Nicht nur heute, sondern auch schon zu talmudischen Zeiten galt Bier als beliebtes Getränk. Dabei wurde es allerdings nicht immer nur aus Hopfen und Malz gebraut. Auch Obst und die Beimischung von Gemüse kamen dabei zum Einsatz, was eher an heutige Getränke aus dem Reformhaus erinnert als an Bier nach unserem Verständnis. Vergorene Früchte eignen sich aber tatsächlich zur Bierherstellung, da sie mit Hefe und weiteren Mikroorganismen besetzt sind, die für die Gärung des Suds entscheidend sind.
Braugerste war in Ägypten ein wichtiger Bestandteil, aber auch Weizenbier war zu talmudischen Zeiten schon bekannt, wie eine Diskussion im Traktat Schabbat 110a belegt. Und in Pessachim 56a ist sogar die Rede von einem Starkbier aus Lorbeeren, hier zwar in Zusammenhang mit dem Veredeln von Dattelpalmen. Lorbeeren können jedoch auch zur Herstellung von bestimmten Gin-Sorten verwendet werden, einer Spirituose, die ebenso wie Bier eine verdauungsfördernde Wirkung hat. Häufig erwähnt der Talmud Bier in seiner medizinischen Bedeutung als Mittel sowohl gegen Durchfall als auch gegen Verstopfung. Vielleicht war das aber auch nur als Warnhinweis gedacht, um einem übermäßigen Bierkonsum entgegenzuwirken. Denn offenbar wurde Bier ganz allgemein als Getränk sehr geschätzt.
In Ketubot 8a lesen wir, dass nach Meinung von Rav Pappa zu den Vorbereitungen für eine Hochzeit das Brauen von Bier für die Feier gehörte. Wohl ist an der Stelle von Gerste als zentraler Zutat die Rede, und manche Auslegungen, die Rav Pappa eher mit Dattelbier in Verbindung bringen, meinen daher, die Gerste müsse für die Zubereitung von anderen Nahrungsmitteln gewesen sein.
Rav Pappa war ein renommierter Bierbrauer und verdiente damit gutes Geld
Rav Pappa war ein renommierter Bierbrauer, der damit gutes Geld verdiente (Pessachim 113a). Er könnte durchaus verschiedene Sorten von Bier hergestellt haben, zumal ihm auch das bereits erwähnte Weizenbier bekannt war. In jedem Fall gab es in seinem Haus immer genug davon. Es war so viel, dass es nicht auf die letzten Tropfen ankam, wenn es von einem Gefäß in ein anderes umgefüllt wurde, wie es in Schabbat 139b vielleicht mit einem leisen Anflug von Neid heißt.
Nun lassen sich die medizinischen Eigenschaften von Bier mühelos mit der Durstlöschung kombinieren. In Berachot 44b heißt es, dass der Verzehr von einem kleinen Salzfisch bisweilen tödlich ausgehen kann, vor allem, wenn er nicht richtig zubereitet wurde. Allerdings braucht man sich deswegen keine Sorgen zu machen, wenn man danach Bier trinkt. Das schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn der gesalzene Fisch macht ziemlich durstig.
Rav Josef beispielsweise tat einen öffentlichen Schwur, dass er niemals Bier trinken werde
Man könnte freilich auch etwas anderes trinken. Rav Josef beispielsweise tat einen öffentlichen Schwur, dass er niemals Bier trinken werde, wohl aufgrund negativer Effekte, die er vermeiden wollte. Und Rava ging sogar so weit, dass er sagte, er würde eher das Einweichwasser von Flachs trinken, als Bier zu sich zu nehmen (Pessachim 107a).
Nun enthält Flachswasser tatsächlich einige gesundheitsfördernde Bestandteile, nämlich Ballaststoffe, die die Verdauung fördern, pflanzliche Schleimstoffe, die geeignet sind, gereizte Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt zu beruhigen, Pektine, die für eine gesunde Darmflora sorgen und sogar den Cholesterinspiegel senken können, außerdem Zucker und die Mineralstoffe Kalzium, Kalium und Magnesium. Im Gegensatz zu Bier schmeckt es zwar ausgesprochen fade, aber es ist gänzlich alkoholfrei.
Aber auch nicht jedes Bier scheint ein besonderer Genuss gewesen zu sein. In einer Diskussion in Avoda Zara 68b geht es um eine Maus, die in ein Fass mit Bier gefallen war. Rav verbietet daraufhin verständlicherweise, das Bier aus diesem Fass zu trinken, während Rava der Meinung ist, die Maus habe sogar zu einer Geschmacksverbesserung des Gebräus beigetragen.