Sachsen-Anhalt

Jurist hält Bundeszwang »nicht für abwegig«

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat AfD in Sachsen-Anhalt, und die AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel in der Bundespressekonferenz Foto: picture alliance / dts-Agentur

Seit dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt erhält ein noch nie angewendeter Passus des Grundgesetzes große Aufmerksamkeit: Der in Artikel 37 geregelte Bundeszwang behandelt die Situation, dass ein Bundesland Vorgaben des Grundgesetzes oder aus Bundesgesetzen missachtet.

»In solchen Fällen kann der Bund die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ein Land zur Erfüllung dieser Pflichten anzuhalten«, sagte der Staatsrechtler Heiko Meiertöns dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Er halte es »nicht für abwegig«, dass es tatsächlich dazu komme.

Als ein mögliches Beispiel nannte Meiertöns, dass in Sachsen-Anhalt ein AfD-Innenminister den Landesverfassungsschutz anweisen könnte, die Partei nicht mehr zu beobachten oder nicht mehr als rechtsextrem einzustufen. »Darin läge eine Verletzung des Bundesverfassungsschutzgesetzes.« Auch die angekündigten »Sonderklassen« für Kinder von Asylbewerbern könnten ein Fall für die Anwendung des Bundeszwangs sein, sagte Meiertöns, der an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung lehrt.

Land müsste Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen

Das Bundeskabinett müsste zunächst eine Pflichtverletzung nach Artikel 37 formal feststellen. Nur wenn auch der Bundesrat mehrheitlich zustimme, könne das Verfahren weitergehen, erläuterte Meitertöns. Das betreffende Land müsse Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen, »außer in ganz eiligen Fällen«.

Lesen Sie auch

Danach könnte die Bundesregierung handeln. »Das Harmloseste wäre wohl, den zuständigen Stellen im Land eine Weisung zu erteilen«, sagte Meiertöns. Auch eine sogenannte Ersatzvornahme sei möglich - »das bedeutet, der Bund macht etwas, was eigentlich das Land tun müsste«. Außerdem könne der Bund einen Beauftragten oder eine Beauftragte entsenden, um »in einer Behörde oder sogar einem Landesministerium die Einhaltung von Bundesrecht durchzusetzen«.

»Irreversible Maßnahmen sind nicht erlaubt«

Die gewählten Maßnahmen dürften aber »keinen Strafcharakter« haben, führte der Jurist aus. »Auch irreversible Maßnahmen sind nicht erlaubt, zum Beispiel eine Änderung der Landesverfassung oder eine Auflösung des Bundeslandes.«

Zur Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich zur Anwendung des Bundeszwangs kommen wird, sagte Meiertöns, die AfD-Programmatik laufe »an verschiedenen Stellen nahezu zwangsläufig auf eine Verletzung von Bundesgesetzen und auch von Verpflichtungen aus dem Grundgesetz hinaus«. Daher sei die »Kraftprobe des Landes mit dem Bund« kein abwegiges Szenario.

»Ich sage es mal so: Im Bundesinnenministerium würde ich jetzt schon mal die Verfügung vorschreiben, ohne genau zu wissen, wie denn die Pflichtverletzung aussieht.« Gerade weil es bisher nie zur Anwendung des Bundeszwangs kam, würde die Sache »ganz sicher« vor dem Bundesverfassungsgericht landen, fügte Meiertöns hinzu. epd

Reaktionen

»Dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos«

Der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh ist einer von vielen Menschen, die sich zum Brandanschlag auf die Synagoge geäußert haben. Die Reaktionen im Überblick

 18.09.2026

Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, nimmt vor dem Rathaus Neukölln an der Aktion „Berlin trägt Davidstern“ teil.

Berlin

Solidarität nach Angriff auf Frau mit Davidstern

Stadtweit waren Berlinerinnen und Berliner zum Tragen eines Magen David aufgerufen. In Neukölln kam es auch zu Pöbeleien

 18.09.2026

Reaktionen

»Dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos«

Der Wuppertaler SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh ist einer von vielen Menschen, die sich zum Brandanschlag auf die Synagoge geäußert haben. Die Reaktionen im Überblick

 18.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern

Umfrage: SPD überholt AfD - CDU rutscht weiter ab

Nur noch wenige Tage bis zur Landtagswahl: Eine neue Umfrage liegt vor - mit teils überraschenden Ergebnissen

 18.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  18.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

Friedman war jahrzehntelang Mitglied der CDU, bevor er 2025 aus Verärgerung aus der Partei austrat

 18.09.2026 Aktualisiert

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 18.09.2026

Washington D.C.

Trump steht im Iran-Krieg vor einer Grundsatzentscheidung

»Bei mir kann alles passieren«, sagt der amerikanische Präsident in Zusammenhang mit seiner Iran-Politik

 18.09.2026

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026