München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Die Synagoge Ohel Jakob in München Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto

Ein schroffer Kalksteinquader, hoch wie die Jerusalemer Klagemauer, und darauf ein filigraner, goldschimmernder Kubus: Seit 2006 hat die jüdische Gemeinde München wieder eine repräsentative Hauptsynagoge in der Innenstadt.

Der Bau des Saarbrücker Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch hat das Hinterhofdasein der jüdischen Gemeinde in der Reichenbachstraße beendet. Am 9. November feiert die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern mit ihrer Präsidentin Charlotte Knobloch den 20. Geburtstag von Ohel Jakob, dem Zelt Jakobs.

Imposant und unübersehbar steht die Synagoge auf dem zentralen St. Jakobsplatz. Auf dem Eingangsportal prangen zehn hebräische Buchstaben - einer für jedes der zehn Gebote. Dem spektakulären Äußeren des Gotteshauses steht ein mit viel Holz verkleideter, heimeliger Innenraum gegenüber.

Systematische Judenverfolgung

Der Geschichte der Münchner Jüdinnen und Juden wird im unterirdischen Verbindungsgang zum Kulturzentrum gedacht: Dort erinnern beleuchtete Glasplatten an über 4500 jüdischen Menschen aus München, die während des Nationalsozialismus ermordet wurden.

Der 20. Jahrestag der Eröffnung der Synagoge am 9. November 2026 erinnert bewusst an diese Vernichtungsgeschichte: Mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 begann die systematische Judenverfolgung des NS-Regimes. In München brannten jüdische Geschäfte, die beiden verbliebenen Synagogen in der Reichenbach- und der Herzog-Rudolf-Straße wurden zerstört. Die alte Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße stand da längst nicht mehr: Schon am 7. Juni hatte Adolf Hitler persönlich den Befehl gegeben, das 1887 erbaute jüdische Gotteshaus am Lenbachplatz abzureißen.

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Die Eröffnung der neuen Münchner Hauptsynagoge am 9. November 2006 war ein dementsprechend symbolträchtiger Akt: Die jüdische Gemeinde München, 1945 nur zwei Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiedergegründet, kehrte als fester Bestandteil in die Stadtgesellschaft zurück. Die Synagoge Ohel Jakob ist Teil des neuen Jüdischen Zentrums am Jakobsplatz, zu dem unter anderem auch das Jüdische Museum, das Gemeindehaus mit Kindergarten und Grundschule, ein koscheres Restaurant und ein Jugendzentrum gehören.

Eine der größten jüdischen Gemeinden

Mit ihren rund 9.500 Mitgliedern gehört die IKG München und Oberbayern zu den größten jüdischen Gemeinden in Deutschland. Präsidentin ist seit 1985 ohne Unterbrechung die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch, die am 29. Oktober ihren 94. Geburtstag feiert. Sie ist eine der prominentesten Vertreterinnen des Judentums in Deutschland. 1997 wurde sie Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, 2006 für vier Jahre dessen Präsidentin. Dazu kamen Spitzenämter im Jüdischen Weltkongress und im Europäischen Jüdischen Kongress. Mit dem neuen Jüdischen Zentrum wurde für Knobloch ein Traum wahr

Gefühlt habe sie sich aber immer als »Münchner Kindl«, sagte Knobloch einmal dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ihr Herzensthema war daher stets der Bau des neuen Jüdischen Zentrums im Herzen Münchens. Jahrelang habe sie Widerstände hinnehmen müssen, wollte zwischendurch auch schon alles hinschmeißen. Aber: »Ich wollte dieses Projekt durchsetzen.« Mit der Eröffnung des 57 Millionen Euro teuren Jüdischen Zentrums, das seinerzeit das größte jüdische Bauvorhaben in Europa war, sei ein Traum wahr geworden, sagte Knobloch.

Auch wenn das Münchner Judentum wieder mitten in der Stadt verankert ist, kann man von Normalität nicht sprechen: Der Jakobsplatz war und ist einer der bestgeschützten Plätze Münchens, und Charlotte Knobloch eine der bestgeschützten Personen des Landes.

Jüdinnen und Juden waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg massiven Bedrohungen ausgesetzt. Seit dem Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 ist die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Bayern sprunghaft gestiegen. Juden erlebten aktuell ein Land, in dem Antisemitismus auf dem Vormarsch sei, beklagte Knobloch. epd

Lech Lecha

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