Politiker und Vertreter jüdischer Organisationen haben mit Entsetzen den gestrigen Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal reagiert. Dieser ereignete sich zwischen zwei hohen Feiertagen im Judentum, Rosch Haschana und Jom Kippur.
»Man kann nicht völlig überrascht sein, weil wir eine Menge von antisemitischen Taten haben in ganz Deutschland«, sagte der aus Wupopertal stammende SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh gegenüber dem WDR. »Aber dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos. Und auch wirklich wütend und fassungslos.«
Ruth Yael Tutzinger, die Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal, erklärte: »Bei mir melden sich natürlich die Bilder von damals. Ich war ja immerhin, als der Zweite Weltkrieg aus war, 13 Jahre alt. Also ich wusste schon, was Sache war.« Die 95-Jährige fügte hinzu: »Es gibt Holocaust-Überlebende, die Morddrohungen bekommen. Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit.«
Lückenlose Aufklärung
Auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein reagierte mit Entsetzen: »Der Versuch, am helllichten Tag, vor laufender Sicherheitskamera und in einer offensichtlichen Seelenruhe das Gebäude des Gemeindezentrums in Brand zu setzen, führt erneut vor Augen, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht sicher sind.«
Oded Horowitz, der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes: »Ein erneuter Anschlag auf eine Synagoge wenige Tage vor Jom Kippur weckt Erinnerungen an den tödlichen Angriff von Halle 2019. Die Kameraaufzeichnungen zeigen eindeutig: Der Angreifer wollte maximalen Schaden anrichten und nahm menschliche Opfer in Kauf. Das ist verstörend und muss endlich spürbare Konsequenzen nach sich ziehen.«
»Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls sowie die Bestrafung des Täters«, erklärte Horowitz. »Darüber hinaus appellieren wir an die
Landesregierung und die zuständigen Behörden, für die Sicherheit ihrer jüdischen
Bürgerinnen und Bürger zu sorgen, bevor es zu Schlimmerem kommt.«
Verbreitung von Angst
Für den Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte dessen Präsident Josef Schuster, der den Anschlag verurteilte: »Erneut ist es in der Zeit der jüdischen Hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen«, sagte er. »Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.«
Der Zeitpunkt dieses Anschlags sei nicht zufällig gewählt, erklärte Schuster. Er erinnere an die Anschläge von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle im Jahr 2019.
Jüdinnen und Juden ließen sich von dem jüngsten Anschlag nicht davon abhalten, die anstehenden Feiertage zu begehen, betonte Josef Schuster. Zugleich appellierte er an die Polizei, die jüdischen Gemeinden zu schützen. »Es bleibt das Muster antisemitischer Gewalt, Feiertage auszuwählen, um Angst zu verbreiten und jüdisches Leben immer weiter aus der Öffentlichkeit zu verdrängen.«
Sicherheit der Gottesdienste
»In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. Alle Synagogen werden voll sein. Die Sicherheitsbehörden sind in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten. Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben.«
Die Europäische Rabbinerkonferenz machte darauf aufmarksam, dass kurz vor dem Anschlag ein Angriff auf einen Rabbiner in Italien verübt worden war war: »Zwei Angriffe auf europäische Juden innerhalb von 48 Stunden: In Mailand wurde Rabbi Tzemach Mizrahi zu Boden getreten. Man riss ihm die Kippa vom Kopf und trat darauf herum, nur weil er als Jude erkannt wurde, während er an einer Bushaltestelle auf seine Kinder wartete«, so die Organisation.
»In Wuppertal wurde eine Synagoge am helllichten Tag mit Brandsätzen angegriffen, erneut während der jüdischen Feiertage, mit einer Dreistigkeit, die keine Spur von Scham oder Furcht vor Konsequenzen erkennen lässt.
Das ist kein Zufall«, so die Rabbinerkonferenz. »Es fügt sich in ein Muster, das wir inzwischen immer wieder sehen. (...) Worte der Verurteilung reichen nicht aus. Jüdische Gemeinden brauchen echten Schutz, und Europa braucht den politischen Willen, diesen Hass an der Wurzel zu bekämpfen, bevor es zum nächsten Angriff kommt, nicht danach.«
Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland nahm Stellung: »Wer jüdisches Leben angreift, greift unsere Demokratie an«, hieß es in einer Mitteilung. »Jüdinnen und Juden müssen in Deutschland sicher leben und ihren Glauben sichtbar ausüben können, ohne Angst und ohne sich bedroht zu fühlen.«
Thorsten Latzel, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, erklärte: »Ich bin fassungslos und entsetzt angesichts des Brandanschlags.«. Es dürfe nicht sein, dass jüdisches Leben und jüdische Einrichtungen in Deutschland nicht sicher seien. »Als Evangelische Kirche im Rheinland stehen wir fest an der Seite unserer jüdischen Geschwister«, so der Präses. ja