Nach antisemitischen Provokationen im Londoner Stadtteil Stamford Hill sind zwei junge Männer wegen eines religiös motivierten Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung verurteilt worden. Die beiden Angeklagten im Alter von 20 und 21 Jahren bekannten sich vor Gericht schuldig. Die Urteilsverkündung zum Strafmaß ist für Anfang Juni angesetzt. Britische Medien berichteten.
Die Männer hatten laut Polizei gezielt das streng religiös-jüdisch geprägte Viertel im Norden Londons aufgesucht, um dort Videos für TikTok aufzunehmen. Dies geschah bereits am 7. Mai. Auf Aufnahmen, die von der jüdischen Nachbarschaftsschutzorganisation Shomrim veröffentlicht wurden, ist zu sehen, wie einer der beiden mit einer Angelrute durch die Straßen läuft, an deren Ende Geldscheine befestigt sind.
Die Aktion »Fishing for Jews« spielte auf antisemitische Klischees über Juden und Geld an. Der zweite Mann filmte die Szenen mit seinem Mobiltelefon.
»Völlig inakzeptabel«
Nach Angaben der Metropolitan Police versuchten die Verdächtigen zunächst zu fliehen, nachdem Helfer der freiwilligen jüdischen Nachbarschaftswache Shomrim auf sie aufmerksam geworden waren, wurden aber kurz darauf festgenommen. Drei weitere Männer wurden ebenfalls vorübergehend in Gewahrsam genommen und später gegen Kaution freigelassen. Die Ermittlungen dauern an.
Der zuständige Polizeichef Oliver Richter sprach von einem gezielten antisemitischen Angriff. »Dies war ein bewusster und gezielter antisemitischer Angriff, der durch die Absicht verschärft wurde, den Vorfall in sozialen Medien zu verbreiten, um Hass zu schüren. Das ist völlig inakzeptabel und hat keinen Platz in London«, sagte er.
Weiter erklärte Richter: »Unsere Beamten handelten schnell, um die Verantwortlichen festzunehmen, und innerhalb von 48 Stunden wurden sie vor Gericht gebracht und verurteilt. Das sollte eine klare Botschaft senden – wir werden entschlossen gegen jeden vorgehen, der Hasskriminalität begeht.«
Die Polizei in London hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, zusätzliche Einsatzkräfte zum Schutz jüdischer Gemeinden bereitzustellen. Geplant ist ein neues Team aus 100 Beamten mit verstärkter Präsenz in betroffenen Stadtteilen.