Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, spricht bei einer Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Opfer der Novemberpogrome 1938 im Jüdischen Gemeindehaus im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Foto: picture alliance/dpa

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, hat den neuen Fünf-Punkte-Plan der Berliner Linken gegen Antisemitismus scharf attackiert. Gegenüber dem »Tagesspiegel« bezeichnete er das Konzept als »feige« und sprach von einem »Feigenblatt«, das die eigentlichen Probleme ausblende.

Aus Sicht Joffes gehe das Papier an der Realität jüdischen Lebens in Deutschland vorbei. Besonders kritisierte er, dass das Thema muslimischer Antisemitismus darin keinerlei Erwähnung finde.

»Wir haben in Deutschland vor allem ein Problem mit muslimischem Antisemitismus. In dem Konzept taucht dieses Problem nicht ein einziges Mal auf. Daher ist das Konzept unbrauchbar«, sagte Joffe der Zeitung. Probleme könnten nur gelöst werden, wenn sie klar benannt würden.

»Brandmauer gegen links«

Mit Blick auf Schulen schilderte der Gemeindevorsitzende die Lage jüdischer Kinder als besonders problematisch. Er verwies darauf, dass das Jüdische Gymnasium in Berlin in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche jüdische Schülerinnen und Schüler aufgenommen habe, die zuvor öffentliche Schulen verlassen hätten.

Lesen Sie auch

Zugleich warf Joffe der Linken eine widersprüchliche Haltung gegenüber Antisemitismus vor. Er kritisierte in dem »Tagesspiegel«-Interview Veranstaltungen der Partei mit Hamas-nahen Organisationen und erklärte, Solidaritätsbekundungen gegenüber jüdischen Menschen wirkten dadurch unglaubwürdig. In diesem Zusammenhang brachte er die Forderung nach einer »Brandmauer gegen links« ins Spiel.

Auslöser der Debatte ist ein Maßnahmenpapier, das die Berliner Linke am Freitag vorgestellt hatte. Darin fordert die Partei unter anderem stärkeren Schutz jüdischer Einrichtungen, mehr Sichtbarkeit jüdischen Lebens sowie den Ausbau von Präventions- und Beratungsangeboten gegen Antisemitismus. Zudem regte Spitzenkandidatin Elif Eralp an, über einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag an Jom Kippur, Rosch ha-Schana oder auch zum Zuckerfest zu diskutieren.

Der Fall Abed

Innerhalb der vergangenen Monate war die Berliner Linke allerdings selbst wiederholt mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert worden. Für Kritik sorgte unter anderem die Nominierung des Neuköllner Politikers Ahmed Abed, der den Bürgermeister einer israelischen Partnerstadt als »Völkermörder« bezeichnet hatte.

Eralp räumte gegenüber dem »Tagesspiegel« ein, dass es innerhalb der Partei Fehler im Umgang mit Antisemitismus gegeben habe. Debatten über den Nahostkonflikt seien teilweise emotional geführt und dabei Grenzen überschritten worden. im

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Handel

Schiffsverkehr in Straße von Hormus normalisiert sich

Seit Monaten stecken Schiffe in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf fest. Jetzt zeigen erste Auswertungen, dass sich der Verkehr normalisiert. Aber was war mit der Gefahr vor Seeminen?

 25.06.2026

Nahost

Oman: Keine Gebühren an der Straße von Hormus geplant

Aus Sicht der USA kann der Iran für die Passage der Straße von Hormus keine See-Maut verlangen – weder in den Verhandlungen über 60 Tage noch danach. Auch Maskat äußert sich in diese Richtung

 25.06.2026

Gutachten

Chancen für AfD-Verbotsantrag stehen gut

Eine Gruppe von Experten hat das Grundsatzprogramm der AfD, ihre Wahlprogramme und die Parlamentsanträge analysiert. Auch Äußerungen von Funktionären wurden für das Gutachten ausgewertet

 25.06.2026

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  25.06.2026

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026

Neuer Vorstand

Cerstin Richter-Kotowski übernimmt Vorsitz der DIG Berlin und Brandenburg

Die 64-jährige Juristin und Staatssekretärin löst Jochen Feilcke ab. Sie wurde mit großer Mehrheit in das Amt gewählt

 25.06.2026