Großbritannien

Regierung erwägt Einschränkungen bei israelfeindlichen Demonstrationen

Premierminister Keir Starmer Foto: picture alliance / Photoshot

In Großbritannien ist eine kontroverse Diskussion über mögliche Beschränkungen von sogenannten pro-palästinensischen Protesten entbrannt. Premierminister Keir Starmer stellte in Aussicht, dass bestimmte Demonstrationen künftig untersagt werden könnten – und verwies dabei auf eine zunehmende Bedrohungslage für jüdische Gemeinden im Land. Mehrere britische Medien berichteten.

Starmer erklärte, insbesondere Parolen wie »Globalize the Intifada« müssten geahndet werden. »Wenn man einige dieser Sprechchöre hört, dann ist klar, dass härter dagegen vorgegangen werden sollte«, sagte er. Zugleich betonte er, grundsätzlich das Recht auf friedlichen Protest und Meinungsfreiheit verteidigen zu wollen.

Der Chef der Londoner Polizei, Mark Rowley, zeichnete ein alarmierendes Bild. Die Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft sei größer als je zuvor. Eine Mischung aus Hasskriminalität, Terrorismus und dem Einfluss feindlicher Staaten habe eine besorgniserregende Lage geschaffen.

Serie antisemitischer Vorfälle

Rowley erklärte, Juden stünden im Fokus unterschiedlichster extremistischer Gruppen. »Ob extreme Linke, islamistische Terroristen oder rechtsextreme Täter – sie alle haben jüdische Menschen im Visier«, sagte er. Diese Entwicklung habe spürbare Folgen im Alltag vieler Betroffener.

Lesen Sie auch

Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Reihe von Angriffen in den vergangenen Monaten. Dazu zählen Brandanschläge auf Fahrzeuge einer jüdischen Organisation in London sowie weitere Attacken auf Synagogen und Einrichtungen. Erst kürzlich wurden zudem zwei jüdische Männer im Stadtteil Golders Green mit Messern angegriffen.

Vor diesem Hintergrund wächst der politische Druck, auf die Sicherheitslage zu reagieren. Starmer verwies auch auf die »kumulative Wirkung« wiederkehrender Demonstrationen, die in Teilen der jüdischen Bevölkerung als belastend empfunden würden.

Widerspruch von Organisatoren

Scharfe Kritik an den Überlegungen der Regierung kommt von den Veranstaltern der Proteste. John Rees von der Stop-the-War-Koalition warnte, ein Verbot würde grundlegende demokratische Rechte untergraben. »Das würde den Kern der Versammlungs- und Meinungsfreiheit in diesem Land treffen«, sagte er. Viele Menschen würden weiterhin auf die Straße gehen, solange die Konflikte im Nahen Osten andauerten.

Zugleich wies Rees den Vorwurf zurück, die Demonstrationen stellten eine Gefahr für jüdisches Leben dar. »Es gibt keinerlei Bedrohung für die jüdische Gemeinschaft durch diese Märsche«, erklärte er.

Unterstützung für ein härteres Vorgehen kam hingegen aus der Opposition. Konservative Stimmen fordern teils ein vollständiges Verbot solcher Demonstrationen und argumentieren, sie würden als Plattform für Einschüchterung und Gewalt missbraucht. im

Nachruf

Holocaust-Überlebender und Historiker Marģers Vestermanis mit 100 Jahren gestorben

Seine Eltern und Brüder und weitere Angehörige werden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Er selbst überlebte als einziges Familienmitglied. Nach dem Krieg wurde er Historiker

 03.08.2026

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml. Eine Annäherung

von Alexander Friedman  02.08.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026