Suhl

Simson: Nachfahren der Gründerfamilie wehren sich gegen AfD

»Simson«-Mopeds werden 1997 in den Suhler Fahrzeugwerken für eine Lieferung vorbereitet. Foto: picture-alliance / ZB

Die Nachfahren der jüdischen Familie Simson aus Thüringen wehren sich gegen eine Vereinnahmung der gleichnamigen Moped-Marke durch die rechtsextremistische AfD. »Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens«, teilte der Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum, der Deutschen Presse-Agentur mit. »Meine Familie und ich lehnen extremistische Ideologien entschieden ab und wollen die Inbesitznahme unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen.«

Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber Kult. AfD-Politiker wie der thüringische Landeschef Björn Höcke nutzen sie als politisches Symbol. In mehreren ostdeutschen Landtagen drang die AfD darauf, die Simson als immaterielles Kulturerbe schützen zu lassen. Sie stehe »für Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität«, hieß es etwa in einem Antrag der AfD in Brandenburg.

Baum erklärte, die Familie empfinde es als beleidigend, im Zusammenhang mit einer Partei genannt zu werden, die »überwiegend extremistisch« sei. Der Name Simson dürfe unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden. 

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Von den Nazis vertrieben

Die jüdische Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen. Man habe eine große Tragödie erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen Bevölkerung geprägt gewesen sei, betonte Baum. »Deshalb betrachten wir die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte.«

Das Werk in Thüringen war von den Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet worden und hatte sich als Waffenhersteller etabliert. Zugleich widmete sich das Unternehmen dem Fahrzeugbau und entwickelte unter anderem den Rennwagen Simson Supra. In der Nazi-Zeit wurde die Familie zum Verkauf gezwungen. Zu DDR-Zeiten wurde die Fabrik dann zum Volkseigenen Betrieb und produzierte Mopeds zunächst im Auftrag der sowjetischen Militäradministration. dpa/ja

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