Berlin

Solidarität nach Angriff auf Frau mit Davidstern

Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, nimmt vor dem Rathaus Neukölln an der Aktion „Berlin trägt Davidstern“ teil.
Martin Hikel (3.v.l, SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, nimmt vor dem Rathaus Neukölln an der Aktion »Berlin trägt Davidstern« teil. Foto: picture alliance/dpa

Nach dem antisemitischen Angriff auf eine 43-jährige Frau auf der Torstraße in Berlin-Mitte vor einer Woche, gab es gestern eine berlinweite Solidaritätsaktion. Aufgerufen dazu die Jüdische Gemeinde zu Berlin gemeinsam mit weiteren jüdischen und nichtjüdischen Organisationen und Vereinen. Die Berlinerinnen und Berliner sollten aus Solidarität einen Davidstern tragen.

Die zu Rosch Haschana angegriffene Frau soll selbst keine Jüdin sein, habe aber den Davidstern als Zeichen der Solidarität mit Jüdinnen und Juden getragen. Sie musste mit Schnittverletzungen an der Hand im Krankenhaus behandelt werden.

»Wenn Verbrecher den Davidstern aus dem Berliner Stadtbild verdrängen wollen, dann antwortet Berlin hoffentlich mit tausenden Davidsternen«, hieß es in dem Aufruf. Der Davidstern könne etwa als Kette, Anstecker oder auf einem T-Shirt getragen werden. Zu den Unterzeichnenden gehörten unter anderem der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin, die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin und der Sportverein TuS Makkabi Berlin.

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Der »Tagesspiegel« berichtete, dass zahlreiche Menschen in der Hauptstadt am Donnerstag einen Davidstern an ihrer Kleidung trugen oder entsprechende Fotos oder Videos posteten. Darunter seien auch Politiker wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Vertreter weiterer Parteien gewesen.

Wegner erklärte in einem Post, Berlin unterstütze die Aktion mit größter Sympathie. Die evangelische Kirche in Steglitz zeigte ein Foto mit zehn Mitgliedern, die Schilder mit einem Stern trugen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Berliner FDP-Vorsitzende und Spitzenkandidat Christoph Meyer schlossen sich ebenfalls mit Fotos im Internet an.

Ein selbst gestalteter Davidstern wird bei der Aktion »Berlin trägt Davidstern« vor dem Rathaus Neukölln gezeigt.
Ein selbst gestalteter Davidstern wird bei der Aktion »Berlin trägt Davidstern« vor dem Rathaus Neukölln gezeigt.Foto: picture alliance/dpa

Wie die »Berliner Zeitung« berichtete, gab es am frühen Donnerstagnachmittag auch eine kleine Aktion vor dem Rathaus Neukölln. Das Bezirksamt unter dem scheidenden Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) beteiligte sich mit einer Kundgebung an der berlinweiten Aktion. Hikel bedankte sich bei der Gruppe von knapp 20 Bediensteten. Es sei wichtig, an der Seite all jener zu stehen, die gegen Antisemitismus auf die Straße gingen, so der SPD-Politiker.

»Kippa und Davidstern zu tragen, muss normal sein und nicht, dass man mit einer Glasflasche ins Krankenhaus befördert wird«, sagte ein Teilnehmer namens Cordýline Bartz der Berliner Zeitung. Der 67-Jährige sei zu der Kundgebung gekommen, um für den Schutz jüdischen Lebens einzutreten. In Neukölln fühle er sich als Jude besonders unsicher: Der Hermannplatz, der S-Bahnhof Neukölln, Teile der Sonnenallee – das seien »fast No-go-Areas«. Den derzeitigen Antisemitismus hält er für eine »unzumutbare Belastung für Juden in Deutschland«.

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Die Kundgebung wurde dem Bericht zufolge allerdings von einem kleinen, aber lautstarken Gegenprotest überschattet. Als »performative, nutzlose Aktion« kritisierten demnach eine Handvoll Gegendemonstranten die Kundgebung und übertönten Hikel und seine Mitarbeiter. Die beiden Gruppen trennte offenbar nur ein Meter, bis sich mehrere Polizeibeamte dazwischenstellten.

Eine andere Passantin, die sich der Solidaritätsaktion von Hikel spontan anschloss, berichtete auf ihrer Facebookseite von pöbelnden Gegendemonstranten, die »dem Hikel ihre Handys vor die Nase hielten« und sie an den rechten Youtuber »Aktivistmann« erinnerten. Der Streamer hatte kürzlich auf einer AfD-Party nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die »Spiegel«-Journalistin Ann-Kathrin Müller minutenlang im Pressebereich bedrängt und beleidigt. Es habe sich in diesem Fall aber um Menschen mit mutmaßlich palästinensischem Hintergrund gehandelt. ja/dpa

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