Berlin

Staatsanwaltschaft: Hunderte neue antisemitische Straftaten

Eine israelfeindliche Demonstration im Oktober in Berlin Foto: picture alliance / Sipa USA

Die Zahl antisemitischer Straftaten ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf einem konstant sehr hohem Niveau. Im vergangenen Jahr wurden 820 neue Vorfälle in Berlin erfasst, wie der Antisemitismusbeauftragten der Generalstaatsanwaltschaft, Florian Hengst, sagte.

Im Vorjahr registrierte die Behörde 757 Verfahren mit antisemitischem Hintergrund, im Jahr 2023 waren es 589. Allerdings lassen sich die Zahlen nicht ganz miteinander vergleichen, weil es eine Veränderung bei der Statistik gab: Seit dem 2. Halbjahr 2025 erfasst die Behörde in dieser Kategorie auch antisemitische Parolen, die im Rahmen von Versammlungen im Kontext mit dem Nahost-Konflikt gerufen wurden. Dazu zählt vor allem der Ausruf »From the river to the sea«, der bislang ausschließlich in der Statistik zu Straftaten im Kontext mit dem Nahost-Konflikt erfasst wurde.

Im Zusammenhang mit diesem Thema wurden darüber hinaus im vergangenen Jahr 2450 neue Fälle erfasst, im Jahr 2024 waren es noch 4069. Hierbei handelt es sich um Verfahren, bei denen ebenfalls häufig zumindest der Verdacht besteht, dass ein antisemitischer Hintergrund vorliegt.

»Noch keine Entspannung«

Die rückläufige Tendenz in diesem Bereich dürfte im Kontext mit dem Geschehen in Nahhost zu sehen sein, meinte der Antisemitismusbeauftragte. »Die Zahl der Demonstrationen hat zwar deutlich abgenommen. Ich sehe allerdings noch keine Entspannung im Bereich antisemitischer Vorfälle.«

Lesen Sie auch

Nach wie vor gebe es zahlreiche Fälle von Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Sachbeschädigungen durch antisemitische Schmierereien und Beleidigungen von Jüdinnen und Juden - auf öffentlichen Straßen oder im Internet. Auch Körperverletzungen gebe es in einem »nicht unerhebliche Bereich«, so Hengst. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe sich die Situation auch in Berlin deutlich verändert.

Bei den Verfahren zum Nahost-Konflikt dürfte es noch Bewegung geben, weil es beispielsweise bei der Strafbarkeit von einzelnen Parolen immer noch keine Rechtssicherheit gibt. »From the River to the sea, Palestine will free« (deutsch: »Vom Fluss bis zum Meer wird Palästina frei sein«) wird von Juristen unterschiedlich bewertet. Der Ausruf bezieht sich auf das Gebiet zwischen dem Fluss Jordan und dem Mittelmeer. Die Hamas versteht darunter, dass der Staat Israel vernichtet werden müsse. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums ist die Parole in Deutschland verboten, wenn sie als Kennzeichen der Hamas verwendet wird.

Das Berliner Landgericht hat sie in zwei Fällen als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen bewertet. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft könnte sie in einem Fall auch als Billigung von Straftaten gewertet werden. Ein Fall dazu liegt dem Bundesgerichtshof (BGH) derzeit noch nicht vor. Gegen das jüngste Berliner Urteil vom Dezember 2025 wurde jedoch Revision eingelegt. »Ich hoffe auf eine zeitnahe höchstrichterliche Entscheidung«, sagte Hengst. dpa

Washington D.C.

USAID-Ermittlungen: Mehr UNRWA-Mitarbeiter waren am 7. Oktober beteiligt

Drei UNWRA-Lehrern sowie einem Sozialarbeiter der Organisation wird vorgeworfen, entweder an terroristischen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein oder Geiseln festgehalten zu haben

 04.05.2026

Großbritannien

Regierung erwägt Einschränkungen bei israelfeindlichen Demonstrationen

Premierminister Keir Starmer verweist auf eine zunehmende Bedrohungslage für jüdische Gemeinden im Land. Insbesondere Parolen wie »Globalize the Intifada« müssten geahndet werden

 04.05.2026

Sydney

Nach Anschlag von Bondi Beach: Anhörungen zu Antisemitismus beginnen

In den kommenden Monaten sollen zahlreiche Betroffene ihre persönlichen Erfahrungen schildern und damit zur Untersuchung des wachsenden Judenhasses im Land beitragen

 04.05.2026

Washington D.C.

Trump kündigt Eskorte für Schiffe in Straße von Hormus an

Die Operation unter dem Namen »Project Freedom« soll heute beginnen. Das iranische Regime warnt vor einer Eskalation

 04.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Bundesrats-Vorstoß

Zentralrat: Aufruf zur Vernichtung Israels soll strafbar sein

Bericht: Die Bundesländer Berlin und Brandenburg haben noch keine abschließende Position festgelegt

 01.05.2026 Aktualisiert

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026