Beim FC St. Pauli gab es dieser Tage so etwas wie ein kollektives Aufatmen. Der langjährige Kapitän Jackson Irvine, der sich sportlich verdient gemacht und politisch komplett verrannt hatte, wurde flugs in die japanische J. League verklappt.
Zurück blieben gemischte Gefühle und ein ziemlicher Kollateralschaden, den Irvine und seine umtriebige Gattin mit ihrer Hamas-Solidarität – samt Klamottenpräsentation mit Palästinasymbolen – in dem sehr auf Minderheitenschutz und Antisemitismusprävention bedachten Verein hinterlassen hatten. Irvine und St. Pauli: Das war ein klassischer Fall von Bock und Gärtner.
Haltung ist ein Lieblingswort bei »LemonAid«, etwa der Claim »Haltung in Flaschenform«.
Doch für die israelsolidarischen und global denkenden Menschen rund ums Millerntor und darüber hinaus ist die Causa Irvine noch nicht beendet. Denn der Australier wurde jüngst, im Mai 2026, in den Aufsichtsrat des Unternehmens »LemonAid« berufen, das politisch korrekte Limonade und Eistees herstellt. »LemonAid« ist ein Liebling der progressiven Szene. Auch wegen Sätzen wie jenem, den »LemonAid«-Gründer Paul Bethke anlässlich der Umwandlung des Unternehmens in eine AG sagte: »Wir wachsen nicht trotz unserer Haltung, sondern wegen ihr. Jetzt können Menschen direkt an diesem Modell teilhaben und dessen Zukunft mitgestalten. Und Haltung zu Beteiligung machen.«
Haltung ist ein Lieblingswort bei »LemonAid«, etwa der Claim »Haltung in Flaschenform«. Dass allerdings Überzeugungstäter wie Irvine nicht trotz, sondern wegen ihrer Haltung in den Vorstand des Brause-Betriebs berufen wurden, passt so gar nicht ins solidarische Weltbild der Getränkehersteller.
Oder doch? Ist es vielleicht postkolonial so richtig cool und zielgruppenaffin, antisemitisch zu sein? »Denn wenn wir wachsen, wächst das Gute« – »Werteanlage statt Wertanlage«, so die sendungsbewussten Softdrinkmacher.
»Kapitän mit Haltung – @jacksonirvine_ zeigt, dass Engagement nicht nur auf dem Platz zählt«, heißt es bis heute auf der »LemonAid«-Instagramseite. Irvines Engagement bestand unter anderem im Tragen eines Trikots des fiktiven »FC Palestina«, das ein Israel absorbierendes Großpalästina zeigt und in lautstarken Solidarisierungen mit Gaza-Fans.
Was für den Verein letztlich untragbar war, scheint in die Rezeptur der Weltretter von »LemonAid« bestens zu passen. Und so werden die Brausen des selbsternannten Sachwalters des Globalen Südens flugs zum Lieblingsschluck der Israelhasser. Auch ein Alleinstellungsmerkmal.