Brit Mila

»Belgien wird nun in der ganzen Welt als antisemitisch gelten«

Macht der belgischen Regierung schwere Vorwürfe und spricht von einem »Schandfleck«: US-Botschafter Bill White Foto: Michael Thaidigsmann

In Belgien laufen seit einiger Zeit strafrechtliche Ermittlungen gegen drei jüdische Beschneider, sogenannte Mohelim, die nun erneut scharfe Kontroversen zwischen der belgischen Bundesregierung auf der einen und Israels Außenminister Gideon Sa’ar sowie dem US-Botschafter in Brüssel, Bill White, auf der anderen Seite ausgelöst haben.

Die Staatsanwaltschaft will nämlich zwei der drei Mohelim vor Gericht stellen, wie am Mittwoch bekannt wurde. Auslöser war eine Anzeige aus der jüdischen Gemeinschaft selbst im Jahr 2024. »Die Ermittlungen konzentrieren sich auf medizinische Eingriffe durch Männer, die keine medizinische Ausbildung absolviert haben. Mit anderen Worten: Die Beschneidungen würden nicht bei und durch einen Arzt erfolgen«, erklärte die Ermittlungsbehörde vor genau einem Jahr.

Berichten zufolge geht es aber nicht nur um die medizinische Zulassung der Beschneider, sondern auch um die weitgehend verpönte und verbotene Praxis der »Metzitza b’peh«, bei der der Mohel das Blut mit dem Mund aus der Wunde des beschnittenen Jungen absaugt. Mitte Juni muss ein Ermittlungsrichter entscheiden, ob den Beschneidern der Prozess gemacht wird.

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Nicht nur die jüdischen Dachverbände in Belgien sehen das Verfahren kritisch und als »schwerwiegenden Verstoß gegen die Religionsfreiheit«. Auch Donald Trumps Botschafter in Belgien, Bill White, mischt sich regelmäßig mit markigen Worten ein. Am Mittwoch sprach er in einem Post auf der Plattform X von einem »Schandfleck für Belgien«. Die strafrechtliche Verfolgung der Mohelim, von denen einer US-Staatsbürger sei, sei »FALSCH und wird nicht toleriert werden«, so der Diplomat. »Belgien wird nun in der ganzen Welt als antisemitisch gelten«, fügte er hinzu.

Zwischenzeitlich hatte sich der im Februar entzündete Konflikt zwischen White und belgischen Politikern etwas beruhigt. Der Botschafter zeigte sich zuletzt eher versöhnlich und sagte der »Jüdischen Allgemeinen« am Rande einer Veranstaltung der »European Jewish Association« vor drei Wochen in Brüssel, er habe sich mit Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke ausgesprochen. Doch jetzt zog White die Samthandschuhe wieder aus.

Und auch Belgiens Außenminister Maxime Prévot reagierte prompt. Er antwortete White auf X. »Herr Botschafter, ich fordere Sie nachdrücklich auf, mehr Zurückhaltung zu üben«, schrieb er. »Es ist unangemessen, ein Land öffentlich zu kritisieren und sein Ansehen zu schädigen, nur weil Sie mit gerichtlichen Verfahren nicht einverstanden sind. Das habe ich Ihnen bereits gesagt. Würden Sie es als akzeptabel erachten, wenn unser Botschafter in Washington dasselbe täte?«

Die belgische Justiz sei unabhängig und treffe ihre Entscheidungen  frei von jeglichem politischen Einfluss. Der Minister weiter: »Ich erinnere daran, dass das betreffende Verfahren von Vertretern der jüdischen Gemeinde selbst eingeleitet wurde. Dies als den Wunsch eines Landes darzustellen, die Religionsfreiheit der Juden zu untergraben, ist diffamierend. Diese Freiheit wurde in unserem Land nie in Frage gestellt und wird es auch nie werden. Unsere Verfassung schützt sie. Und es steht einem Botschafter nicht zu, die Agenda der Regierung zu diktieren.«

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Und auch seinen israelischen Amtskollegen Gideon Sa’ar bot Prévot ebenfalls auf X Paroli. Sa’ar hatte zuvor Belgien vorgeworfen, sich »gemeinsam mit Irland in eine kurze und beschämende Liste von Ländern« einzureihen, die das Strafrecht nutzten, »um Juden wegen der Ausübung ihres Glaubens strafrechtlich zu verfolgen«, und wie White von einem »Schandfleck für die belgische Gesellschaft« gesprochen. Die belgische Regierung müsse nun »unverzüglich« Maßnahmen ergreifen und eine Lösung finden, verlangte der Likud-Politiker.

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Maxime Prévot, der schon vor einigen Wochen mit Sa’ar aneinandergeraten war, mokierte sich über den israelischen Amtskollegen, der jüngst die Ukraine kritisiert hatte, weil sie Kritik an Israel in den sozialen Netzwerken geübt hatte, anstatt das direkte Gespräch zu suchen.

»Da Sie selbst kürzlich davor gewarnt haben, Diplomatie über Twitter zu betreiben, schlage ich vor, dass wir all diese Themen bei einem Treffen in Israel zu einem für Sie passenden Zeitpunkt besprechen, um allen Missverständnissen ein Ende zu setzen«, schrieb Prévot dem Amtskollegen in Jerusalem ins Stammbuch. Die Kritik an Belgien nannte er »diffamierend«. Die freie Religionsausübung habe in Belgien Verfassungsrang.

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