzeit Rabbiner Avichai Apel (Frankfurt), Zsolt Balla (Leipzig) und Yehuda Pushkin (Stuttgart). kna

Großbritannien

Wegen Unterstützung von Palestine Action: Britischer Verlag nimmt Sally Rooneys Bücher vom Markt

Die irische Bestsellerautorin ist für ihre Unterstützung der in Großbritannien als Terrorgruppe eingestuften Organisation bekannt. Sie sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagt Rooney

 16.10.2026

Wolf Biermann

»Israel ist mir näher als alle übrigen Länder dieser Welt«

Der Liedermacher wird 90 Jahre alt. Ein Gespräch über den Krieg gegen Unterdrückung, seine Eltern, den 7. Oktober und über neuen Faschismus

von Tobias Kühn  16.10.2026

Boca Raton (Florida)

Billy Joel kann derzeit weder Auto fahren noch auftreten

Der jüdische Sänger, Pianist und Komponist leidet unter einer Gehirnerkrankung

 16.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Warum ich keine Flugangst mehr habe

von Katrin Richter  15.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

Gesellschaft

Mehr Skepsis

Wie ist es aktuell um gegenseitige Wahrnehmung von Deutschen und Israelis bestellt? An der Hebräischen Universität Jerusalem wurde nun die »Temperatur« der Beziehungen gemessen

von Ralf Balke  15.10.2026

Kolumne

Von der Kreuzigung zu Flydubai

Schon vor 2000 Jahren waren die Juden an allem schuld. Und heute sogar mit Videobeweis!

von Maria Ossowski  14.10.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 15. Oktober bis zum 22. Oktober

 14.10.2026