Interlochen (Michigan)

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jeffrey Epstein im Umfeld einer US-Kunstschule

Der 2011 verstorbene Investor und Sexualverbrecher Jeffrey Epstein Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Interlochen (Michigan)

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jeffrey Epstein im Umfeld einer US-Kunstschule

Zwei ehemalige Schülerinnen schilderten grenzüberschreitendes sexuelles Verhalten des Finanzinvestors

 30.07.2026 11:39 Uhr

Eine unabhängige Untersuchung an einer renommierten Kunstschule im US-Bundesstaat Michigan hat neue Vorwürfe gegen den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein offengelegt. Demnach schilderten zwei ehemalige Schülerinnen grenzüberschreitendes sexuelles Verhalten des Finanzinvestors. Zugleich dokumentiert der Bericht laut amerikanischen Medien zahlreiche weitere Missbrauchsvorwürfe gegen frühere Mitarbeiter der Einrichtung.

Die Untersuchung betrifft das Interlochen Center for the Arts, das internationale Sommerkurse und eine Schule für darstellende Künste betreibt. Die Leitung hatte 2024 eine Anwaltskanzlei mit der Aufarbeitung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs durch Lehrkräfte und andere Beschäftigte beauftragt. Im Verlauf der Ermittlungen wurde der Untersuchungsauftrag auf Hinweise im Zusammenhang mit Epstein ausgeweitet.

Nach Angaben der Kanzlei gingen insgesamt 70 Berichte ehemaliger Schüler ein, in denen 47 frühere Lehrkräfte und Mitarbeiter beschuldigt werden. Die Vorwürfe reichen von den 1950er Jahren bis in die 2010er Jahre und umfassen unter anderem gezielte Anbahnung sexueller Kontakte, anzügliches Verhalten, sexuelle Berührungen und sexuellen Missbrauch. In dem 97 Seiten umfassenden Bericht heißt es: »Die im Verlauf dieser Untersuchung zusammengetragenen Informationen sind schlicht verheerend.«

Jedes Mal »erstarrt«

Eine Frau erklärte, er habe sie in einer Unterkunft in der Schule, die damals seinen Namen trug, mehrfach unter ihrer Kleidung berührt und dies als Versehen dargestellt. Außerdem habe er ihre Reisen nach New York bezahlt, als sie noch Schülerin gewesen sei. Laut dem Bericht schilderte sie, sie sei jedes Mal »erstarrt«, wenn Epstein ihr zu nahe gekommen sei, bis er wieder aufgehört habe.

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Eine weitere ehemalige Schülerin sagte den Ermittlern, sie habe Epstein in dessen Haus massiert. Dabei habe er sie möglicherweise aufgefordert, ihr Oberteil auszuziehen. Nach diesem Vorfall habe es keinen weiteren Kontakt zu Epstein oder dessen später wegen Sexualhandels verurteilter Vertrauten Ghislaine Maxwell gegeben.

Die Schule hatte sich bereits nach Epsteins Verurteilung wegen Sexualdelikten im Jahr 2008 von ihm distanziert und seinen Namen von einer Unterkunft auf dem Campus entfernt. Das Gebäude wurde inzwischen abgerissen. Zwischen 1990 und 2003 hatte dder jüdische Investor nach Angaben der Untersuchung mehr als 400.000 US-Dollar an die Einrichtung gespendet.

Prüfung rechtlicher Schritte

Die Leitung der Kunstschule erklärte, sämtliche Namen der in dem Bericht genannten Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft des Grand-Traverse-County übermittelt zu haben. Dort werde nun geprüft, ob rechtliche Schritte möglich seien. Keiner der Beschuldigten arbeite heute noch für die Einrichtung, mehr als ein Drittel sei bereits verstorben.

In einem Schreiben an die Schulgemeinschaft entschuldigten sich Präsident Trey Devey und der Vorsitzende des Kuratoriums, Barrett Rollins, bei den Betroffenen. »Wir bedauern zutiefst den Schaden, den Mitglieder unserer Gemeinschaft erlitten haben, und entschuldigen uns bei allen, die von Missbrauch am Interlochen betroffen waren«, erklärten sie. Auch wenn sich die meisten Vorfälle vor Jahrzehnten ereignet hätten und die Zahl entsprechender Meldungen in den vergangenen 25 Jahren deutlich zurückgegangen sei, schmälere der Zeitablauf das Leid der Betroffenen nicht. Sexueller Missbrauch durch Erwachsene in einer Vertrauens- oder Machtposition gegenüber Schülern sei »damals wie heute falsch«.

Nach Angaben der Schulleitung unterscheidet sich das Interlochen Center for the Arts heute grundlegend von der Einrichtung, die in dem Untersuchungsbericht beschrieben wird. Inzwischen gebe es umfassende Schutzkonzepte und eine veränderte Sicherheitskultur. im

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