Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Ein IDF-Soldat an der Grenze zum Libanon Foto: copyright (c) Flash90 2026

Kaum unterzeichnet, schon auf die Probe gestellt: Neue Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah gefährden das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Terrorsponsor Iran. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben in der Nacht und am Freitagmorgen Stellungen der Terror-Milz Hisbollah im Südlibanon aus der Luft an, nachdem die Terrororganisation Raketen auf israelische Soldaten abgefeuert habe, schrieb die Armee auf X.

Vier israelische Soldaten wurden nach Militärangaben getötet. Vier weitere Soldaten wurden bei einem Drohnenangriff verletzt. Dem Gesundheitsministerium in Beirut zufolge wurden auf libanesischer Seite 18 Menschen getötet und 33 verletzt. Acht Getötete seien Mitglieder derselben Familie, hieß es in der Mitteilung. Unklar ist, ob alle Toten Terroristen waren.

Das bilaterale Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA sieht zwar eine umfassende Beendigung der militärischen Konflikte in der Region vor, enthält aber keine explizite Klausel über einen Abzug der israelischen Truppen. Die Hisbollah ist der wichtigste Verbündete des Teheraner Mullah-Regimes in der Region.

Keine dauerhafte Lösung

US-Vizepräsident JD Vance sagte am Donnerstag, Israel habe das Recht, sich zu verteidigen, aber grundsätzlich müssten die Israelis, genau wie alle anderen, den Friedensprozess respektieren. In einem Interview der »New York Times« (Donnerstag) sagte Vance: »Man kann sich nicht einfach durch Töten aus jedem einzelnen nationalen Sicherheitsproblem herauswinden.« Militärische Gewalt und Bomben könnten keine dauerhafte Lösung für Israels strategische Herausforderungen sein.

Seit dem 8. Oktober 2023 greift die Hisbollah Israel fast pausenlos mit Raketen und Drohnen an. Tausende Israelis aus dem Norden und Bewohner aus dem Süd-Libanon mussten aufgrund der durch die Terroristen herbeigeführten Dauer-Eskalation fliehen.

Derweil hat die Schweizer Regierung eine ursprünglich für Freitag angedachte erste Gesprächsrunde zur Ausgestaltung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran in der Nähe von Luzern abgesagt. Gründe dafür wurden nicht genannt. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals »Axios« erklärte ein hochrangiger US-Beamter, dass einer der Gründe für die Verschiebung der Reise der iranischen Delegation möglicherweise die Lage im Libanon sei. 

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Nicht endgültig festgelegt

Das Weiße Haus teilte mit, dass die Pläne für die Fachgespräche mit dem Iran noch nicht endgültig festgelegt worden seien. Die US-Delegation sei bereit gewesen abzureisen, doch die logistischen Aspekte der Verhandlungen seien noch nie einfach und vorhersehbar gewesen. Eine offizielle Stellungnahme der iranischen Führung liegt bislang nicht vor.Israel lehnt Rückzug aus dem Südlibanon ab

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Donnerstag einen Truppenrückzug aus einer von der Armee errichtete »Sicherheitszone« im Südlibanon abgelehnt. Denn das Gebiet sei eine Barriere zwischen der Hisbollah und den Bürgern und Gemeinden in Nordisrael. Israel werde sich nicht zurückziehen, solange es seine Sicherheitsbedürfnisse erforderten. Die libanesische Regierung stuft das von Israel kontrollierte Areal hingegen als völkerrechtswidrig besetztes Staatsgebiet ein.

Die beiden rechtsextremen israelischen Minister, Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir, forderten nach dem Tod von vier Soldaten im Südlibanon harte Vergeltungsmaßnahmen.

Druck auf Israel

Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge wurde unter anderem die Ortschaft Kfar Tebnit nahe Nabatija von mehreren Luftschlägen getroffen. Demnach kam es dort bei einer strategisch wichtigen Anhöhe zu Gefechten. Ein dpa-Fotograf in der Region berichtete von etlichen Flüchtlingen, die sich mit dem Auto in Richtung der Küstenstadt Sidon in Sicherheit zu bringen versuchten. 

Für Teheran ist das Einbeziehen des Libanon in die Einigung mit den USA Teil einer neuen Sicherheitsdoktrin, wie der Nahost-Experte und Professor für Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität Jerusalem, Simon Wolfgang Fuchs, sagte. Die Schicksale Teherans und Beiruts sollen dabei aneinander gekoppelt werden, so die Strategie. Iran habe auch gedroht, ein endgültiges Abkommen erst dann zu unterzeichnen, wenn sich Israel aus dem Südlibanon zurückzieht.

»Ich gehe derzeit davon aus, dass die USA den Druck auf Israel sukzessive verschärfen werden, um den Knackpunkt Südlibanon aus dem Weg zu räumen«, sagte Fuchs. Auch der Iran-Experte Vali Nasr sieht Anzeichen, dass die iranische Strategie aufgehen könnte: Dass US-Vizepräsident Vance am Donnerstag israelische Kritik am Rahmenabkommen zurückgewiesen habe, spreche für eine neue Kluft zwischen den USA und Israel, schrieb er auf X. (mit ja)

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