Antwerpen

Belgien: Empörung über Anklage gegen jüdische Beschneider

Die Beschneidung ist ein fester Bestandteil des Judentums. Foto: epd

45 jüdische Vertreter aus ganz Europa haben die belgischen Behörden aufgefordert, die Strafverfolgung von zwei jüdischen Beschneidern einzustellen. In einem offenen Brief äußern sie sich »entsetzt« darüber, dass die Staatsanwaltschaft Antwerpen Anklage wegen Körperverletzung und unerlaubter medizinischer Tätigkeit anstrebe. Dies komme einer »Kriminalisierung der Beschneidung« gleich und verletze die Religionsfreiheit, heißt es in dem Brief, den die European Jewish Association (EJA) mit Sitz in Brüssel am Dienstag veröffentlicht hat.

Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Antwerpen gegen drei jüdische Beschneider (Mohalim). Gegen zwei von ihnen will die Staatsanwaltschaft Anklage erheben. Ihnen wird unter anderem vorsätzliche Körperverletzung sowie die illegale Ausübung medizinischer Tätigkeiten vorgeworfen, weil sie nicht über eine anerkannte medizinische Ausbildung verfügen. Nach belgischem Recht dürfen Beschneidungen zwar vorgenommen werden, jedoch nur durch entsprechend qualifizierte Personen. Auslöser war eine Anzeige aus der jüdischen Gemeinschaft im Jahr 2024.

EJA sieht Strafverfolgung antisemitisch motiviert

Die Beschneidung in dieser Weise anzugreifen, sei »ein Angriff auf jüdisches Leben in Europa«, heißt es in dem Brief der European Jewish Association weiter. In vielen Ländern sei eine Lösung gefunden worden, die die Religionsfreiheit wahre - etwa in Deutschland oder Frankreich. Die EJA ist »der Ansicht, dass diese Strafverfolgung antisemitisch motiviert ist und an die Verfolgung jüdischer Praktiken in Europa vor dem Zweiten Weltkrieg erinnert.«

Lesen Sie auch

Die Botschaft sei klar: »Juden sind in Belgien nicht mehr willkommen. Und belgische Juden sind nun Bürger zweiter Klasse mit eingeschränkten Rechten.« »Beschneidung ist kein Verbrechen«, schließt der Brief.

Fall löste diplomatische Spannungen aus

Der Fall hatte bereits Mitte Mai diplomatische Spannungen ausgelöst. Israels Außenminister Gideon Saar sprach von einem »Schandfleck für die belgische Gesellschaft« und warf Belgien vor, das Strafrecht gegen Juden einzusetzen, die ihren Glauben ausübten.

Auch der US-Botschafter in Belgien, Bill White, kritisierte das Vorgehen scharf. »Belgien wird nun in der ganzen Welt als antisemitisch gelten«, erklärte er auf der Plattform X.

Die belgische Regierung wies die Vorwürfe zurück. »Die Religionsfreiheit ist ein Grundwert unserer Demokratie und wird auch in diesem Sinne streng geschützt«, erklärte Außenminister Maxime Prévot Mitte Mai gegenüber dem epd.

Zugleich lege Belgien »großen Wert auf die körperliche Unversehrtheit von Personen und insbesondere von Kindern«. Diese beiden Aspekte miteinander in Einklang zu bringen, sei »nicht einfach«. Entscheidend sei jedoch die Gewaltenteilung: »Es darf keine politische Einmischung in eine Rechtssache geben.«

Die Religionsfreiheit der jüdischen Gemeinschaft sei in Belgien nie infrage gestellt worden und werde durch die Verfassung geschützt. Zudem betonte Prévot, dass das Verfahren ursprünglich durch Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft selbst angestoßen worden sei.

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Basel

Herzl im Casino

Das Konzerthaus feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag – es ist auch ein jüdisches Jubiläum

von Peter Bollag  27.08.2026

Meinung

Stoßdämpfer der Demokratie

In Basel wird bei einer Demonstration zum »Tod des Zionismus« aufgerufen. Die Behörden verweisen auf hohe juristische Hürden, eine eidgenössische Kommission auf eine komplexe Lage. Beides trifft zu. Beides reicht nicht aus.

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Schweiz

Das sind die beliebtesten Vornamen für neugeborene Jungen und Mädchen

Eine neue Rangliste des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss

von Nicole Dreyfus  27.08.2026 Aktualisiert

Mythos

Wie lange Haare ikonografisch wurden - vom biblischen Samson zum norwegischen Haaland

Seine blonde Mähne wurde zu seinem Markenzeichen - ebenso wie seine reichlichen Tore. Nun hat der norwegische Stürmer Erling Haaland sich die Haare abrasiert. Verliert er damit seine Macht? Vorbilder legen das nahe

von Johannes Peter Senk  26.08.2026