Migration

Psychologe Mansour: Zunächst die Menschen integrieren, die da sind

Ahmad Mansour Foto: picture alliance/dpa

Der Extremismus-Experte Ahmad Mansour spricht sich für eine massive Begrenzung der Migration nach Deutschland bis hin zur vorübergehenden Schließung der Grenzen aus. »Wir reden immer über neue Menschen, die dazukommen, werden aber nicht einmal denen gerecht, die bereits bei uns sind«, sagte der Psychologe dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Der gebürtige arabische Israeli Mansour hat in Tel Aviv sowie an der Berliner Humboldt-Universität studiert. Er ist 2004 selbst nach Deutschland eingewandert und beschäftigt sich mit Islamismus, Antisemitismus und patriarchalen Strukturen.

Insbesondere Menschen aus völlig anderen Kulturkreisen wie Afghanen, Syrer oder Iraker sind Mansour zufolge häufig schwer zu integrieren. »Es geht nicht nur um Sprache, Wohnen, Arbeit, es geht um zentrale Werte«, sagte der Extremismus-Experte, der seit 2017 neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat. »Wir müssen uns fragen, wie diese Menschen zu sexueller Selbstbestimmung oder Homosexualität stehen, was sie für ein Frauenbild haben, wie sie mit Kränkungen umgehen, ob sie antisemitische Einstellungen haben.«

Folge misslungener Integration seien Parallelgesellschaften

Grundsätzlich seien zwar auch Migranten aus arabischen Kulturkreisen erreichbar, doch es benötige viel Geduld, Motivation und Gespräche. In Wertevermittlungskursen müssten auch heikle Themen wie Gleichberechtigung, Sexualität oder Judenfeindlichkeit immer wieder angesprochen werden, damit ein Wertewandel stattfinden könne. »Das ist keine Sache von ein, zwei Jahren«, sagte Mansour, der auch die Einbürgerungsmöglichkeit in Deutschland nach fünf Jahren für zu früh hält. Begegnung, kritische Selbstreflexion, Erfolgserlebnisse in der neuen Gesellschaft seien für die Integration wichtig. »Ich denke nicht, dass wir diese notwendige Qualität von Integrationsprozessen auch nur ansatzweise vorhalten.«

Die Folge misslungener Integration seien Parallelgesellschaften. Diese gelte es, unbedingt zu verhindern. Durch striktere Migrationsregularien müssten stattdessen diejenigen gestärkt werden, die sich bemühten, sich anzupassen und bereit seien, Teil dieser Demokratie zu werden. »Wer das tut, muss genau die gleichen Chancen auf Bildung, Aufstieg, Wohlstand und Freiheit haben wie jeder andere hierzulande auch«, betonte der gebürtige Palästinenser.

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Menschen, die sich gegen eine Begrenzung von Migration und eine Migrationsquote aussprechen, warf Mansour Scheinheiligkeit vor. »Ich finde es beschämend, dass das von manchen selbst ernannten Antirassisten als rassistisch bezeichnet wird« kritisierte er. Die Migrationsquote sei im Gegenteil der Versuch, den hier legal lebenden Migranten eine Chance zu geben. Es gehe um eine gesunde Durchmischung, um wertschätzendes Zusammenleben und darum, andere Lebensmodelle kennenzulernen und voneinander zu lernen. »Das ist der Kern von Integration. Dazu reicht es nicht, Menschen am Bahnhof willkommen zu heißen und ihnen einen Teddybären zuzuwerfen.«

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