Jerusalem

Warum ein Ex-Shin-Bet-Chef Israelis dazu aufruft, zu Jom Kippur in der Synagoge ihre Waffen zu tragen

Israelische Straßenpassanten in Jerusalem: Nach Rosch Haschana bereiten sich die Menschen auf Jom Kippur vor. Foto: picture alliance / newscom

Angesichts der Sicherheitslage vor Jom Kippur hat ein ehemaliger hochrangiger Shin-Bet-Mitarbeiter jüdische Gemeinden in Israel dazu aufgerufen, während der Gebete für zusätzlichen bewaffneten Schutz zu sorgen. Arik Barbing, der früher den Jerusalemer und den für das Westjordanland zuständigen Bezirk des Inlandsgeheimdienstes leitete und später dessen Cyber-Abteilung führte, sagte dem Radiosender 103FM, registrierte Waffenbesitzer sollten ihre Waffen beim Synagogenbesuch mitführen.

Barbing verwies auf frühere Anschläge: »Wir hatten leider schwere Vorfälle in Synagogen und auch in der Mercaz-Harav-Jeschiwa«, sagte er. Einen lückenlosen Schutz könne es aber nicht geben. Deshalb müssten sich nach seiner Einschätzung auch die Gemeinden stärker auf die Möglichkeiten des zivilen Waffenschutzes stützen. »Heute befinden sich viel mehr Waffen in den Händen von Zivilisten als früher. Die Verantwortlichen der Synagogen sollten dafür sorgen, dass bewaffnete Menschen kommen. Das ist das Mindeste. Es geht darum, Leben zu retten«, sagte Barbing.

Bewaffnete Zivilisten seien unter den gegenwärtigen Bedingungen aus seiner Sicht eine wichtige zusätzliche Schutzlinie für die Betenden. Barbing betonte zugleich, dass die Verantwortung und ein Bewusstsein für die angespannte Sicherheitslage entscheidend seien. Synagogen könnten von Terroristen als Anschlagsziele ausgewählt werden.

Verstärkung der Sicherheitskräfte

Der frühere Shin-Bet-Verantwortliche äußerte sich außerdem zu einem möglichen Szenario, bei dem Waffen palästinensischer Sicherheitskräfte gegen Israelis eingesetzt werden könnten. Eine solche Entwicklung müsse von den zuständigen Stellen berücksichtigt werden. Nach Barbings Angaben befassen sich bereits die israelische Armee, der Shin Bet und weitere Behörden damit.

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Öffentliche Diskussionen über konkrete Vorbereitungen hält er allerdings für problematisch. »Diese Diskussion sollte professionell geführt werden und nicht an die Medien gelangen, die auch von den Palästinensern verfolgt werden. Allein die öffentliche Erörterung des Themas bringt es wieder in den Vordergrund und erzeugt Spannungen«, sagte Barbing.

Unterdessen bereitet sich die israelische Polizei auf die Feiertage vor. Polizeichef Daniel Levy ordnete eine Verstärkung der Sicherheitskräfte an. Tausende Polizisten und Angehörige des Grenzschutzes sollen rund um Synagogen, an besonders sensiblen Orten sowie in Gebieten eingesetzt werden, in denen es zu Konfrontationen kommen könnte.

Die Polizei erklärte gleichzeitig, derzeit lägen keine konkreten Informationen oder Hinweise auf geplante Anschläge während Jom Kippur vor. im

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