München

Für die junge Generation

Studierte in Brüssel, Jerusalem und Berlin: Rabbiner Elie Dues Foto: IKG München und Oberbayern

Das Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) erweitert seine Strukturen: Künftig wird Rabbiner Elie Dues als Jugendrabbiner in der Gemeinde tätig werden. In dieser Funktion ist er für die Betreuung der Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zum Gymnasium der IKG zuständig. Mit dem in Deutschland seltenen Amt des Jugendrabbiners wird die IKG um eine wichtige Stütze für die Jugendarbeit reicher.

Dues, erst in diesem Sommer nach München gezogen und doch mit der Stadt bereits vertraut, blickt seinen bevorstehenden Aufgaben mit Vorfreude entgegen: »Ich sehe ein großes Potenzial hier in München. Es ist die größte Einheitsgemeinde Deutschlands, die jungen Menschen sind wissensdurstig und verlangen nach Angeboten.« Das Klima in der Gemeinde sei freundlich und aufgeschlossen. Dues wechselt direkt aus dem Rabbinerseminar zu Berlin nach München, seine Smicha unter Rabbiner Moshe Mordechai Farbstein erhielt er in diesem Jahr.

Aufgewachsen in einem deutsch-belgischen Haushalt

Elie Dues wuchs im Münsterland in einem deutsch-belgischen Haushalt auf. Deutsch und Französisch sind deshalb seine Muttersprachen, und wenige Jahre nach seiner Barmizwa in Münster zog er mit der Familie im Alter von 16 Jahren nach Brüssel, wo er das Abitur ablegte. Seine Großeltern mütterlicherseits hatten die Schoa als Kinder in einem Versteck in Belgien überlebt.

Mit einigen Grundpfeilern der jüdischen Tradition wurde Dues von klein auf vertraut gemacht. Gleichwohl sei er »nicht religiös aufgewachsen«, sein Weg zur Rabbinerausbildung vollzog sich erst schrittweise. Nach dem Abitur studierte Dues in Brüssel zunächst im Bachelor Politikwissenschaften, im Master dann Umweltwissenschaften. In dieser hybriden Ausbildung als Geistes- und Naturwissenschaftler lernte er, als »Übersetzer zwischen Wissenschaft und Politik« zu fungieren, »zwischen den Naturwissenschaften und dem politischen Management von Umweltfragen«.

Diese kommunikativen Aufgaben sollten ihn auch weiterhin beschäftigen: Mit dem Umzug nach Jerusalem begann er erst seine Studien am Jerusalemer Pardes Institute for Jewish Studies und begann danach, in einer Unternehmensberatung im Jerusalem Technology Park zu arbeiten. Neben seiner Beratertätigkeit vertiefte er auch seine Talmudstudien sukzessiv an den Jeschiwot Ohr Somayach, Shappels, und Bircas HaTorah.

Doch es waren vor allem der Austausch und die Freundschaft mit seiner jiddischsprachigen Chawruta, Rav Shia HaCohen Fink, die ihn anspornten, sein Studium zu vertiefen. »Von frühmorgens bis zwölf Uhr mittags habe ich gelernt und danach dann gearbeitet«, beschreibt Dues seine Zeit in Israel.

Junge Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre jüdische Identität zu erkunden und zu erleben.

Seine Frau Sarah hatte er damals bereits kennengelernt und das genau an jenem Ort, an den er nun als Jugendrabbiner zurückkehrt: auf einem Schabbaton, den ein Freund vom European Center for Jewish Students in München organisiert hatte. Sarah, studierte Biologin und Akupunkteurin, ist amerikanischer Herkunft, spricht neben Englisch fließend Russisch und Hebräisch sowie etwas Deutsch und ist mit Gemeindearbeit bestens vertraut. Mehrere Jahre fungierte sie als Programmdirektorin unter anderem im ukrainischen Charkiw und zuletzt als Direktorin des »JAcademy Gap Year«-Programms in Berlin. Dues und seine Frau bringen auch ihre drei Kinder mit nach München.

Der Wunsch, Jüdischkeit zu stärken

Noch in Israel fiel Dues’ Entscheidung für eine Rabbinerausbildung, die Motivation war klar: »Meine Interessen und Fähigkeiten, das Lernen und Lehren, die kommunikative Arbeit mit den Menschen, verbanden sich mit meinem Wunsch, Jüdischkeit zu stärken.« 2023 begann er die Ausbildung am Rabbinerseminar zu Berlin, drei Jahre später amtiert er nun in München unter der Führung von Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman.

Als Jugendrabbiner will Dues Ansprechpartner für alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit wird dabei das Helene-Habermann-Gymnasium bilden, wo es bisher keine dezidiert jüdische Leitung und Betreuung gab. Neben der Leitung des Fachbereichs Religion und der damit zusammenhängenden Organisation und Durchführung von Fortbildungen für alle Lehrkräfte wird seine wichtigste Aufgabe sein, das jüdische Profil der Schule zusammen mit der Schulfamilie weiter auszugestalten und sichtbar zu machen. Sein Ziel ist es, am Gymnasium einen Minjan aufzubauen und Schiurim zu etablieren, zum Schabbat einzuladen und so jungen Menschen einen Raum zu eröffnen, um ihre jüdische Identität erkunden und erleben zu können.

Diese Stärkung positiver jüdischer Identität sei umso bedeutender, als sich junge jüdische Menschen zunehmend unsicher fühlten. Wegen des wachsenden Juden- und Israelhasses sei, so Dues, »die Jugend zunehmend beunruhigt. Die Verleumdung und Bedrohung werden realer und offener, und umso dringlicher wird es, selbstbewusst und mit Stärke darauf zu reagieren«.

Zwei Aspekte spielten dabei eine besonders große Rolle: Wissen und Gemeinschaft. Das Wissen »um das eigene geistige Vermächtnis und die damit verbundene Verantwortung führt zur selbstbewussten jüdischen Identitätsbildung«, und die »Gemeinschaft und Gemeinde schaffen das sichere Umfeld, diese Werte zusammen mit Leben zu füllen«, beschreibt der neue Münchner Jugendrabbiner den Rahmen und die Chancen seiner neuen Tätigkeit.

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