US-Präsident Donald Trump sieht im Krieg gegen Iran einen entscheidenden Moment näher rücken. Im Gespräch mit »Axios« sagte er, er werde bald über den weiteren Kurs der Vereinigten Staaten entscheiden müssen. Dabei ließ Trump ausdrücklich offen, ob Washington den militärischen Druck wieder massiv erhöhen oder einen anderen Weg einschlagen werde.
»Ich habe eine große Entscheidung vor mir. Will ich hineingehen und sie [das iranische Regime] vernichten oder will ich es nicht? Es ist eine große Entscheidung. Bei mir kann alles passieren«, sagte Trump.
Eine wichtige Rolle dürfte dabei ein Treffen spielen, das am Dienstag am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York geplant ist. Trump will dort mit den Staats- und Regierungschefs von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Kuwait und Oman sprechen. Von den regionalen Partnern könnte abhängen, ob die USA erneut auf Diplomatie setzen oder den Krieg militärisch verschärfen.
Druck bleibt bestehen
Trump erklärte, er wolle sich bei dem Treffen zunächst ein Bild von der Haltung seiner Partner machen. »Ich möchte herausfinden, wo sie stehen und wie es ihnen geht. Wir waren ihnen gegenüber sehr beschützend«, sagte der US-Präsident. Ob seine Entscheidung noch vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November oder erst danach fallen werde, ließ er offen.
Bereits Anfang August hatte Trump darauf verzichtet, die großen US-Militäroperationen gegen Iran wieder aufzunehmen. Saudi-Arabien und Katar hatten damals Bedenken geäußert, dass Teheran im Falle einer neuen Offensive Energieanlagen in der Golfregion angreifen könnte.
Seitdem verfolgt die US-Regierung einen zurückhaltenderen Kurs. Die Gespräche mit Iran wurden ausgesetzt, zugleich verschärfte Washington seine wirtschaftlichen Sanktionen. Außerdem hält die US-Marine die Blockade iranischer Häfen aufrecht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Wiederöffnung der Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft.
Nach Angaben von »Axios« ist der Tankerverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge inzwischen deutlich gestiegen. Das Vorkriegsniveau wurde allerdings noch nicht wieder erreicht. Gleichzeitig bewegen sich die Ölpreise weiterhin auf einem hohen Niveau.
Die US-Streitkräfte sollen nach den bisherigen Anweisungen Truppen und militärische Kapazitäten im Nahen Osten mindestens bis zum Jahresende in ihrer derzeitigen Größenordnung halten. Damit will Washington für den Fall vorbereitet sein, dass Trump eine Rückkehr zu umfangreichen Kampfhandlungen anordnet.
Aus US-Regierungskreisen heißt es zugleich, dass die gegenwärtige Situation nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden könne. »Irgendwann muss man entscheiden, wie das Endspiel aussieht«, sagte ein US-Regierungsvertreter laut »Axios«.
Kontakte zu Iran
Trump zeigte sich in dem Gespräch zufrieden mit der Wirkung der Seeblockade. Sie habe aus seiner Sicht verhindert, dass Iran weiterhin Öl auf dem Seeweg exportieren könne. »Seit wir begonnen haben, ist kein einziges Schiff nach Iran gefahren. Sie haben es versucht und wir haben sie in die Luft gejagt«, sagte er.
Gleichzeitig erklärte der Präsident, dass es weiterhin einen direkten Kontakt zwischen den USA und Iran gebe. Nach seinen Angaben sei die iranische Seite nach wie vor an einer Vereinbarung interessiert.
Die US-Regierung arbeitet unterdessen bereits an den politischen Rahmenbedingungen für die Zeit nach dem Krieg. Vorgesehen ist nach dem derzeitigen Stand eine stärkere regionale Eindämmung Irans. Gleichzeitig soll die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und weiteren Staaten der Region vorangetrieben werden. im