»Bündnis Sahra Wagenknecht«

Lafontaine sorgt mit Aussage zu Antisemitismus für Empörung

Oskar Lafonatine in der Talkshow von Sandra Maischberger Foto: picture alliance / HMB Media

Der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes Oskar Lafontaine hat mit einem Facebook-Beitrag einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag heftige Kritik ausgelöst. Am Montag schrieb der Politiker, der Mitglied in dem nach seiner Ehefrau benannten »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) ist, in dem sozialen Netzwerk: »Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus.« Der Saarländische Rundfunk (SR) berichtete zuerst darüber.

Lafontaine führte in dem Beitrag aus, dass die Nationalsozialisten nicht nur sechs Millionen Juden, sondern auch 25 Millionen Bürger der Sowjetunion umgebracht hätten. »So richtig es ist, niemals Waffen zu liefern, mit denen wieder Juden ermordet werden können, so geschichtsvergessen und skrupellos ist es, Waffen zu liefern, mit denen wieder Russen ermordet werden«, schreibt der 82-Jährige in Anspielung an deutsche Waffenlieferungen an die von Russland überfallene Ukraine.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Er fährt fort: »Der Höhepunkt der moralischen Verwahrlosung der deutschen Politik ist es, Israel Waffen zu liefern und dadurch den Völkermord an den Palästinensern zu unterstützen.« Lafontaine meint damit offenbar den Krieg in Gaza, der am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas mit Massakern im Süden Israels begonnen wurde. In den darauffolgenden Kämpfen wurden weite Teile Gazas zerstört. Seit Oktober 2025 herrscht ein Waffenstillstand.

Lafontaine veröffentlichte den Beitrag auch im Namen des BSW. Die Partei stellte sich auf Nachfrage des SR hinter die Aussagen ihres Mitglieds. Andere Parteien reagierten dagegen empört.

Raphael Schäfer, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, sagte: »Wer einen solchen Vergleich am heutigen Tag macht, der sucht nach medialer Aufmerksamkeit. Wir alle wissen, wo sozusagen das BSW sich aktuell befindet, nämlich im freien Flug nach unten. Das heißt, Herr Lafontaine missbraucht den heutigen Tag, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und das ist in ganz scharfen Worten zurückzuweisen.«

Antisemitismusbeauftragter nennt Aussage »völlig inakzeptabel«

Ulrich Commerçon, Fraktionsvorsitzender der SPD im saarländischen Landesparlament, erklärte: »Herr Lafontaine möchte, dass an dem Tag der Befreiung von Auschwitz über ihn geredet, anstatt der Opfer gedacht wird? Das mache ich nicht mit«, so der Sozialdemokrat, dessen Partei auch Lafontaine lange angehört hatte. »Ich erlebe in Deutschland in der demokratischen Mitte keinen Russenhass, keinen Hass auf andere Völker. Ich erlebe, dass die Taten von Putin verabscheut werden.«

Der saarländische Antisemitismusbeauftragte Roland Rixecker sagte laut SR am Dienstag am Rande einer Gedenkveranstaltung, dass Lafontaines Aussage, Russenhass sei so schlimm wie Antisemitismus, »völlig inakzeptabel« sei. »Vor allem im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt am Abend vor dem Holocaust-Gedenktag ist es nur beschämend und peinlich«, so Rixecker.

Lesen Sie auch

Lafontaine wies gegenüber dem SR die Kritik an ihm zurück. »Es geht nicht ums Gleichsetzen, es geht darum, dass wir auf der einen Seite gegenüber Israel verpflichtet sind, weil sechs Millionen Juden ermordet worden sind. Wir sind aber auch gegenüber Russland verpflichtet, weil zwölf Millionen Russen ermordet worden sind«, sagte der BSW-Politiker. ja

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026

Kommentar

»Ich esse gerne Wassermelonen«

Wie BSW-Spitzenkandidat Michael Lüders sich als verrückter Rand einer Wahldebatte präsentierte

von André Anchuelo  17.09.2026

Berlin

Michael Lüders provoziert mit Israel-Anstecker in Wassermelonen-Farben

In der RBB-Wahlarena danach befragt, antwortete der BSW-Kandidat, schnippisch, dass er gerne Wassermelonen esse

 17.09.2026

Bericht

Amnesty benennt »Architekten von Gräueltaten« im Iran

Vor vier Jahren entzündeten sich Anti-Regierungs-Proteste im Iran am Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die blutige Niederschlagung der Proteste unter die Lupe genommen

 17.09.2026

Berlin

Islam-Kritikerin Ates: Zehn-Punkte-Plan der Bundesregierung unzureichend

Islamistischen Gewalttaten gehe immer ein Radikalisierungsprozess voraus. Islam-Kritikerin Ates will deshalb nicht nur härtere Strafen, sondern auch frühe Vorbeugung

 17.09.2026

Washington D.C.

USA verweigern palästinensischer Delegation Visa für UN-Generalversammlung

Die Entscheidung betrifft auch den vor 21 Jahren für vier Jahre gewählten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas

 17.09.2026

Berlin

Evers attackiert Eralp wegen Antisemitismus bei Linken

Am Sonntag wird das Abgeordnetenhaus in Berlin neu gewählt. Kurz vor der Entscheidung treffen die Spitzenkandidaten im RBB aufeinander. Auch der Nahost-Konflikt und Antisemitismus spielten eine Rolle

 17.09.2026