Meinung

Linke Luftnummer

Ralf Balke Foto: Marco Limberg

Meinung

Linke Luftnummer

Der Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus der Berliner Linken ist heuchlerisch. Die Partei ist derzeit nämlich nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems

von Ralf Balke  13.05.2026 16:51 Uhr

Sie sei froh, dass 81 Jahre nach dem Holocaust »jüdisches Leben wieder in Berlin existiert«, so Elif Eralp in ihrem Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus. Doch der Spitzenkandidatin der Partei »Die Linke« für die Senatswahlen im September ist da wohl ein kleiner Fehler unterlaufen.

Statt »wieder« müsste es eigentlich »noch« heißen. Denn für Juden in Berlin hat sich in den vergangenen drei Jahren die Situation dramatisch verschlechtert. Und die Linke hat maßgeblich dazu beigetragen.

Angefangen von der Teilnahme ihres Führungspersonals an Demonstrationen gegen Israel oder dem »Völkermörder«-Ausraster von Ahmed Abed, Kandidat der Neuköllner Linken für das Amt des Bezirksbürgermeisters, gegenüber Tzvika Brot, Bürgermeister der Partnerstadt Bat Jam – die Liste ist schier endlos.

Da kann man gleich einen Fuchs den Hühnerstall bewachen lassen.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hat deshalb gute Gründe, den Fünf-Punkte-Plan der Berliner Linken als »Feigenblatt« zu bezeichnen, das die eigentlichen Probleme kaschiert. In der Tat geben sich die Verfasser alle Mühe, reichlich Buzzwords wie »Vielfalt« und »Sichtbarkeit« unterzubringen, vermeiden aber die Benennung derjenigen, von denen Antisemitismus ausgeht, als wären es Geister.

Und wie perfide ist es, der »Ausgrenzung jüdischer Kulturschaffender entgegenwirken« zu wollen, wenn doch die Boykotteure in den eigenen Reihen sitzen? Da kann man gleich einen Fuchs den Hühnerstall bewachen lassen.

Lesen Sie auch

»Antisemitismuskritische Strukturen langfristig erhalten und stärken« heißt eine der Forderungen in Eralps Plan. Dass das blanker Hohn ist, offenbarte die Linke, als sie gegen eine Entschließung der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung stimmte, sich mit der Programmschänke »Bajzel« solidarisch zu erklären, die genau diese antisemitismuskritische Arbeit leistet, weshalb ihre Betreiber Morddrohungen erhalten.

Der Fünf-Punkte-Plan ist nichts anderes als ein Versuch, das eigene Image aufzuhübschen und sich einen seriöseren Anstrich zu verleihen – auf Kosten der Juden.

Der Autor ist Journalist in Berlin.

Meinung

Orden für Irans Vatikan-Botschafter: Wie Leo XIV. das Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

TikTok

Antisemitismus per Algorithmus

Antisemitische Inhalte auf der Social-Media-Plattform treten häufig codiert auf. Reichweitenstarke Beiträge sind oft uneindeutig und werden erst im Kontext als antisemitisch erkannt

 13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Vom Herausgeber zum Autor: Der Journalist Ulf Poschardt wechselt seine Position beim Medien-Unternehmen Axel Springer

 13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

London

Sie »fischten« mit Geld nach Juden: Zwei Männer verurteilt

»Fishing for Jews« mit einer Angel, an der ein Geldschein hängt: Im Stadtteil Stamford Hill, in dem viele Charedim wohnen, werden die Verdächtigen von den Shomrim gestellt und später festgenommen

 13.05.2026

Teheran

Weitere Hinrichtung im Iran nach Spionagevorwürfen

Die iranische Justiz hat in den vergangenen Wochen viele Männer exekutieren lassen. Nun wird wieder ein Todesurteil vollstreckt

 13.05.2026

Bern

Mengele-Akten endlich öffentlich

Der Schweizer Nachrichtendienst blockierte den Zugang zu diesen Unterlagen jahrzehntelang. Nun wird diese Sperre aufgehoben

von Nicole Dreyfus  13.05.2026

New York

Jüdische Gruppen planen Demonstration gegen »New York Times«

Die Organisatoren sprechen von »antizionistischen Verleumdungen«, für die das Blatt verantwortlich sei

 13.05.2026